Montag, 17. November 2014

Von Menschen, Tieren und Doktoren

Jeder Tierbesitzer kennt die Atmosphäre im Wartezimmer einer Tierarztpraxis. Da treffen die verschiedensten Arten aufeinander - und ihre Tiere haben sie auch noch mitgebracht! Während des Wartens auf die heilenden (oder impfenden) Hände des Docs werden Krankengeschichten, Probleme und explizite Eigenheiten des wohlbehüteten Vierbeiners erzählt und manchmal auch leidenschaftlich diskutiert. Besonders heikel wird es, wenn Katzenhalter ihre Katzen in Boxen auf dem Schoss halten (daher wohl der Name!)  und Hundebesitzer ihren Hunden erfolglos befehlen, endlich mal "PLAAATZZZ" zu machen oder wenigstens mit dem zwar herzzerreißenden, aber irgendwann auch nervtötenden Gefiepe aufzuhören.
Überhaupt: Hunde. Während die besten Freunde des Menschen die Praxis mit all' ihren sterilen Gerüchen meist eher widerwillig und unter Androhung und Ausübung von Zwang betreten - oder besser beschleifen! - lässt das Katzentier von Welt sich äußerst vornehm in einer kleinen Wohneinheit mit Aussicht, warmer weicher Kuscheldecke und Lieblingsspielzeug huldvoll in die Räume tragen. Wer ist hier wohl klar im Vorteil? ;-)
Der Hund wird sich am Empfangstresen mit übergroßen Pupillen und später auch im Wartezimmer an der Leine rotieren, sich vor Verlegenheit überall kratzen, niesen und weiterhin fiepen, was das Zeug hält. Manchmal schlägt die Angst vorm Doc auch in überspringende Aggressionen um und Artgenossen werden frontal attackiert, wann immer sich die Gelegenheit ergibt. Da kann selbst der bravste Golden Retriever zur Kampfsau mutieren, denn je länger gewartet werden muss, desto dünnhäutiger wird der vierbeinige Freund und gibt sich auch keine Mühe, das zu verbergen.
Die Katze, selbst wenn sie sowas wie Panik schiebt, hat immer noch genügend Contenance in sich, um aus ihrer Box das hechelnde, winselnde Etwas auf dem Boden mit einem einzigen Blick äußerst primitiv und bemitleidenswert wirken zu lassen. Selbst wenn Mieze vor Stress einige Pfund Fell abwirft, wirkt sie dabei immer noch hoheitsvoll und vornehm, ein Eindruck, den selbst die Tatsache, dass sie vor lauter Bammel auf ihr Kuschelkissen gepieselt hat, nicht mehr abwerten kann.
Katzen sind also wahre Meister im Überspielen ihres eigentlichen Zustandes, solange sie in ihrem Transportkorb sitzen und sich sicher fühlen. Sie kommen zwar momentan nicht da raus, aber es kommt auch kein anderer rein.
Das Problem ist also eher, die Katze aus ihrem möglicherweise großen Revier, also eure Wohnung und bei vielen auch noch das Außengelände, in diesen im Verhältnis dazu klitzekleinen Korb zu verfrachten. Ok, manche packen ihre Katze, Körbchengittertüre auf, Katze rein, Körbchengittertüre wieder zu.
Schön, wenn das so einfach gelingt.
Bei Jeannie ist das etwas schwieriger. Die läßt sich nämlich nicht so einfach packen. Dann sieht man nur noch einen schwarzen Kondensstreifen und man darf warten, bis sie wieder unter dem Bett oder Sofa hervorkommt.
Beim ersten Mal, als sie zum Impftermin musste, kam ich mir unheimlich schlau vor, indem ich die Box ein paar Tage geöffnet im Wohnzimmer aufgestellt hatte und immer ein paar Leckerlies hineinwarf, auf dass Jeannie dieses Ding "positiv mit etwas Angenehmen" verknüpft. So weit, so gut. Sie ging hinein, mampfte ihr Leckerlie und kam wieder heraus. Prima.
Am "Stichtag" im wahrsten Sinne des Wortes war ich also äußerst zuversichtlich, dass die kleine Rebellin sich artig in ihren Korb begeben würde und wir ohne weiteres Theater zum Tierarzt führen und uns dort den Pieks abholen, der sie nach Abschluss der Grundimmunisierung zur Freigängerin befördern würde.
Ich hätte das jetzt so gerne so geschrieben, aber ganz so einfach war es leider dann doch nicht.
Der Korb stand mit weit geöffnetem Türchen im Raum und ich warf das ultimative Lieblingsleckerchen hinein. Jeannie reagierte prompt und rannte hinterher, allerdings merkte sie meine Anspannung und bremste kurz vorher ab. Ich verstärkte den Köder mit einer Kaustange und spätestens da muss ihr klar geworden sein, dass irgendetwas ungewöhnliches anstand. Sie suspektierte. Ich Cleverle hatte ihr aber morgens kein Futter gegeben, damit sie hungrig genug ist, um auf meine Katzenfalle hereinzufallen. Hunger macht aber auch aggressiv!
Ihr kennt ja aus vorherigen Beiträgen das Bild der  "sauren" Jeannie.
Nun, um es kurz zu machen, sie stand vor dem Korb, suspektierte wie erwähnt und ich griff ihren kleinen Katzenpopo und schob ihn mit sanfter Gewalt in dem Korb, um mit der anderen Hand das Gittertürchen zu schließen. Klapp. Zu.
Als ob ich die Büchse der Pandora geöffnet hätte!
Ein Knurren, grollen,  fauchen, spucken aus dem Inneren der Box! Glühende grüne Augen starrten mich fassungslos an und ich muss sagen, ich kämpfte mit den Tränen in diesem Moment und hätte sie beinahe, BEINAHE wieder da herausgelassen. Eine noch nicht mal ausgewachsene Bestie tobte in der Box und drohte diese in Atome zu zerlegen!
Nein. Ich zog vernünftigerweise meine Jacke an und tat das, wozu diese Box gemacht wurde: Kleine widerspenstige Katzen von a nach b zu bringen. In diesem Fall zum Tierarzt wegen der verdammten Impfung, die man ihr im Tierheim irgendwie nicht verabreichen konnte, weil sie einen Schnupfen hatte.
A propos Tierheim. Dort war ich ja Augenzeugin, wie sich diese kleine zarte schwarze Katze von der Mitarbeiterin so mir nichts, dir nichts in den Korb verfrachten ließ. Was machen die da anders? Sind die Katzenzimmer womöglich so mit Pheromonen und Baldrian vollgepumpt, dass die Katzen dort den allerbesten, also todbraven Eindruck machen, gerade so als könnten sie kein Wässerlein trüben?
Ich war bedient.
Und wenn ihr wissen wollt, was in der Tierarztpraxis geschah und ob Jeannie ihren Pikser bekommen hat, lest mal wieder 'rein!

Herzliche Grüße an eure Vierbeiner, egal ob Hund, Katze, Hamster oder Wellensittich von
Eurer Katzenmama Copine :-)


1 Kommentar:

  1. Herrlich, Gaby, ich wühle mich gerade durch Deinen Blog - Du solltest dringend mal überlegen, ein Buch zu schreiben!

    LG Melanie mit Lemmy :-)

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