Sonntag, 26. April 2020

Eine kleine Kurzgeschichte zum Zeitvertreib...

Panjo

Der kleine rot getigerte Kater streckte sich im Sonnenlicht, gähnte noch einmal herzhaft und machte sich dann auf den Weg, um seine Umgebung zu erkunden. Seit ein paar Tagen konnte er seine kleinen blauen Äuglein öffnen und blickte seitdem sehr neugierig in die Welt. Da waren noch so viele andere Tiere, und diese galt es jetzt kennenzulernen.
Nur noch schnell einen Schluck Milch bei seiner Mutter genascht und dann konnte es auch schon losgehen!
Tapsig kletterte er aus dem Heu, in dem seine Mama ein gemütliches Nest für ihren Nachwuchs eingerichtet hatte. Noch unsicher watschelte Panjo über den harten Stallboden hinaus ins Freie.
Ah, da vorne trippelte glucksend ein seltsames Tier vorbei. Es pickte im Boden nach Essbarem und besaß kein Fell, sondern Federn und seltsam geformte, gelbe Füße. Und davon auch nur 2. Die Mitte des Gesichts ohne Schnurrhaare zierte ein großer ebenso gelber Schnabel, in dem emsig Futterkörner verschwanden.
„Hallo du. Ich bin Panjo und wie heisst du? Was bist du? Was machst du?“
Man sagt jungen Katzen ja eine gewisse Neugier nach, und Panjo war noch ein ganzes Stück neugieriger als seine 4 Geschwister, die noch bei Mama im Heunest herumkrabbelten.
„Ich bin Berta, und ich bin ein Huhn. Ich picke den lieben langen Tag mein Futter auf und lege dann Eier im Stall.“
„Aha. Und warum?“
Panjo war wirklich besonders neugierig.
„Die Menschen sammeln sie ein und essen sie auf. Ich werde dafür von ihnen beschützt und muss keine Angst vor Füchsen haben.“ Oder vor kleinen, neugierigen Katzen, fügte Berta in Gedanken hinzu.
„Aha. Schön! Bis dann mal!“
Panjo hopste einer Hummel hinterher, die ihm um die Nase herumschwirrte. Er war nicht nur neugierig, sondern auch unheimlich verspielt!
„Hallo! Ich bin Panjo und du? Was bist du? Was machst du?“
„Ich bin Hotte, die Hummel! Und ich ssssssammle Pollen und ich kann fliegen. Juhuuu!“
Hotte sauste noch einmal eine Extrarunde um Panjos Köpfchen herum.
„Aha, und warum machst du das?“
„Damit die Pflanzenblüten bestäubt werden und später Früchte tragen. Bestäuben ist super, versuch es doch auch einmal! Ach, halt, du kannst ja gar nicht fliegen!“ Kichernd schwirrte Hotte ab. Panjo rieb sich das Näschen, nieste einmal kurz und tapste weiter. Vor einem sehr großen Tier blieb er stehen. Das Riesenvieh lag im Gras und machte seltsame Kaubewegungen, ohne wirklich etwas zu fressen.

„Hallo, du Riese! Ich bin Panjo und du? Was bist du und was machst du?“
Das riesige braunweisse Tier senkte bedächtig den Kopf und betrachtete den kleinen roten Kater. Dann senkte es sein linkes Horn und zwinkerte Panjo freundlich zu. Seine großen, wunderschönen Augen schienen ihm zuzuzwinkern.
„Hallo, Panjo! Ich bin Lotti und ich bin eine Kuh. Und ich fresse Gras und wandere von Lieblingsstelle zu Lieblingsstelle auf der Weide und mache ab und zu ein kleines Nickerchen. Dann kann ich mein Futter nochmal fressen, das nennt sich „Widerkäuen“ und ist ziemlich cool. Ich hab nämlich immer was zu Knabbern dabei.“
Panjo konnte mit „Knabbern“ noch nicht so recht etwas anfangen, denn schließlich trank er noch Milch an Mamas Bauch. Er hatte aber schon versucht, ein paar Brocken von dem Katzenfutter aus dem Napf zu fressen, was aber in einem Hustenanfall und Schimpfe von der Mutter endete. Wie gesagt, Panjo war wirklich ein seeehr neugieriger kleiner roter Kater.
„Aha! Und dann, was machst du dann?“
Freundlich nickte Lotti ihrem sehr jungen Gesprächspartner zu.
„Jaa, dann gehe ich abends in den Stall an die Melkmaschine. Und gebe Milch, die Menschen trinken sie.“
„MILCH! Das kenne ich, das macht meine Mutter auch!“ Panjo war begeistert, einen gemeinsamen Nenner mit Lotti gefunden zu haben.
„Oh, na klar tut sie das. Aber auch einen ganzen großen Eimer voll?“
Staunend legte Panjo seine kleine getigerte Katzenstirn in nachdenkliche Falten.
„Oh, nein, soviel nicht. Leider! Aber trotzdem ist sie sehr, sehr lecker. Meine Geschwister und ich streiten immer um die beste Zitze!“
Lotti lächelte bei der Vorstellung dieser Szene, sie hatte schon viele Katzenmütter gesehen und sich stets gut mit ihnen gestellt. Und kleine Kätzchen sind ja wirklich auch zu niedlich!
„Grüß deine Frau Mama mal lieb von mir. Sie hat ja gerade viel zu tun, euch kleine Racker aufs Leben vorzubereiten.“
„Danke, Lotti. Ich werds ausrichten!“ Panjo blinzelte Lotti noch einmal zu und zog dann weiter.
Etwas weiter hinten auf der grünen Wiese tänzelte ein noch größeres, blendend weisses Tier mit großen Augen und roten Nüstern am Zaun entlang. Sein seidiger Schweif wehte hoch aufgestellt im Wind und sein gellendes Wiehern ließ Panjo kurz zusammenzucken. Dann fasste er sich ein Herz und tippelte auf dem Schimmel zu. Er musste sich aber auf die Hinterbeine stellen und sich ganz groß machen, um von dem immer noch tänzelnden Tier überhaupt wahrgenommen zu werden. Zum Glück hatte es gute Ohren, die es so sehr gespitzt hatte, dass sie zitterten.
„Hallo! Ich bin Panjo und du? Wie heisst du und was machst du?“ rief der kleine Kater so laut er konnte. Mit sicherem Abstand wartete er, bis der Schimmel endlich mal zum Stehen kam. Warm blies er Luft aus seinen Nüstern auf Panjo.
„Hey, du kleines Ding, du passt ja genau in meine Hufe!“ trompetete das Pferd. „Aber keine Angst, ich fresse dich nicht, ich bin Vegetarier. Mein Name ist Hakeem und ich bin ein Araber. Quasi ein Pferd mit Migrationshintergrund!“
„Aha“, sagte Panjo. „Und was machen Pferde so den ganzen Tag? Was ist dein Job?“ Panjo hatte ja nun schon gelernt, dass manche Tiere Nahrung produzierten oder dafür sorgten, dass Pflanzen sich vermehrten. Aber so ein Pferd, was konnte das wohl zum Hofleben beitragen?
„Ich bin ein Reittier, ich trage oft einen Sattel und ein Zaumzeug und dann reiten die Menschen mit mir aus. Dafür begeistere ich sie mit meiner Schönheit und meiner Intelligenz und zusammen sind wir eins mit der Natur. Und ein bisschen Sport ist es auch, manchmal springen wir über Hindernisse und gehen auf Turniere!“
„Oh, das ist ja eine interessante Aufgabe. Richtig vielseitig!“ staunte Panjo. „Darf ich auch mal auf deinem Rücken sitzen?“
„Klar, steig einfach auf!“
Panjo reckte und streckte sich, aber es wollte einfach nicht gelingen. NOCH nicht.
„Du wächst ja noch“, tröstete Hakeem. „Ich hab Zeit, ich bin ein Freizeitpferd!“ Friedlich schnaubend trabte der Schimmel weiter. Panjo spitzte die Ohren, wie er es bei dem Schimmel beobachtet hatte, denn ein anderes, großes schwarzes Tier hatte sein Interesse geweckt. Sein Schwanz wedelte hin und her, es schien sehr aufgeregt zu sein. Vorsichtig schlich Panjo sich an und baute sich vor dem hechelnden Tier auf. Seine langen Schlappohren reizten ihn, damit zu spielen, aber das wagte er nicht. Das Tier hatte sehr große, schneeweisse Fangzähne.
„Hallo! Ich bin Panj..“
„WUFF! WUFF! WUFF!“ Der Schwarze knurrte ärgerlich und fletschte die Zähne
Erschrocken hopste Panjo ein paar Schritte zurück. Sein rotgestreiftes Fell sträubte sich, er sah nun völlig verändert aus: Doppelt so groß, doppelt so dick und doppelt so gefährlich. Sein Gegenüber knurrte nun bedrohlich.
„Oh warte. Das kann ich auch!“ maunzte Panjo und es entfuhr ihm ein knurrender Laut, der aber mehr wie ein nettes Schnurren klang.
„Das üben wir aber noch“, kicherte der Schwarze und legte sich flach auf den Boden, um den kleinen Panjo besser in die Augen schauen zu können, der im Seitwärtsgang vor ihm auf und ab hopste.
„Beruhige dich, ich wollte dich nur ein bisschen erschrecken! Du bist ja ein mutiger kleiner Kerl, normalerweise hauen die Katzen immer vor mir ab. Ganz schön tapfer! WUFF!“ grinste der Hund.
Panjo spitzte die Ohren. „Abhauen“ hatte er noch nicht gelernt, schließlich war es sein erster Trip raus aus dem Heunest. Dann erstarrte er, denn im Augenwinkel sah er Lucie, seine Mutter, näherkommen. Schon packte sie ihren Nachwuchs im Nacken, streifte Barko mit einem vernichtenden Blick und wollte gerade zu ihrer kleinen Familie zurückgehen.
„Lucie, warte mal. Du hast da ein besonderes Prachtexemplar zum Sohn, aus dem könnte ein toller Stallkater werden! Der Bursche hat Mut!“
„Der Bursche kriegt jetzt erstmal Unterricht im Mäusefangen“ zischte Lucie zwischen den Zähnen hervor, die Panjo im Nackenfell hielten. „Er ist wirklich SEHR neugierig!“ Hocherhobenen Hauptes trug sie ihren Prachtsohn zurück ins Nest, wo sie ihn erst einmal ausgiebig putzte. Sein rotes Fell leuchtete in der Morgensonne. Lucie beschloss, ein besonderes Auge auf ihren kleinen Panjo zu haben, das erschien ihr mehr als notwendig.
Panjo hatte bei seinem ersten Ausflug viele Erfahrungen gemacht, und er hatte gelernt, dass jedes Wesen auf dem Hof seine Aufgabe hatte. Egal wie es ausschaute oder was es tat und konnte. Jeder war auf seine ganz eigene Art und Weise etwas ganz besonderes, und er selber auch! Diese Erkenntnis machte Panjo fröhlich und so schlief er zufrieden am flauschigen Bauch seiner Mutter ein.
Natürlich würde er morgen wieder losziehen, es gab ja schließlich noch sooooo viel zu entdecken!

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