Tja, liebe Freunde des gepflegten Überraschungsausflugs, so ist das nun mal im Leben. In einem Moment ist die Welt noch einigermaßen in Ordnung und im nächsten...;-)
.. und so geht die Geschichte weiter:
Leise, ganz leise, damit Bolle nicht auf uns aufmerksam wurde (der Ahnungslose spielte immer noch mit seinem Birkenknabberast), stupste ich den Großen Tollpatsch an: "Sollen wir es ihm schonend beibringen oder warten wir einfach ab?"
"Nicht jetzt, Mäxchen", antwortete Romi ebenso leise. "Später, im Stall, wenn wir unter uns sind", fügte er mit einem Blick auf die gespitzten Ohren der Stute Rosi hinzu. Rosi war das Informationsmedium in unserer Weidegemeinschaft: Aktueller als eine Onlinezeitung, dramatischer als ein Spielberg-Film und schneller als ein Gepard im Beuteanflug. Rosi eben. Und die hatte wohl Wind von der Neuigkeit bekommen. Warum können Zweibeiner nicht EINMAL unauffälliger agieren!
"HUHUUUU!" schallte es bereits von der Nachbarweide herüber und Rosi kam betont lässig zum Zaun galoppiert. "Alles gut bei euch Jungs?"
"Jaja, Rosi, alles bestens, bei euch Mädels?" entgegnete ich ebenso lässig.
"HABT IHR SCHON GEHÖÖÖRT?"zwitscherte Rosi aufgeregt."DIE RONJA HAT BEIM TURNIER DEN VORLETZTEN GEMACHT!" Rosi schüttelte sich vor Lachen und wieherte albern. "Den VORLETZTEN! Dabei tut sie immer so gebildet, aber nichtmal eine A-Dressur vernünftig hinkriegen. HIHIHIHIIIHIHI!"
"Ah, äh, naja. Man kann ja nicht immer gewinnen, ne?" zwinkerte ich der eigentlich hübschen Schimmelstute zu. Wenn sie nicht so geschwätzig wäre, wäre sie eigentlich auch eine Julia für Romi. ;-)
Der hingegen war nicht gerade in Flirtlaune, nicht mal zum Tratsch am Koppelzaun aufgelegt. Um nicht am Gespräch teilnehmen zu müssen, tat er so, als hätte er ein leckeres Grasbüschel gefunden und schnoberte über den Boden.
"DU ROOOMIIIII?" flötete Rosi. Sie jedenfalls wäre nicht uninteressiert an einer kleinen Romanze.
"Was meinst du, welche Farbe würde am besten zu meinen Augen passen? Meine Zweibeinerin will mir ein neues Halfter kaufen. Pink? Lindgrün? Oder besser ein Gestreiftes?" Sie klimperte mit ihren wirklich üppigen Wimpern.
Romi brachte nur ein staubtrockenes - was ja kein Wunder war, denn das Gras wuchs noch nicht so recht - "Blau. Nimm einfach blau" hervor. Aufs Flirten verstand er sich prächtig. Aber wer soll es ihm verdenken, an solche Banalitäten zu denken, wenn sein zweitbester Freund Bolle soeben in Gefahr geraten war?
"BLAU IST ABER DOCH EHER WAS FÜR ALTGEWORDENE SPRINGTUSSIS, FINDEST DU NICHT? ICH BRAUCH WAS HIPPES, FRISCHES FÜR MEINEN SPIRIT!"
"Dann geh doch zu NETTO" knirschte Romi. Er, der selber eitel ist bis in die Schweifspitze, hatte dafür nun gerade so gar keinen Sinn. "Komm, Mäxchen. Wir müssen etwas besprechen." murmelte er mir zu und Seite an Seite schritten wir auf Bolle zu, ans andere Ende der Koppel.
"BIS SPÄTER MAAAL, JUNGS! GRÜSST DEN DICKEN BOLLE VON MIIIIR!" rief Rosi hinter uns her. Sie war anscheinend ein bißchen traurig, dass ihre Neuigkeit bei uns nicht auf Begeisterung gestoßen ist, und ihr neues Halfter wohl auch nicht wirklich.
"Bolle, wir sind doch gute Freunde, ne?" eröffnete Romi das Gespräch. Bolle blickte auf, ließ Birkenast Birkenast sein und schluckte. Gespräche, die so eröffnet werden, haben meistens keinen besonders erfreulichen Inhalt.
"Ja, Romi. Bis in den Tod. Wir drei. Romi, Mäxchen und Bolle."
"So nämlich. Wir wollen dir was berichten, was wir eben von deinen Leuten mitbekommen haben. Du musst tapfer sein. Ganz tapfer."
Nur wer Bolle gut kannte, konnte erkennen, wie seine Ohrenspitzen zu zittern begonnen hatten.Verdattert suchte er nach Worten.
"Ist sich einer von ihnen kraank? Oder beide? Lassen sich scheiden und können nicht sich einigen, wer bekoomt Bolle? Oder .. oder soll ich mit ihr zu Tunier? Oh njet, das ist sich gaanz bestimmt, ein Turnier...!"
Bolle stand das Wasser in den Augen und sein Hals begann zu schwitzen. Seine Ohren zitterten nun komplett. Ein Turnier war sein absoluter Horror. Er zeigte sich nicht gern vor vielen Leuten und Pferden.
"Nein, so beruhige dich doch", versuchte ich es ganz vorsichtig. "Es ist .. äh.. etwas völlig anderes und vielleicht wird es sogar ganz lustig."
"GANZ LUSTIG?" Rosi von Gegenüber hatte ihre Ohren überall. "WAS IST GANZ LUSTIG?"
"Oh nein, nicht dass die das jetzt mitbekommt. Los, ab hinter den Baum dahinten, Jungs!"
Im Galopp stoben wir davon, hinter der alten Erle war es windgeschützt, da konnte Rosi lauschen, wie sie wollte.
Und Romi ließ die Katze aus dem Sack, kurz und unvermittelt: "Bolle, du fährst mit deinen Leuten demnächst in den Strandurlaub. Kein Turnier, keine Scheidung, keine Krankheit. Es ist halt nur... Strandurlaub."
Bolle erbleichte unter seinem braunen Fell im Gesicht und seine langen Ohren zitterten nicht mehr, sie hingen jetzt seitwärts hinunter. "Stranduuurlaub" wiederholte er tonlos. "Mit Chäf und Chääfien."
Romi und ich nickten langsam.
"Uund ohne oich."
Wir sahen uns an und nickten wieder.
"Laasst micch allain. Icch muuss denken nach." sagte Bolle mit Grabesstimme. Der freute sich ja nun nicht gerade wie Bolle. Was man aber auch guut kann verstähen.
Wie es weitergeht, erfahrt ihr in der nächsten Folge. Wird Bolle jetzt durchdrehen? Wird Chääfien durchdrehen? Wird Chääf durchdrehen? Es bleibt spannend! ;-)
BEYOND GOOD AND EVIL - WELCOME TO MY WORLD! Das Leben ist kein Ponyhof und manchmal bekommt die zweite Maus erst den Käse. Hier bekommt ihr einen kleinen Eindruck meiner Gedanken über alltägliche Dinge, mit denen wir uns herumschlagen müssen, meine Tiere und den Rest der Welt. :-) Ihr könnt mich auf Twitter treffen unter @Copine001!
Sonntag, 22. Juli 2018
Dienstag, 17. Juli 2018
Maxchen bloggt ein Sommer-Special: Wenn einer eine Reise tut... Vol.I
... dann kann er was erleben!
Hallo, liebe Freunde des gepflegten Sommerurlaubstrips! Heute erzähle ich euch mal eine kleine nette Geschichte aus meinem reichhaltigen Erfahrungsschatz, wie man einen Reiterurlaub mit dem eigenen Pferd NICHT antreten sollte. Romi und ich hatten uns neulich über das Hängerfahren unterhalten, und da kam die Erinnerung an diese wirklich lebhafte Geschichte in mir wieder hoch!
Aber von vorne: Es geht um einen netten Letten, also ein Schweres Lettisches Warmblut namens Bolle, den wir mal in einem Reitstall kennengelernt haben. Ja, Romi und ich hatten nicht immer das Paradies auf Erden hier in der Mischvieh-WG mit offenen Türen, sondern auch mal ein wirklich extrem langweiliges Jahr in einer "Legebatterie", wie ich solche Reitanlagen seither nenne. Also reine Boxenhaltung mit nur wenig Weide- oder Paddockgang, und mit Glück ein Stündchen Bewegung in einer ollen staubigen Reithalle.
Dort war Bolle der direkte Nachbar von uns - wir teilten uns eine große Box und wurden auch gerne "Die Unzertrennlichen" genannt! Unsere Zweibeinerin hat wirklich alles getan, um uns den vorübergehenden Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten, aber Bolle hatte das volle Entertainment-Programm von seinem Besitzerpaar, einer leicht hysterisch anmutenden Mittzwanzigerin und ihrem Mann, einem selbst ernannten Pferdeflüsterer mit Aszendent "Guru". Der geneigte Leser weiss wohl nur zu gut, was ich damit meine!
Obwohl er nicht mal 15 Reitstunden auf dem Buckel hatte, konnte er vom Boden aus jederzeit prima beurteilen, warum das mit dem harmonischen Miteinander von Pferd und meist Reiterin nicht funktionieren konnte. Beide waren gern gesehene Mitglieder im Reitclub, und am gernsten wurde es gesehen, wenn sie die Tür vom Reiterstübchen oder der Halle von außen zumachten. Bolle selbst trug sein Schicksal und seine Reiterin natürlich meist mit Gleichmut und weigerte sich derweil, über die weiteren Auswirkungen seines Daseins als Freizeitpferd mit täglichem Pärchenabenden nachzudenken. Das ist auch besser so, raunte ich Romi so oft in sein fuchsiges Araberöhrchen, wenn Bolle wieder mal Dienst am Menschen in der Reithalle tat. Meist kam er nur mäßig gelaunt wieder zurück in seine "gute Stube", um mit osteuropäischen Akzent über seine Erlebnisse zu berichten.
"Chat sich Frauchen wiedär niecht vor dem Reiten lokchärgemaacht. Mein Rükchen iest nur noch krummes Bräät. Gaanz krummäs Brräät." klagte er oft. Romi und ich nickten mitleidig und gaben ihm einen Teil unserer Heuration, um ihn wieder aufzumuntern. Fressen war seine Lieblingsbeschäftigung, und so wurde aus einem schweren lettischen Warmblüter mit der Zeit ein richtig schweres lettisches Warmblut...
Man sagt im Volksmund, mit den Jahren würden sich Haustier und deren zweibeinige "Besitzer" immer ähnlicher. In diesem speziellen Fall möchte ich mich aber klar von dieser Aussage distanzieren: Bolle hatte zwar auch - ähnlich wie seine Leute - einen leicht erhöhten Body Mass Index, aber charakterlich war er tatsächlich das genaue Gegenteil: Ein angenehm ruhiger Bursche, der auch dem hier und da zur Hibbeligkeit neigenden Romi als Kumpel gut tat und bei unseren zeitlich eher knapp bemessenen Weidezeiten gerne seinen ausgeprägten Widerrist kraulte, was den Großen Tollpatsch immer sichtlich entspannte. Von Bolle lernte ich auch meine Skills als Ein- und Paarhuferpsychotherapeut, denn seine Tipps im Umgang mit dem Menschen waren mehr als Gold wert und von daher schätzte ich ihn sehr als Fachwallach für besonders komplizierte Fälle. Aber was der folgene Frühsommer für ihn auf Lager hatte, das hätten wir alle nicht für möglich gehalten!
Wir sonnten uns gerade im Matschpaddock mit dem Rest vom Winterpelz in der warmen Aprilsonne, als Bolles Frauchen mit der Knallernachricht um die Ecke brauste.
"Bolle, komm ma her! Ja koommm ma heeer! Hier, ich hab ein zuckerfreies Leckerlie aus Biomöhren mit Sojapanade für dich, ganz neu auf dem Markt sind die! Leckerleckerleckerleckerlecker!"
Bolle drehte mit einer geradezu verzweifelten Mine seinen mächtigen Kopf zu uns. Wenn Bolles Frauchen die neuesten Neuheiten aus der Pferdefutterszene im Gepäck hatte, dann gab es eigentlich regelmäßig Grund zur Besorgnis. Da war doch wieder was im Busch!
Mit einem tiefen Seufzer sahen wir auch Herrchen heraneilen. Mit messerscharfem Blick analysierte er die Situation: Bolle schien nicht begeistert von der neuesten Leckerliecréation aus dem Hause "Mühlengold". Sofort ergriff er nicht nur die Initiative, sondern auch das so ziemlich wie ein Häufchen Hühnermist aussehende Superleckerlie.
"Du gehst das völlig falsch an, meine Liebe. Schau, er muss sich doch erst mit dem Geruch des Leckerlies vertraut machen. Das KENNT er ja noch gar nicht!" redete er auf seine Gattin ein.
"Du immer mit deinem Vertraut machen. NATÜRLICH vertraut Bolle mir, Oder glaubst du etwa nicht?" Ihre Augen verengten sich zu hufmesserscharfen Schlitzen, in der ZweibeinerInnen-Körpersprache heisst das: Männeken, lauf, so schnell du kannst. Dieses Gefecht kannst du nicht gewinnen!
Ich stupste Romi an, und er zählte herunter: Drei .... zwei .... eins....ZERO!
"Mit dir KANN man einfach nicht vernünftig reden! IMMER musst du alles in Frage stellen. IMMER!"
"ICH WOLLTE BOLLE NUR DIESES LECKERLIE GEBEN UND NICHT UNSERE EHE AUSDISKUTIEREN! VERDAMMT NOCH MAL!"
Wir glaubten beide, auf Bolles dunkelbraunem Gesicht mit der breiten Blesse und dem langen, lockigen Schopf ein breites Grinsen zu erkennen. Dann drehte er sich um, um mit einem Holzstöckchen zu spielen. Das Leckerlie war bereits vergessen und die Witterung desselben interessierte ihn auch nicht mehr...
Während die beiden Zweibeiner weiter lautstark ihre Beziehung in Frage stellten, kam der Reitlehrer von Bolles Frauchen einherspaziert. "Hallo, ihr beiden. Naaa? Wie gehts? Morgen abend wieder Dressurstunde mit Bolle?" unterbrach er die Streithähne gut gelaunt. Reitlehrer bringen nicht nur ReiterInnen das Reiten bei, sondern sind auch oft gute Psychologen und Paartherapeuten.
"Hallo Alex! Ach, das wollte ich dir noch sagen, morgen abend geht nicht. Da reiten wir mit Bolle aus. Er braucht ein bißchen Kondition für den Strand-Reiterurlaub in 3 Wochen." Sie lächelte ihn voller Vorfreude auf dieses Event an. Moment mal. Dieses Event? Warum hat Bolle uns denn davon noch nichts erzählt? Das haut ja den stärksten Gaul um: Ein Strand-Reiterurlaub mit Bolle in der vierbeinigen Hauptrolle! Da brat mir doch einer 'nen Storch! Romi sah mich an und ich sah Romi an und wir dachten wohl beide dasselbe: Der weiss davon noch gar nix!!!
Und wenn ihr wissen wollt, wie Bolle diese frohe Botschaft verkraftet hat, dann lest beim nächsten Teil wieder fleißig mit! :-)
Bis dahin schöne Sommertage wünscht euch
euer Mäxchen!
Hallo, liebe Freunde des gepflegten Sommerurlaubstrips! Heute erzähle ich euch mal eine kleine nette Geschichte aus meinem reichhaltigen Erfahrungsschatz, wie man einen Reiterurlaub mit dem eigenen Pferd NICHT antreten sollte. Romi und ich hatten uns neulich über das Hängerfahren unterhalten, und da kam die Erinnerung an diese wirklich lebhafte Geschichte in mir wieder hoch!
Aber von vorne: Es geht um einen netten Letten, also ein Schweres Lettisches Warmblut namens Bolle, den wir mal in einem Reitstall kennengelernt haben. Ja, Romi und ich hatten nicht immer das Paradies auf Erden hier in der Mischvieh-WG mit offenen Türen, sondern auch mal ein wirklich extrem langweiliges Jahr in einer "Legebatterie", wie ich solche Reitanlagen seither nenne. Also reine Boxenhaltung mit nur wenig Weide- oder Paddockgang, und mit Glück ein Stündchen Bewegung in einer ollen staubigen Reithalle.
Dort war Bolle der direkte Nachbar von uns - wir teilten uns eine große Box und wurden auch gerne "Die Unzertrennlichen" genannt! Unsere Zweibeinerin hat wirklich alles getan, um uns den vorübergehenden Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten, aber Bolle hatte das volle Entertainment-Programm von seinem Besitzerpaar, einer leicht hysterisch anmutenden Mittzwanzigerin und ihrem Mann, einem selbst ernannten Pferdeflüsterer mit Aszendent "Guru". Der geneigte Leser weiss wohl nur zu gut, was ich damit meine!
Obwohl er nicht mal 15 Reitstunden auf dem Buckel hatte, konnte er vom Boden aus jederzeit prima beurteilen, warum das mit dem harmonischen Miteinander von Pferd und meist Reiterin nicht funktionieren konnte. Beide waren gern gesehene Mitglieder im Reitclub, und am gernsten wurde es gesehen, wenn sie die Tür vom Reiterstübchen oder der Halle von außen zumachten. Bolle selbst trug sein Schicksal und seine Reiterin natürlich meist mit Gleichmut und weigerte sich derweil, über die weiteren Auswirkungen seines Daseins als Freizeitpferd mit täglichem Pärchenabenden nachzudenken. Das ist auch besser so, raunte ich Romi so oft in sein fuchsiges Araberöhrchen, wenn Bolle wieder mal Dienst am Menschen in der Reithalle tat. Meist kam er nur mäßig gelaunt wieder zurück in seine "gute Stube", um mit osteuropäischen Akzent über seine Erlebnisse zu berichten.
"Chat sich Frauchen wiedär niecht vor dem Reiten lokchärgemaacht. Mein Rükchen iest nur noch krummes Bräät. Gaanz krummäs Brräät." klagte er oft. Romi und ich nickten mitleidig und gaben ihm einen Teil unserer Heuration, um ihn wieder aufzumuntern. Fressen war seine Lieblingsbeschäftigung, und so wurde aus einem schweren lettischen Warmblüter mit der Zeit ein richtig schweres lettisches Warmblut...
Man sagt im Volksmund, mit den Jahren würden sich Haustier und deren zweibeinige "Besitzer" immer ähnlicher. In diesem speziellen Fall möchte ich mich aber klar von dieser Aussage distanzieren: Bolle hatte zwar auch - ähnlich wie seine Leute - einen leicht erhöhten Body Mass Index, aber charakterlich war er tatsächlich das genaue Gegenteil: Ein angenehm ruhiger Bursche, der auch dem hier und da zur Hibbeligkeit neigenden Romi als Kumpel gut tat und bei unseren zeitlich eher knapp bemessenen Weidezeiten gerne seinen ausgeprägten Widerrist kraulte, was den Großen Tollpatsch immer sichtlich entspannte. Von Bolle lernte ich auch meine Skills als Ein- und Paarhuferpsychotherapeut, denn seine Tipps im Umgang mit dem Menschen waren mehr als Gold wert und von daher schätzte ich ihn sehr als Fachwallach für besonders komplizierte Fälle. Aber was der folgene Frühsommer für ihn auf Lager hatte, das hätten wir alle nicht für möglich gehalten!
Wir sonnten uns gerade im Matschpaddock mit dem Rest vom Winterpelz in der warmen Aprilsonne, als Bolles Frauchen mit der Knallernachricht um die Ecke brauste.
"Bolle, komm ma her! Ja koommm ma heeer! Hier, ich hab ein zuckerfreies Leckerlie aus Biomöhren mit Sojapanade für dich, ganz neu auf dem Markt sind die! Leckerleckerleckerleckerlecker!"
Bolle drehte mit einer geradezu verzweifelten Mine seinen mächtigen Kopf zu uns. Wenn Bolles Frauchen die neuesten Neuheiten aus der Pferdefutterszene im Gepäck hatte, dann gab es eigentlich regelmäßig Grund zur Besorgnis. Da war doch wieder was im Busch!
Mit einem tiefen Seufzer sahen wir auch Herrchen heraneilen. Mit messerscharfem Blick analysierte er die Situation: Bolle schien nicht begeistert von der neuesten Leckerliecréation aus dem Hause "Mühlengold". Sofort ergriff er nicht nur die Initiative, sondern auch das so ziemlich wie ein Häufchen Hühnermist aussehende Superleckerlie.
"Du gehst das völlig falsch an, meine Liebe. Schau, er muss sich doch erst mit dem Geruch des Leckerlies vertraut machen. Das KENNT er ja noch gar nicht!" redete er auf seine Gattin ein.
"Du immer mit deinem Vertraut machen. NATÜRLICH vertraut Bolle mir, Oder glaubst du etwa nicht?" Ihre Augen verengten sich zu hufmesserscharfen Schlitzen, in der ZweibeinerInnen-Körpersprache heisst das: Männeken, lauf, so schnell du kannst. Dieses Gefecht kannst du nicht gewinnen!
Ich stupste Romi an, und er zählte herunter: Drei .... zwei .... eins....ZERO!
"Mit dir KANN man einfach nicht vernünftig reden! IMMER musst du alles in Frage stellen. IMMER!"
"ICH WOLLTE BOLLE NUR DIESES LECKERLIE GEBEN UND NICHT UNSERE EHE AUSDISKUTIEREN! VERDAMMT NOCH MAL!"
Wir glaubten beide, auf Bolles dunkelbraunem Gesicht mit der breiten Blesse und dem langen, lockigen Schopf ein breites Grinsen zu erkennen. Dann drehte er sich um, um mit einem Holzstöckchen zu spielen. Das Leckerlie war bereits vergessen und die Witterung desselben interessierte ihn auch nicht mehr...
Während die beiden Zweibeiner weiter lautstark ihre Beziehung in Frage stellten, kam der Reitlehrer von Bolles Frauchen einherspaziert. "Hallo, ihr beiden. Naaa? Wie gehts? Morgen abend wieder Dressurstunde mit Bolle?" unterbrach er die Streithähne gut gelaunt. Reitlehrer bringen nicht nur ReiterInnen das Reiten bei, sondern sind auch oft gute Psychologen und Paartherapeuten.
"Hallo Alex! Ach, das wollte ich dir noch sagen, morgen abend geht nicht. Da reiten wir mit Bolle aus. Er braucht ein bißchen Kondition für den Strand-Reiterurlaub in 3 Wochen." Sie lächelte ihn voller Vorfreude auf dieses Event an. Moment mal. Dieses Event? Warum hat Bolle uns denn davon noch nichts erzählt? Das haut ja den stärksten Gaul um: Ein Strand-Reiterurlaub mit Bolle in der vierbeinigen Hauptrolle! Da brat mir doch einer 'nen Storch! Romi sah mich an und ich sah Romi an und wir dachten wohl beide dasselbe: Der weiss davon noch gar nix!!!
Und wenn ihr wissen wollt, wie Bolle diese frohe Botschaft verkraftet hat, dann lest beim nächsten Teil wieder fleißig mit! :-)
Bis dahin schöne Sommertage wünscht euch
euer Mäxchen!
Samstag, 30. Juni 2018
Tollpatsch-Training deluxe: Im Dialog mit Romi!
Hallo! Heute gibt's mal wieder einen kleinen Einblick in das Tollpatsch-Training mit Romi und mir. Und zunächst mal ein dickes Kompliment an den Fuchswallach: Er hat sich super erholt von der rätselhaften Erkrankung im März mit temporärer Lahmheit hinten rechts, starker Gewichtsabnahme und dementsprechend mieser Laune. Seit Eröffnung der Weidesaison ging es mit ihm wieder steil bergauf und heute ist er wieder der gewohnt fröhlich-fidele Arabowestfale mit dem Hang zum Größenwahnsinn!
Weil ich seit geraumer Zeit wieder mit ihm ausführlich trainieren kann und er auch immer mehr Kraft entwickelt, spielt die Galopparbeit bei Romi eine Schlüsselrolle. Heute beschreibe ich mal einen typischen Dialog mit ihm während einer Trainingseinheit. Zur Verdeutlichung gebe ich ihm hier mal eine Sprechrolle, natürlich sabbeln wir nicht die ganze Zeit beim Reiten, aber Kommunikation findet ja trotzdem ständig statt. Weil ich die Regel "Wer zieht, verliert" beherzige, reite ich überwiegend gebisslos mit einem Sidepull, an das er sich prima gewöhnt hat und das er genauso akzeptiert wie ein Gebiss im Maul. Das rettet mir hin und wieder den Tag, würde ich mal sagen.
Es ist also ein typischer Samstagmorgen mit Romi-Zeit, wie er heute genauso stattgefunden haben könnte! :-)
Das Außenthermometer zeigt um halb zehn Uhr früh schon 24 ° Celsius an, es befindet sich kein Wölkchen am Himmel bei einer leichten Brise aus Nordost. Leider sind sämtliche Stechbremsen schon hellwach und deshalb steht Romi nicht auf der Weide bei den Daltons (Rindviechern), sondern mit Mäxchen im Stall.
"Hallo Romi! Na, wie siehts aus? Lust auf ein bißchen Training?"
"Hallo Copinchen. Ach, ich weiss nicht. Draußen isses so warm und dann die blöden Bremsen!"
"Ein bißchen was musst du aber tun. Du bekommst im Moment soviel Kraftfutter."
"Na gut, ein halbes Stündchen ist ok. Aber nur, wenn es anschließend Möhren gibt."
"Au ja, Möhren", ruft das Mäxchen im Hintergrund. "Ich will auch welche!" Trippelnd kommt er zur Stalltür getrabt und schaut mich an. Seine schwarzen Äuglein unter dem schwarzen Schopf lassen mich schon wieder dahinschmelzen. "Na klar, es ist genug für euch beide da."
Wenig später sitze ich auf, zunächst versuche ich es nur mit Fliegenspray, doch nach 2 Minuten wird klar: Wir brauchen auch noch die Fliegendecke. Also nochmal runter, Fliegendecke mit Kapuze drauf, alles ordentlich festzurren, wieder aufsitzen. Während der folgenden Schrittphase haben wir einigermaßen Ruhe, aber Romi ist noch nicht so richtig wach. Nach dem ersten Trab wird das schon besser, allmählich fängt der Rücken an, mitzuschwingen. Erstmal vorwärts-abwärts dehnen, nachdem das Grundtempo stimmt: Check. Mit dem Sidepull ist die Anlehnung stabiler und feiner als mit der Trense. Natürlich ist auch hier ein Ohrenmützchen angebracht, nicht, dass sich so ein Fluginsekt in Romis heilige Ohren verirrt!
Nach ein paar Achten, Übergängen Trab-Schritt und Nachgurten fällt für Romi meist der Startschuss zum Reitplatzderby: Es geht an die Galopparbeit! Und spätestens dann ist der Fuchs hellwach, was man auch einem Körperteil hinter mir gut ansehen kann: Dem Schweifbarometer, typischerweise in dieser Phase des Trainings steil aufgerichtet, wie eine stolze Fahne flattert er im Wind. Fühlbar.
Habe ich schon erwähnt, dass Herr Romi wieder ordentlich zu Kräften gekommen und seine Galopparbeit ihm ein heiliges Bedürfnis ist? Mit anderen Worten: Einmal damit losgelegt, ist es eher schwierig, ihn davon abzuhalten, immer und immer wieder neu durchzustarten. Mein Fokus liegt aber jetzt wieder mehr und mehr auf ein ruhiges Tempo, das sich jederzeit ohne viel Aufwand wieder steigern lässt. Und das klingt so:
"Komm, Romi, Galopp!"
"Au ja! AB GEHT DIE POST!"
"Mooment. Ein bißchen zulegen ist ok, aber nachher auch mal wieder etwas gesetzter."
"Ok, aber jetzt erstmal VOLLGAAAS!"
Ein paat Meter lasse ich ihn, und dann setze ich mich hinten rein.
"Ach menno. Ok, dann eben Schritt."
"Neinnein, wir traben wieder ein Stück. Möglichst nicht im Roadrunner-Style."
"Ist ja gut." Stapft tapfer im leichten Schulterherein die lange Seite entlang "Aber jetzt wieder: ATTACKKEEE!" Er hat sich die Stelle des letzten Angaloppierens genau gemerkt und will jetzt erneut galoppieren, genau an der Stelle wie zuvor. Meinen Zupfer am äußeren Zügel beantwortet er mit einem Gegenangebot: Kopf etwas einrollen und abdüsen.
"Eyh, hab ich eine Galopphilfe gegeben?"
"Nee, aber es macht so Spaß!" Nichts erinnert mehr an den etwas müden Romi von vor einer guten halben Stunde.
"Moment, erst eine schöne runde Volte mit etwas Versammlung, bitte."
"Ok." *trabt eine 1-A-Volte, sogar mit einigermaßen Längsbiegung. Kaum am Punkt angekommen, nimmt er wieder das Heft in die Hand*
"Halthalt, Freundchen. ICH geb hier das Kommando."
"Nein!" "Doch." "Nein!" "Dohoch." "Menno!" *es geht in eine halbe Volte links, halbe Volte rechts, halbe Volte links. Dann geb ich eine kaum merkliche und noch weniger sichtbare Galopphilfe, die dankbar angenommen wird*
"JUHU!" *schon will er wieder losbrettern, wie in der Lösephase. Ich setz mich wieder hinten rein, er galoppiert jetzt aber gleichmäßig wie ein Uhrwerk auf dem Zirkel. Zufrieden gebe ich beide Zügel nach vorne und halte ihn am Kreuz.*
"Darf ich schneller?! " fragt er nach 3 ordentlichen Zirkelrunden.
"Jep." Prompt verlängert er die Sprünge, jetzt aber schön im Takt.Lässt sich wieder einfangen. "Uuund Schritt." Sauber wechselt er die Gangart.
Wenn wir an diesem Punkt angelangt sind, ist alles möglich: Romi ist zufrieden, kaut auch ohne Gebiss, lastet sich selber aus und reagiert gedankenschnell auf jede Hilfe. Ein Hochgenuss! Auch in den versammelnden Lektionen macht er große Fortschritte. Er hat jetzt auch wieder die körperlichen Voraussetzungen zurück erlangt und macht dann nichts als Freude. :-)
Den Weg dahin habe ich, wie auch in diesem Blog ersichtlich, recht hart erarbeitet. Aber es hat sich gelohnt, jede Minute davon. Und nach ein paar Anfragen nach einfachen Wechseln, auch versammelnde Trabarbeit mit Seitengängen und Arbeit in Richtung Passage, die artig beantwortet werden, hat er sich ein Powergalöppchen auf der ganzen Bahn verdient.
"Komm, Galopp nochmal, warst ja Spitze heute!"
"Au Ja! *Schweif geht steil nach oben*
"Vollgas?"
"WAS DENN SONST!" Und ab geht die Post. Romi ist glücklich, ich bin es auch und dann sind die Bremsen vergessen und es gibt nur noch Schwebephasen....
Weil ich seit geraumer Zeit wieder mit ihm ausführlich trainieren kann und er auch immer mehr Kraft entwickelt, spielt die Galopparbeit bei Romi eine Schlüsselrolle. Heute beschreibe ich mal einen typischen Dialog mit ihm während einer Trainingseinheit. Zur Verdeutlichung gebe ich ihm hier mal eine Sprechrolle, natürlich sabbeln wir nicht die ganze Zeit beim Reiten, aber Kommunikation findet ja trotzdem ständig statt. Weil ich die Regel "Wer zieht, verliert" beherzige, reite ich überwiegend gebisslos mit einem Sidepull, an das er sich prima gewöhnt hat und das er genauso akzeptiert wie ein Gebiss im Maul. Das rettet mir hin und wieder den Tag, würde ich mal sagen.
Es ist also ein typischer Samstagmorgen mit Romi-Zeit, wie er heute genauso stattgefunden haben könnte! :-)
Das Außenthermometer zeigt um halb zehn Uhr früh schon 24 ° Celsius an, es befindet sich kein Wölkchen am Himmel bei einer leichten Brise aus Nordost. Leider sind sämtliche Stechbremsen schon hellwach und deshalb steht Romi nicht auf der Weide bei den Daltons (Rindviechern), sondern mit Mäxchen im Stall.
"Hallo Romi! Na, wie siehts aus? Lust auf ein bißchen Training?"
"Hallo Copinchen. Ach, ich weiss nicht. Draußen isses so warm und dann die blöden Bremsen!"
"Ein bißchen was musst du aber tun. Du bekommst im Moment soviel Kraftfutter."
"Na gut, ein halbes Stündchen ist ok. Aber nur, wenn es anschließend Möhren gibt."
"Au ja, Möhren", ruft das Mäxchen im Hintergrund. "Ich will auch welche!" Trippelnd kommt er zur Stalltür getrabt und schaut mich an. Seine schwarzen Äuglein unter dem schwarzen Schopf lassen mich schon wieder dahinschmelzen. "Na klar, es ist genug für euch beide da."
Wenig später sitze ich auf, zunächst versuche ich es nur mit Fliegenspray, doch nach 2 Minuten wird klar: Wir brauchen auch noch die Fliegendecke. Also nochmal runter, Fliegendecke mit Kapuze drauf, alles ordentlich festzurren, wieder aufsitzen. Während der folgenden Schrittphase haben wir einigermaßen Ruhe, aber Romi ist noch nicht so richtig wach. Nach dem ersten Trab wird das schon besser, allmählich fängt der Rücken an, mitzuschwingen. Erstmal vorwärts-abwärts dehnen, nachdem das Grundtempo stimmt: Check. Mit dem Sidepull ist die Anlehnung stabiler und feiner als mit der Trense. Natürlich ist auch hier ein Ohrenmützchen angebracht, nicht, dass sich so ein Fluginsekt in Romis heilige Ohren verirrt!
Nach ein paar Achten, Übergängen Trab-Schritt und Nachgurten fällt für Romi meist der Startschuss zum Reitplatzderby: Es geht an die Galopparbeit! Und spätestens dann ist der Fuchs hellwach, was man auch einem Körperteil hinter mir gut ansehen kann: Dem Schweifbarometer, typischerweise in dieser Phase des Trainings steil aufgerichtet, wie eine stolze Fahne flattert er im Wind. Fühlbar.
Habe ich schon erwähnt, dass Herr Romi wieder ordentlich zu Kräften gekommen und seine Galopparbeit ihm ein heiliges Bedürfnis ist? Mit anderen Worten: Einmal damit losgelegt, ist es eher schwierig, ihn davon abzuhalten, immer und immer wieder neu durchzustarten. Mein Fokus liegt aber jetzt wieder mehr und mehr auf ein ruhiges Tempo, das sich jederzeit ohne viel Aufwand wieder steigern lässt. Und das klingt so:
"Komm, Romi, Galopp!"
"Au ja! AB GEHT DIE POST!"
"Mooment. Ein bißchen zulegen ist ok, aber nachher auch mal wieder etwas gesetzter."
"Ok, aber jetzt erstmal VOLLGAAAS!"
Ein paat Meter lasse ich ihn, und dann setze ich mich hinten rein.
"Ach menno. Ok, dann eben Schritt."
"Neinnein, wir traben wieder ein Stück. Möglichst nicht im Roadrunner-Style."
"Ist ja gut." Stapft tapfer im leichten Schulterherein die lange Seite entlang "Aber jetzt wieder: ATTACKKEEE!" Er hat sich die Stelle des letzten Angaloppierens genau gemerkt und will jetzt erneut galoppieren, genau an der Stelle wie zuvor. Meinen Zupfer am äußeren Zügel beantwortet er mit einem Gegenangebot: Kopf etwas einrollen und abdüsen.
"Eyh, hab ich eine Galopphilfe gegeben?"
"Nee, aber es macht so Spaß!" Nichts erinnert mehr an den etwas müden Romi von vor einer guten halben Stunde.
"Moment, erst eine schöne runde Volte mit etwas Versammlung, bitte."
"Ok." *trabt eine 1-A-Volte, sogar mit einigermaßen Längsbiegung. Kaum am Punkt angekommen, nimmt er wieder das Heft in die Hand*
"Halthalt, Freundchen. ICH geb hier das Kommando."
"Nein!" "Doch." "Nein!" "Dohoch." "Menno!" *es geht in eine halbe Volte links, halbe Volte rechts, halbe Volte links. Dann geb ich eine kaum merkliche und noch weniger sichtbare Galopphilfe, die dankbar angenommen wird*
"JUHU!" *schon will er wieder losbrettern, wie in der Lösephase. Ich setz mich wieder hinten rein, er galoppiert jetzt aber gleichmäßig wie ein Uhrwerk auf dem Zirkel. Zufrieden gebe ich beide Zügel nach vorne und halte ihn am Kreuz.*
"Darf ich schneller?! " fragt er nach 3 ordentlichen Zirkelrunden.
"Jep." Prompt verlängert er die Sprünge, jetzt aber schön im Takt.Lässt sich wieder einfangen. "Uuund Schritt." Sauber wechselt er die Gangart.
Wenn wir an diesem Punkt angelangt sind, ist alles möglich: Romi ist zufrieden, kaut auch ohne Gebiss, lastet sich selber aus und reagiert gedankenschnell auf jede Hilfe. Ein Hochgenuss! Auch in den versammelnden Lektionen macht er große Fortschritte. Er hat jetzt auch wieder die körperlichen Voraussetzungen zurück erlangt und macht dann nichts als Freude. :-)
Den Weg dahin habe ich, wie auch in diesem Blog ersichtlich, recht hart erarbeitet. Aber es hat sich gelohnt, jede Minute davon. Und nach ein paar Anfragen nach einfachen Wechseln, auch versammelnde Trabarbeit mit Seitengängen und Arbeit in Richtung Passage, die artig beantwortet werden, hat er sich ein Powergalöppchen auf der ganzen Bahn verdient.
"Komm, Galopp nochmal, warst ja Spitze heute!"
"Au Ja! *Schweif geht steil nach oben*
"Vollgas?"
"WAS DENN SONST!" Und ab geht die Post. Romi ist glücklich, ich bin es auch und dann sind die Bremsen vergessen und es gibt nur noch Schwebephasen....
Sonntag, 10. Juni 2018
Happy birthday, bezaubernde Jeannie!
Wie die Zeit vergeht! 5 1/2 Jahre ist die bezaubernde Jeannie nun schon ein wesentlicher Bestandteil meines Lebens. Seit ich sie mit meinem damaligen Lebensgefährten aus dem ortsansässigen Tierheim holte, ist eine Menge passiert, aber immer ist das pechschwarze, zuckersüße, zeitweise wirklich verschmuste und dabei doch immer mal wieder elfenhaft scheue Wesen eine mehr als angenehme Zeitgenossin gewesen und wird es in Zukunft hoffentlich auch noch lange bleiben. :-)
Die Legende, besser gesagt: Der Aberglaube, der darauf hinweist, dass schwarze Katzen, besonders von links nach rechts den Weg kreuzend, Unglück bringen, konnte die bezaubernde Jeannie bisher erfolgreich widerlegen. Als einzige Ausnahme lasse ich vielleicht gelten, wenn die Mieze besagten Weg auf unserer doch recht steilen Treppe in die oberen Gemächer unglücklich überqueren würde und ich dabei beladen wie ein Packesel, im Dunkeln... aber das würde mit einer roten, weißen, gescheckten, getigerten oder grüngelb karierten Katze dann wohl genauso passieren!
Im Gegenteil. Tage mit Jeannie, die - so wie heute - ohne weiteres entspannt auch draußen auf der Terrasse stattfinden können, sind tatsächlich Tage des Glücks! Völlig ungenervt vom Alltag relaxen wir hier, spielen miteinander, ich kann sie kraulen, während ich diesen Beitrag in den Blog schreibe. Die Sonne scheint dazu, die Jeannie schnurrt.. schlicht und einfach nur a perfect day, an ihrem heutigen 6. Geburtstag. Ich schnurre mit!
Ok, die Mäuse für die Torte sind mir allesamt entkommen und ich bin deshalb auf Erdbeeren ausgewichen, mit denen Jeannie nun nicht allzuviel anfangen kann, aber dafür gibt's ja ihre heiß geliebten Flugleckerlies, die sie - ein Manuel Neuer würde wohl vor Neid erbleichen - elegant und grazil mit ihren Pfötchen aus der Luft fängt, um sie dann genussvoll knuspernd aufzufuttern. Das ist ihr Lieblingsspiel und damit hält sie sich fit, jetzt, wo sie schon ein wenig älter geworden ist. Mit 6 Jahren - also vergleichbar mit den 25. Lebensjahr beim Menschen - ist sie ja nun aus dem Gröbsten raus!
Übrigens hatte ich noch nie ein Haustier, was - von anders gelagerten "Macken" mal abgesehen - so wenig Unsinn im Sinne von Zerstörungsbedürfnis im Kopf hatte als die bezaubernde Jeannie. Das macht sie umso bezaubernder, denn es würde ihr niemals in den Sinn kommen, Tapeten abzukratzen, Möbel zu ruinieren oder einfach nur ihr Geschäftchen in eine Zimmerecke zu machen. Unter normalen Umständen jedenfalls. Seit ich ihr anfangs freundlich, aber konsequent klargemacht habe, dass Katzenpfoten nichts auf einem Tisch zu suchen haben, und sei er noch so sehr mit Leckereien bestückt, reicht ein leises "Jeannie nein..." um sie zu ermahnen, von ihrem wie auch immer gearteten Tun abzubringen. Es war aber bisher noch nicht allzu oft nötig, sie in irgendeiner Form zu ermahnen. Die weiss einfach, wie man sich benimmt! Und das macht sie, ja richtig, noch ein bißchen bezaubernder! ;-)
A propos Leckereien: Hier ist sie ja ein wenig seltsam veranlagt. Sie mag eigentlich nichts, worauf andere Katzen mal so richtig abfahren wie Thunfisch, Milchprodukte, Leberwurst etc. Ich hab es schon öfter versucht, immer mal wieder, aber immer Fehlanzeige. Sie bleibt ihrem Futter (ok, da wechselt die Geschmacksrichtung hin und wieder) treu und ansonsten besteht sie abends auf eine halbe kleine Scheibe gekochten Schinken. Und auch den nur von einer bestimmten Marke, hauchdünn aufgeschnitten. Da ist sie wirklich eigen. Und wenn die halbe Scheibe dann verdrückt ist, in dünnen Streifen geschnitten übrigens, dann will sie auch nicht mehr davon. Bis zum nächsten Mal zum Abendbrotzubereiten in der Küche!
Liebe bezaubernde Jeannie, du bist eine der besten Freundinnen, die ich jemals hatte und ich hab dich wirklich sehr lieb! Bleib noch lange Zeit bei mir und wir sind und bleiben ein tolles Team. Happy birthday, kleine Maus!
Die Legende, besser gesagt: Der Aberglaube, der darauf hinweist, dass schwarze Katzen, besonders von links nach rechts den Weg kreuzend, Unglück bringen, konnte die bezaubernde Jeannie bisher erfolgreich widerlegen. Als einzige Ausnahme lasse ich vielleicht gelten, wenn die Mieze besagten Weg auf unserer doch recht steilen Treppe in die oberen Gemächer unglücklich überqueren würde und ich dabei beladen wie ein Packesel, im Dunkeln... aber das würde mit einer roten, weißen, gescheckten, getigerten oder grüngelb karierten Katze dann wohl genauso passieren!
Im Gegenteil. Tage mit Jeannie, die - so wie heute - ohne weiteres entspannt auch draußen auf der Terrasse stattfinden können, sind tatsächlich Tage des Glücks! Völlig ungenervt vom Alltag relaxen wir hier, spielen miteinander, ich kann sie kraulen, während ich diesen Beitrag in den Blog schreibe. Die Sonne scheint dazu, die Jeannie schnurrt.. schlicht und einfach nur a perfect day, an ihrem heutigen 6. Geburtstag. Ich schnurre mit!
Ok, die Mäuse für die Torte sind mir allesamt entkommen und ich bin deshalb auf Erdbeeren ausgewichen, mit denen Jeannie nun nicht allzuviel anfangen kann, aber dafür gibt's ja ihre heiß geliebten Flugleckerlies, die sie - ein Manuel Neuer würde wohl vor Neid erbleichen - elegant und grazil mit ihren Pfötchen aus der Luft fängt, um sie dann genussvoll knuspernd aufzufuttern. Das ist ihr Lieblingsspiel und damit hält sie sich fit, jetzt, wo sie schon ein wenig älter geworden ist. Mit 6 Jahren - also vergleichbar mit den 25. Lebensjahr beim Menschen - ist sie ja nun aus dem Gröbsten raus!
Übrigens hatte ich noch nie ein Haustier, was - von anders gelagerten "Macken" mal abgesehen - so wenig Unsinn im Sinne von Zerstörungsbedürfnis im Kopf hatte als die bezaubernde Jeannie. Das macht sie umso bezaubernder, denn es würde ihr niemals in den Sinn kommen, Tapeten abzukratzen, Möbel zu ruinieren oder einfach nur ihr Geschäftchen in eine Zimmerecke zu machen. Unter normalen Umständen jedenfalls. Seit ich ihr anfangs freundlich, aber konsequent klargemacht habe, dass Katzenpfoten nichts auf einem Tisch zu suchen haben, und sei er noch so sehr mit Leckereien bestückt, reicht ein leises "Jeannie nein..." um sie zu ermahnen, von ihrem wie auch immer gearteten Tun abzubringen. Es war aber bisher noch nicht allzu oft nötig, sie in irgendeiner Form zu ermahnen. Die weiss einfach, wie man sich benimmt! Und das macht sie, ja richtig, noch ein bißchen bezaubernder! ;-)
A propos Leckereien: Hier ist sie ja ein wenig seltsam veranlagt. Sie mag eigentlich nichts, worauf andere Katzen mal so richtig abfahren wie Thunfisch, Milchprodukte, Leberwurst etc. Ich hab es schon öfter versucht, immer mal wieder, aber immer Fehlanzeige. Sie bleibt ihrem Futter (ok, da wechselt die Geschmacksrichtung hin und wieder) treu und ansonsten besteht sie abends auf eine halbe kleine Scheibe gekochten Schinken. Und auch den nur von einer bestimmten Marke, hauchdünn aufgeschnitten. Da ist sie wirklich eigen. Und wenn die halbe Scheibe dann verdrückt ist, in dünnen Streifen geschnitten übrigens, dann will sie auch nicht mehr davon. Bis zum nächsten Mal zum Abendbrotzubereiten in der Küche!
Liebe bezaubernde Jeannie, du bist eine der besten Freundinnen, die ich jemals hatte und ich hab dich wirklich sehr lieb! Bleib noch lange Zeit bei mir und wir sind und bleiben ein tolles Team. Happy birthday, kleine Maus!
| Da war sie ja noch klein! :-) |
| Aber schon immer ziemlich clever! |
| Jeannie ist kein Wintersport-Fan... |
![]() |
| ... aber immer der Sonnenschein, auch im November! |
![]() |
| Katzensuchbild! |
![]() |
| Niemand hat so eine coole Katzentreppe wie Jeannie! |
![]() |
| Sauberkeit ist ein Muss... |
| .. besonders wenn man hoch hinaus will! |
![]() |
| Happy birthday, liebe bezaubernde Jeannie! :-) |
Montag, 28. Mai 2018
Mäxchen bloggt: Vom Frühsommer und von Schwiegermüttern!
Hallo, liebe Freunde des gepflegten Sonnenbadens, ich melde mich mal wieder aus dem Mehrgenerationenstall, bzw. von der Koppel desjenigen! Denn: Irgendwie ist der Frühling hier komplett ausgefallen und wir wechselten unser Fell, um nicht zu sagen unseren dicken Winterpelz, recht zügig in dieser Saison. Wir feiern heute nicht zum ersten Mal die 30°C-Marke in 2018!
Das heißt: Die nach dem eher langweiligen Winter mit Stall und Paddock heiß ersehnte Weide öffnete sich für uns gut 3 Wochen früher. Es ist phantastisch! Alle haben wieder bessere Laune, sogar meine schwarzfellige Wenigkeit. :-) Der Große Tollpatsch, der in den letzten Zügen des Winters richtig dünn wurde und dementsprechend mies gestimmt war, blüht wieder richtig auf und ist voller Tatendrang. Schlimm gehumpelt hatte er, klagte über Rückenschmerzen und mochte sein Heu nicht mehr fressen, weil das köstliche Grün auch schon etwas früher anfing zu wachsen. Er hatte sogar solche Beschwerden, dass er das eine oder andere Mal krankgefeiert hat. Und mir ahnte schon Übles. Ihr wisst ja, mit Romi im Stall bleiben müssen, während die Rindviecher schön auf der Koppel chillen und grasen dürfen, das geht ja nun mal gar nicht, oder? Das ist ja mein Schicksal, dass ich an seiner Seite bleiben muss, weil der Trampel sonst keinen Stein auf dem anderen lassen würde. Dann wären wir obdachlos und eventuell auch noch heimatlos, weil der Papa-Zweibeiner, dem die Rindviecher gehören, sowieso immer glaubt, dass alles, was kaputt geht, von uns Equiden mutwillig zerstört wurde. Also bitte, wir können doch wirklich kein Wässerchen trüben, außer, man lässt den Großen Tollpatsch alleine im Stall, ohne mich. Dann kann ich wirklich für nix garantieren! ;-)
Der Zerstörer unter uns Stalltieren ist allerdings der Jüngste im Bunde hier, der Sohn der ständig lamentierenden Lotti. Als Teenager neigt er zum Grenzen austesten, und wenn diese Grenzen nun mal ein Holzzaun oder eine Stalltüre sind, dann ist das eben so. Aber nein, da wird dann mir als Zwerg und Shetty wieder die Schuld in die Hüfchen geschoben, wenn mal ein Balken den abgestumpften Hörnchen vom Mini-Dalton nicht standhält. Klar, wer denn sonst. Hab ja sonst nix zu tun, ne?
Übrigens: Lotti oder auch Mama Dalton, sie ist mutmaßlich die lauteste Kuh hier im ganzen Landkreis. Ich mein, der Große hat ja schon immer mal was zu mosern, aber DIE übertrifft alles, was ich bisher an Mäkelig- und Nervigkeit erlebt habe. Und ich habe schon einige Lenze auf der Kruppe, das könnt ihr mir glauben. Dagegen war Romis Mama, die vornehme, aber sehr launische Araberin, ja die reinste Mutter Theresa!
Lotti muht, wenn sie findet, dass das Heu zu trocken oder zu nass ist, das Wasser zu kalt oder zu warm ist, das Gras zu lang oder zu kurz ist, wenn sie Stuhlgang hat, wenn sie ihre Artgenossen herumkommandiert, wenn sie auch welche von unseren Möhren haben will und auch einfach mal nur so. Sie erinnert an eine oberzickige Schwiegermutter, die von der Sorte, die von den Männern der holden Tochter gerne auf den Mond geschossen werden würden. So eine Meckerkuh, und das im wahrsten Sinne des Wortes, hat die Welt noch nicht gesehen bzw. gehört. Unfassbar.Wenn der Papa-Zweibeiner sich nur blicken lässt, muht Lotti wie eine Weltmeisterin. Der versteckt sich schon vor ihr, weil das Gemuhe echt laut ist! Aber wenigstens bin ich daran nicht schuld. Wäre ja auch noch schöner!
Ich hab mir ein bißchen vom Herbstlaub in die kleinen Öhrchen gestopft, um nicht immer vor Schreck halb ohnmächtig zu werden, wenn Lotti mit ihrem Konzert loslegt. Und das Schlimmste ist: Die Resi, das dritte der Daltons, fängt jetzt auch schon damit an. Na, Prost Mahlzeit. Werde demnächst alle 3 beim Supertalent anmelden, der Dieter freut sich bestimmt über solche Auftritte. Und wer weiß, vielleicht gewinnen sie sogar und bekommen vom Preisgeld einen eigenen Stall...? ;-)
Man wird ja wohl noch träumen dürfen... Oh je, da muht sie schon wieder. Sie möchte in den Stall gelassen werden..
Es grüßt euch
euer Mäxchen (mit einem hoffentlich vorübergehenden Tinnitus)!
Das heißt: Die nach dem eher langweiligen Winter mit Stall und Paddock heiß ersehnte Weide öffnete sich für uns gut 3 Wochen früher. Es ist phantastisch! Alle haben wieder bessere Laune, sogar meine schwarzfellige Wenigkeit. :-) Der Große Tollpatsch, der in den letzten Zügen des Winters richtig dünn wurde und dementsprechend mies gestimmt war, blüht wieder richtig auf und ist voller Tatendrang. Schlimm gehumpelt hatte er, klagte über Rückenschmerzen und mochte sein Heu nicht mehr fressen, weil das köstliche Grün auch schon etwas früher anfing zu wachsen. Er hatte sogar solche Beschwerden, dass er das eine oder andere Mal krankgefeiert hat. Und mir ahnte schon Übles. Ihr wisst ja, mit Romi im Stall bleiben müssen, während die Rindviecher schön auf der Koppel chillen und grasen dürfen, das geht ja nun mal gar nicht, oder? Das ist ja mein Schicksal, dass ich an seiner Seite bleiben muss, weil der Trampel sonst keinen Stein auf dem anderen lassen würde. Dann wären wir obdachlos und eventuell auch noch heimatlos, weil der Papa-Zweibeiner, dem die Rindviecher gehören, sowieso immer glaubt, dass alles, was kaputt geht, von uns Equiden mutwillig zerstört wurde. Also bitte, wir können doch wirklich kein Wässerchen trüben, außer, man lässt den Großen Tollpatsch alleine im Stall, ohne mich. Dann kann ich wirklich für nix garantieren! ;-)
Der Zerstörer unter uns Stalltieren ist allerdings der Jüngste im Bunde hier, der Sohn der ständig lamentierenden Lotti. Als Teenager neigt er zum Grenzen austesten, und wenn diese Grenzen nun mal ein Holzzaun oder eine Stalltüre sind, dann ist das eben so. Aber nein, da wird dann mir als Zwerg und Shetty wieder die Schuld in die Hüfchen geschoben, wenn mal ein Balken den abgestumpften Hörnchen vom Mini-Dalton nicht standhält. Klar, wer denn sonst. Hab ja sonst nix zu tun, ne?
Übrigens: Lotti oder auch Mama Dalton, sie ist mutmaßlich die lauteste Kuh hier im ganzen Landkreis. Ich mein, der Große hat ja schon immer mal was zu mosern, aber DIE übertrifft alles, was ich bisher an Mäkelig- und Nervigkeit erlebt habe. Und ich habe schon einige Lenze auf der Kruppe, das könnt ihr mir glauben. Dagegen war Romis Mama, die vornehme, aber sehr launische Araberin, ja die reinste Mutter Theresa!
Lotti muht, wenn sie findet, dass das Heu zu trocken oder zu nass ist, das Wasser zu kalt oder zu warm ist, das Gras zu lang oder zu kurz ist, wenn sie Stuhlgang hat, wenn sie ihre Artgenossen herumkommandiert, wenn sie auch welche von unseren Möhren haben will und auch einfach mal nur so. Sie erinnert an eine oberzickige Schwiegermutter, die von der Sorte, die von den Männern der holden Tochter gerne auf den Mond geschossen werden würden. So eine Meckerkuh, und das im wahrsten Sinne des Wortes, hat die Welt noch nicht gesehen bzw. gehört. Unfassbar.Wenn der Papa-Zweibeiner sich nur blicken lässt, muht Lotti wie eine Weltmeisterin. Der versteckt sich schon vor ihr, weil das Gemuhe echt laut ist! Aber wenigstens bin ich daran nicht schuld. Wäre ja auch noch schöner!
Ich hab mir ein bißchen vom Herbstlaub in die kleinen Öhrchen gestopft, um nicht immer vor Schreck halb ohnmächtig zu werden, wenn Lotti mit ihrem Konzert loslegt. Und das Schlimmste ist: Die Resi, das dritte der Daltons, fängt jetzt auch schon damit an. Na, Prost Mahlzeit. Werde demnächst alle 3 beim Supertalent anmelden, der Dieter freut sich bestimmt über solche Auftritte. Und wer weiß, vielleicht gewinnen sie sogar und bekommen vom Preisgeld einen eigenen Stall...? ;-)
Man wird ja wohl noch träumen dürfen... Oh je, da muht sie schon wieder. Sie möchte in den Stall gelassen werden..
Es grüßt euch
euer Mäxchen (mit einem hoffentlich vorübergehenden Tinnitus)!
Mittwoch, 9. Mai 2018
Musikworkshop 2018 - So schön, schön war die Zeit!
Leute, was war das wieder herrlich! Mitten im Maisommer mit Temperaturen bis zu 30 Grad Celsius versammelte sich einmal mehr eine Meute von Musikbegeisterten, wie ich es ja auch bin, in einer kleinen Sporthalle mitten im nördlichen Münsterland. Das Ziel: Ein besonderes Programm für ein 50-Jahre-Betriebsjubiläum zusammenzustellen. Besonders ist es nicht nur, weil es sich um ein Gemeinschaftsprojekt von MusikerInnen und Tänzerinnen mit und ohne Behinderung handelt, sondern weil sich wirklich für jede/n ein Plätzchen findet, um tatkräftig mitzuwirken!
Professionell angeleitet wird der Musikworkshop von sowohl jahrelang banderfahrenen und/oder professionellen MusikerInnen und Sporttherapeutinnen und es ist jedes Mal eine Herausforderung für alle, denn es ist wirklich eine bunte Truppe, die sich hier jedesmal direkt nach Herausgabe der Ausschreibung anmeldet. Es wird gesungen, getanzt und getrommelt, in einer Band gespielt und ausnahmslos jedermann und -frau macht hier voller Elan über die gesamte Distanz von 3 Tagen mit, ohne Ermüdungserscheinungen zu offenbaren. Die "Chefin" vom Dienst ist übrigens die Sängerin und Musikpädagogin Bea Nyga aus Köln, die - selbst im Rollstuhl sitzend - mit ihrer positiven und wirklich hinreißend humorvollen Art imstande ist, jeder Person im Raum innerhalb von wenigen Sekunden ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Ich gebe zu, ich bin ein absoluter Fan von Bea, deren konstruktive Kritik sofort Wirkung zeigt, aber immer mit einem charmanten Spruch garniert auch garantiert im Gedächtnis kleben bleibt.
Es wurde im Hintergrund fleißig getextet, transponiert und dann am Feintuning gefeilt und schließlich ein Programm auf die Beine gestellt, dass immer zu einem guten Teil aus den Ideen und Eingebungen der Teilnehmer lebt. Mit ihren äußerst lebendigen "Mitmach-Songs" schafft sie es außerdem, dass niemand einfach auf seinem Stühlchen in der Kennenlernphase kleben bleibt, sondern ruckzuck eine tolle, vom Gemeinschaftsgefühl geprägte Atmosphäre entsteht, die über die Dauer des Workshops durchgängig bestehen bleibt.
Es wurde neben der lockeren Atmosphäre allerdings auch hart gearbeitet, und zwar an Songs und Performances aus so ziemlich allen Epochen der jüngeren Musikgeschichte. Ich nannte es vorhin mal scherzhaft "So schön war die Zeit - Das Musical" und es war tatsächlich ähnlich aufgebaut! Mit Bezug auf das 50jährige Bestehen der WfbM als Ausrichter wurden 3 Strophen gefertigt, die immer wieder unterbrochen wurden von Rock-, Pop- und auch Schlagerklassikern, die aber nie den Bezug zum Hauptthema verloren. So wurde z.B. aus dem Kinderlied von der Biene Maja eine Hommage an die Insel Baltrum (Ziel vieler Freizeiten und Lehrgängen der WbfM mit eigener Immobilie) und auch John Denvers "Country Roads"sowie die "Straße nach Amarillo" kündeten von Fernweh und Reiselust in der bevorstehenden Urlaubszeit. Original belassen als eine ziemlich harte Nuss entpuppte sich Mark Forsters "Chöre", gesungen von einem autistischen Zufallsteilnehmer, der die Bandprobe durchs offene Fenster mal zufällig mitgehört und aus dem Kopf tonrein und auswendig mitgesungen hat inklusive der bewundernswerten Tatsache, dass M. den Song auch vor den geladenen Gästen und Publikum einfach mal so vorgetragen hatte. Wir von der Band haben ihn sehr gerne dabei begleitet und alles gegeben, ihm Sicherheit zu geben und das hat sofort funktioniert. Mit Keyboard, Schlagzeug, Trompete, Bass und Akustikgitarren sowie der Percussion-Abteilung wurde M. optimal unterstützt, denn es wurde ein voller Erfolg. Forster, zieh dich warm an, denn M.'s wunderbar samtige, aber energische Stimme hat jeden sofort in seinen Bann gezogen! Und beim Refrain "Und die Chöre singen für dich" hat alles, was in der Halle Stimmbänder besaß, richtig Gas gegeben und gegroovt und er wurde dann auch circa 100x wiederholt. Ein Mega-Gänsehaut-Moment! ;-)
Meine Wenigkeit wurde zur Zugabe mit meiner Duettpartnerin T. ebenfalls ins Rampenlicht gezerrt, obwohl wir eigentlich nur Bea in einer Pause mal unsere Version von Simon & Garfunkels "Sound of Silence" zur gnadenlosen Beurteilung vorgetragen hatten. Da machste das einmal und ratzfatz biste Teil des Programms, sozusagen als Schlussakkord für die leiseren Töne! Sie fands wohl nicht so schlecht! Wir gaben also nochmal alles mit Gesang und nur meiner Gitarre und nachdem es währenddessen mucksmäuschenstill im Saal wurde, brandete nach dem Schluss-A moll ein orkanartiger Applaus auf, der mir nicht zum erstenmal heute die Tränen in die Augen trieb, und das nicht nur, weil das schon wieder das Ende einer Workshopwoche darstellte. Sondern weil ich mich getraut habe, vor Leuten, die ich gar nicht kenne, etwas vorzutragen. Heißen Dank an die tolle T. für diesen wunderbaren Moment! Und nicht nur deshalb "Heiss", weil die Raumtemperatur sich wohl so langsam dem Siedepunkt annäherte.. ;-)
Gelernt habe ich an diesem Tag nicht nur von den Coaches und der Chefin Bea, sondern vor allem von M., der das ja auch einfach so mal wunderbar hinbekommen hat. Auch dafür bin ich ihm mehr als dankbar!
Und wo ich gerade beim Bedanken bin: Einen ebensolchen an die Initiatoren und ausführenden Menschen des Workshops und auch ausnahmslos allen TeilnehmerInnen und die phantastische Bea Nyga nimmt einen musikalischen Gruß aus meiner Feder (=Tastatur) mit nach Kölle... zu der ihr wohl bekannten Melodie von "Superjeile Zick"!
Hier noch der Link zu Beas Homepage, zum Stöbern und vielleicht auch selbst mal erleben! https://www.bea-nyga.de/category/ueber-bea/
Professionell angeleitet wird der Musikworkshop von sowohl jahrelang banderfahrenen und/oder professionellen MusikerInnen und Sporttherapeutinnen und es ist jedes Mal eine Herausforderung für alle, denn es ist wirklich eine bunte Truppe, die sich hier jedesmal direkt nach Herausgabe der Ausschreibung anmeldet. Es wird gesungen, getanzt und getrommelt, in einer Band gespielt und ausnahmslos jedermann und -frau macht hier voller Elan über die gesamte Distanz von 3 Tagen mit, ohne Ermüdungserscheinungen zu offenbaren. Die "Chefin" vom Dienst ist übrigens die Sängerin und Musikpädagogin Bea Nyga aus Köln, die - selbst im Rollstuhl sitzend - mit ihrer positiven und wirklich hinreißend humorvollen Art imstande ist, jeder Person im Raum innerhalb von wenigen Sekunden ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Ich gebe zu, ich bin ein absoluter Fan von Bea, deren konstruktive Kritik sofort Wirkung zeigt, aber immer mit einem charmanten Spruch garniert auch garantiert im Gedächtnis kleben bleibt.
Es wurde im Hintergrund fleißig getextet, transponiert und dann am Feintuning gefeilt und schließlich ein Programm auf die Beine gestellt, dass immer zu einem guten Teil aus den Ideen und Eingebungen der Teilnehmer lebt. Mit ihren äußerst lebendigen "Mitmach-Songs" schafft sie es außerdem, dass niemand einfach auf seinem Stühlchen in der Kennenlernphase kleben bleibt, sondern ruckzuck eine tolle, vom Gemeinschaftsgefühl geprägte Atmosphäre entsteht, die über die Dauer des Workshops durchgängig bestehen bleibt.
Es wurde neben der lockeren Atmosphäre allerdings auch hart gearbeitet, und zwar an Songs und Performances aus so ziemlich allen Epochen der jüngeren Musikgeschichte. Ich nannte es vorhin mal scherzhaft "So schön war die Zeit - Das Musical" und es war tatsächlich ähnlich aufgebaut! Mit Bezug auf das 50jährige Bestehen der WfbM als Ausrichter wurden 3 Strophen gefertigt, die immer wieder unterbrochen wurden von Rock-, Pop- und auch Schlagerklassikern, die aber nie den Bezug zum Hauptthema verloren. So wurde z.B. aus dem Kinderlied von der Biene Maja eine Hommage an die Insel Baltrum (Ziel vieler Freizeiten und Lehrgängen der WbfM mit eigener Immobilie) und auch John Denvers "Country Roads"sowie die "Straße nach Amarillo" kündeten von Fernweh und Reiselust in der bevorstehenden Urlaubszeit. Original belassen als eine ziemlich harte Nuss entpuppte sich Mark Forsters "Chöre", gesungen von einem autistischen Zufallsteilnehmer, der die Bandprobe durchs offene Fenster mal zufällig mitgehört und aus dem Kopf tonrein und auswendig mitgesungen hat inklusive der bewundernswerten Tatsache, dass M. den Song auch vor den geladenen Gästen und Publikum einfach mal so vorgetragen hatte. Wir von der Band haben ihn sehr gerne dabei begleitet und alles gegeben, ihm Sicherheit zu geben und das hat sofort funktioniert. Mit Keyboard, Schlagzeug, Trompete, Bass und Akustikgitarren sowie der Percussion-Abteilung wurde M. optimal unterstützt, denn es wurde ein voller Erfolg. Forster, zieh dich warm an, denn M.'s wunderbar samtige, aber energische Stimme hat jeden sofort in seinen Bann gezogen! Und beim Refrain "Und die Chöre singen für dich" hat alles, was in der Halle Stimmbänder besaß, richtig Gas gegeben und gegroovt und er wurde dann auch circa 100x wiederholt. Ein Mega-Gänsehaut-Moment! ;-)
Meine Wenigkeit wurde zur Zugabe mit meiner Duettpartnerin T. ebenfalls ins Rampenlicht gezerrt, obwohl wir eigentlich nur Bea in einer Pause mal unsere Version von Simon & Garfunkels "Sound of Silence" zur gnadenlosen Beurteilung vorgetragen hatten. Da machste das einmal und ratzfatz biste Teil des Programms, sozusagen als Schlussakkord für die leiseren Töne! Sie fands wohl nicht so schlecht! Wir gaben also nochmal alles mit Gesang und nur meiner Gitarre und nachdem es währenddessen mucksmäuschenstill im Saal wurde, brandete nach dem Schluss-A moll ein orkanartiger Applaus auf, der mir nicht zum erstenmal heute die Tränen in die Augen trieb, und das nicht nur, weil das schon wieder das Ende einer Workshopwoche darstellte. Sondern weil ich mich getraut habe, vor Leuten, die ich gar nicht kenne, etwas vorzutragen. Heißen Dank an die tolle T. für diesen wunderbaren Moment! Und nicht nur deshalb "Heiss", weil die Raumtemperatur sich wohl so langsam dem Siedepunkt annäherte.. ;-)
Gelernt habe ich an diesem Tag nicht nur von den Coaches und der Chefin Bea, sondern vor allem von M., der das ja auch einfach so mal wunderbar hinbekommen hat. Auch dafür bin ich ihm mehr als dankbar!
Und wo ich gerade beim Bedanken bin: Einen ebensolchen an die Initiatoren und ausführenden Menschen des Workshops und auch ausnahmslos allen TeilnehmerInnen und die phantastische Bea Nyga nimmt einen musikalischen Gruß aus meiner Feder (=Tastatur) mit nach Kölle... zu der ihr wohl bekannten Melodie von "Superjeile Zick"!
Hier noch der Link zu Beas Homepage, zum Stöbern und vielleicht auch selbst mal erleben! https://www.bea-nyga.de/category/ueber-bea/
Sonntag, 29. April 2018
Wartezimmer from Hell: Schöne neue Welt!
Tja, wenn man so ausgeliefert in einem Wartezimmer beim Zahnarzt sitzt, schießen einem ziemlich viele Gedanken durch den Kopf, aber einer überlagert sie alle mühelos. Und der brüllte mittlerweile durch meine Hirnwindungen: "WANN BIN ICH ENDLICH DRAN UND WERDE MEINE SCHMERZEN LOS?" Und direkt dahinter her: "SOS! MAYDAY! HOLT MICH HIER RAUS!" denn der kleine Max bekam nun langsam, aber sicher seine 5 Minuten des Rabaukentums. Längst gab er sich nicht mehr damit zufrieden, mit der flachen Hand an die Wände zu klatzen oder den Matchboxautos eine neue Funktion als Flugobjekte zu verleihen. Nein, nun bekam er auch noch Hunger und die draußen brausende Kirmes bot ja so einiges an Leckereien, gerade für die Kleinen.
"ICH WILL EIN EIS, MAMA!" tat er plötzlich mit kräftiger Stimme kund, dringend an seine Erziehungsberechtigte gewandt.
"Gleich, Schatz. Der Papa muss erst noch..."
"NICHT GLEICH! JETZT! SCHOKO UND VANILLE!" Mäxchen machte gleich Nägel mit Köpfen und gab seine Bestellung auf.
Die Mutter, immer noch in eine Ausgabe der "Landlust" vertieft, schien derlei schon gewöhnt, denn sie blickte nicht mal auf. Stoisch wiederholte sie ihr "Gleich, Schatz, der Papa muss erst.." um an gewohnter Stelle von den Forderungen des Youngsters unterbrochen zu werden. Respekt an die Geduld der Mittzwanzigerin, die hatte anscheinend Nerven wie Drahtseile.
So ging es noch ein wenig hin und her und Loriot hätte an der Szene seine helle Freude gehabt. Ich auch, wären da nicht diese pochenden Schmerzen mit Klopfen und Kieferklemme..
Die magische Tür öffnete sich jetzt wieder und ich hob so hoffnungsvoll den Kopf, als wäre ich eine Verdurstende und jemand reichte mir die letzte Cola vor der Wüste. Aber nein, ein weiteres Frau-Kind-Gespann betrat das Wartezimmer und nahm Plätze ein. Hier handelte es sich aber offenbar bei dem blondschopfigen Jungen um den Patienten, denn er hielt sich die Wange. Die Dame war wohl auch nicht die Mutter des Jungen - ich nenne ihn jetzt mal Moritz - denn sie telefonierte hektisch und gestresst mit wohl eben dieser. "Die Gesundheitskarte hast du.. ja... wann geboren? Ach ja stimmt.... ach, das wird schon nicht so schlimm sein... was? Nee, der sitzt hier neben mir...sind noch 3 vor uns, ja... ja.... das kann noch ein bißchen dauern..... Ok, wir sehen uns. Tschau!"
Hm, dieser Moritz schien das genaue Gegenteil vom Max zu sein. Leise und bleich saß er still auf dem Kinderstühlchen, schüchtern wagte er gar nicht, irgend etwas anzufassen. Während Mäxi immer noch lauthals sein SchoVani-Eis forderte.
Kam ich aus diesem Vorhof der Erziehungshölle jemals wieder heraus? Oder irgendeiner von diesen Personen? Mir kam der Song von den Eagles in den Sinn, Hotel California, und besonders die Textzeile "You can check in every time you want, but you'll never leave..." Ja, willkommen beim Zahnarzt California, mitten in einer bekirmesten Kleinstadt im nördlichen Münsterland. Loriot würde mittlerweile wohl ausrasten vor Begeisterung, würde er noch unter uns weilen.
Das Muttertier schien nun endlich mit der April-Ausgabe der "Landlust" durch zu sein und plötzlich funktionierten ihre kognitiven Fähigkeiten wieder. Sie sprang auf, reichte dem Sprößling seine Jacke und verließ eilig das Wartezimmer. Mit ihm, was ich als sehr wohltuend empfand! Hach! Endlich Ruhe im Saal!
Tja, das dachte ich jedenfalls, denn auf einmal schien sich Moritz an seine Sprache zu erinnern und nörgelte los: "Dauert das noch lange? Mir ist laaaangweiliiig!"
Oh nein, nicht der jetzt auch noch.
Die Dame schob ihm ein Bilderbuch hin. Das gute alte Bilderbuch würde augenblicklich wieder für Ruhe sorgen. Ein Hoch auf..
"Ach maaa. Das kenn ich schon", begehrte der Blondschopf auf und das wiederholte sich bei allen 4 vorhandenen Bilderbüchern. Offenbar saß Moritz öfter in Wartezimmern herum.
Auf einmal hatte die Dame eine ganz grandiose Idee: Sie tippte was auf ihrem Smartphone ein und plötzlich brachen Bagger, Maschinengewehre, Silvesterraketen und Hubschrauber über das kleine Wartezimmer herein. Meine unbegeisterte Mine dazu wurde konsequent ignoriert. Was zum Teufel...?
"WILLKOMMEN ZU EINER NEUEN EPISODE VON 'LEGOLAND IST ABGEBRANNT' auf YOUTUBE. GLEICH GEHTS WEITER NACH EINER KURZEN WERBEUNTERBRECHUNG!"
Das träume ich doch jetzt nur, oder? So wie diese gesamte Zahnschmerzsache doch eigentlich nur ein Alptraum sein kann. Oder? ODER?
Nein. Es ging nach der kurzen Werbeunterbrechung weiter mit dem abgefackelten Legoland, und zwar in voller Lautstärke. Hatte die Dame noch nichts von der segensreichen Erfindung der Ohrstöpsel gehört, die man in einem solchen Fall gerne verwendet? Zur Schonung der noch nicht abgeburnten Umwelt?
Anscheinend nicht, denn sie widmete sich nun in aller Gemütsruhe der Lektüre einer Ausgabe von .. na ratet mal... richtig: Der Landlust.
Nach weiteren 3 Folgen von "LEGOLAND IN GEFAHR" fand sich auch Mäxchen mitsamt Mutter und einem Rieseneis Schoko-Vanille wieder im Wartezimmer ein.
"OH GEIL, JUTJUP-LEGOLAND! MAMA, MACH MA MEIN TABLET AN!"
Und so kam es, dass ich simultan in den Genuss von 2 verschiedenen Episoden von "LEGOLAND IST ABGEBRANNT" kam und ich weiss gar nicht, welche mehr in meinem Schädel dröhnte. Immerhin hielten Max & Moritz derweil die Klappe und als ich ENDLICH ins Behandlungszimmer gerufen wurde, warf mir die Sprechstundenhilfe einen vielsagenden Blick zu.
"Schöne neue Welt, nich?"
Ich nickte bejahend, bevor ich mich in den gefürchteten Stuhl des Zahnarztes begab. Heute aber kam er mir vor wie der Himmel auf Erden.
"ICH WILL EIN EIS, MAMA!" tat er plötzlich mit kräftiger Stimme kund, dringend an seine Erziehungsberechtigte gewandt.
"Gleich, Schatz. Der Papa muss erst noch..."
"NICHT GLEICH! JETZT! SCHOKO UND VANILLE!" Mäxchen machte gleich Nägel mit Köpfen und gab seine Bestellung auf.
Die Mutter, immer noch in eine Ausgabe der "Landlust" vertieft, schien derlei schon gewöhnt, denn sie blickte nicht mal auf. Stoisch wiederholte sie ihr "Gleich, Schatz, der Papa muss erst.." um an gewohnter Stelle von den Forderungen des Youngsters unterbrochen zu werden. Respekt an die Geduld der Mittzwanzigerin, die hatte anscheinend Nerven wie Drahtseile.
So ging es noch ein wenig hin und her und Loriot hätte an der Szene seine helle Freude gehabt. Ich auch, wären da nicht diese pochenden Schmerzen mit Klopfen und Kieferklemme..
Die magische Tür öffnete sich jetzt wieder und ich hob so hoffnungsvoll den Kopf, als wäre ich eine Verdurstende und jemand reichte mir die letzte Cola vor der Wüste. Aber nein, ein weiteres Frau-Kind-Gespann betrat das Wartezimmer und nahm Plätze ein. Hier handelte es sich aber offenbar bei dem blondschopfigen Jungen um den Patienten, denn er hielt sich die Wange. Die Dame war wohl auch nicht die Mutter des Jungen - ich nenne ihn jetzt mal Moritz - denn sie telefonierte hektisch und gestresst mit wohl eben dieser. "Die Gesundheitskarte hast du.. ja... wann geboren? Ach ja stimmt.... ach, das wird schon nicht so schlimm sein... was? Nee, der sitzt hier neben mir...sind noch 3 vor uns, ja... ja.... das kann noch ein bißchen dauern..... Ok, wir sehen uns. Tschau!"
Hm, dieser Moritz schien das genaue Gegenteil vom Max zu sein. Leise und bleich saß er still auf dem Kinderstühlchen, schüchtern wagte er gar nicht, irgend etwas anzufassen. Während Mäxi immer noch lauthals sein SchoVani-Eis forderte.
Kam ich aus diesem Vorhof der Erziehungshölle jemals wieder heraus? Oder irgendeiner von diesen Personen? Mir kam der Song von den Eagles in den Sinn, Hotel California, und besonders die Textzeile "You can check in every time you want, but you'll never leave..." Ja, willkommen beim Zahnarzt California, mitten in einer bekirmesten Kleinstadt im nördlichen Münsterland. Loriot würde mittlerweile wohl ausrasten vor Begeisterung, würde er noch unter uns weilen.
Das Muttertier schien nun endlich mit der April-Ausgabe der "Landlust" durch zu sein und plötzlich funktionierten ihre kognitiven Fähigkeiten wieder. Sie sprang auf, reichte dem Sprößling seine Jacke und verließ eilig das Wartezimmer. Mit ihm, was ich als sehr wohltuend empfand! Hach! Endlich Ruhe im Saal!
Tja, das dachte ich jedenfalls, denn auf einmal schien sich Moritz an seine Sprache zu erinnern und nörgelte los: "Dauert das noch lange? Mir ist laaaangweiliiig!"
Oh nein, nicht der jetzt auch noch.
Die Dame schob ihm ein Bilderbuch hin. Das gute alte Bilderbuch würde augenblicklich wieder für Ruhe sorgen. Ein Hoch auf..
"Ach maaa. Das kenn ich schon", begehrte der Blondschopf auf und das wiederholte sich bei allen 4 vorhandenen Bilderbüchern. Offenbar saß Moritz öfter in Wartezimmern herum.
Auf einmal hatte die Dame eine ganz grandiose Idee: Sie tippte was auf ihrem Smartphone ein und plötzlich brachen Bagger, Maschinengewehre, Silvesterraketen und Hubschrauber über das kleine Wartezimmer herein. Meine unbegeisterte Mine dazu wurde konsequent ignoriert. Was zum Teufel...?
"WILLKOMMEN ZU EINER NEUEN EPISODE VON 'LEGOLAND IST ABGEBRANNT' auf YOUTUBE. GLEICH GEHTS WEITER NACH EINER KURZEN WERBEUNTERBRECHUNG!"
Das träume ich doch jetzt nur, oder? So wie diese gesamte Zahnschmerzsache doch eigentlich nur ein Alptraum sein kann. Oder? ODER?
Nein. Es ging nach der kurzen Werbeunterbrechung weiter mit dem abgefackelten Legoland, und zwar in voller Lautstärke. Hatte die Dame noch nichts von der segensreichen Erfindung der Ohrstöpsel gehört, die man in einem solchen Fall gerne verwendet? Zur Schonung der noch nicht abgeburnten Umwelt?
Anscheinend nicht, denn sie widmete sich nun in aller Gemütsruhe der Lektüre einer Ausgabe von .. na ratet mal... richtig: Der Landlust.
Nach weiteren 3 Folgen von "LEGOLAND IN GEFAHR" fand sich auch Mäxchen mitsamt Mutter und einem Rieseneis Schoko-Vanille wieder im Wartezimmer ein.
"OH GEIL, JUTJUP-LEGOLAND! MAMA, MACH MA MEIN TABLET AN!"
Und so kam es, dass ich simultan in den Genuss von 2 verschiedenen Episoden von "LEGOLAND IST ABGEBRANNT" kam und ich weiss gar nicht, welche mehr in meinem Schädel dröhnte. Immerhin hielten Max & Moritz derweil die Klappe und als ich ENDLICH ins Behandlungszimmer gerufen wurde, warf mir die Sprechstundenhilfe einen vielsagenden Blick zu.
"Schöne neue Welt, nich?"
Ich nickte bejahend, bevor ich mich in den gefürchteten Stuhl des Zahnarztes begab. Heute aber kam er mir vor wie der Himmel auf Erden.
Abonnieren
Posts (Atom)
Empfohlener Beitrag
Eine weihnachtliche Soap-Opera aus irgendeinem Mehrzweckstall im Münsterland! Die HauptdarstellerInnen: Mäxchen Romi aka "...




