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Samstag, 4. Februar 2017

After-Advents-Adventure Vol.VIII: Namen sind Schall und Rauch!

Hallo! Ich bin's mal wieder, eure bezaubernde Jeannie, heute wieder in Erzähllaune. :-)
Und so geht meine kleine Geschichte, die irgendwie immer länger wird, weiter:


Wowowowoow! Die Nachwirkungen der kleinen Vollnarkose wirkten noch, mein Bruder und ich taumelten durch das Aufwachzimmer in der Tierarztpraxis. Du meine Güte, war das eine Tortur! Die Einstichstelle hinter dem Ohr brannte wie Feuer, die Beine gehorchten uns auch noch nicht und knickten immer wieder ein und außerdem hatten wir beide einen tierischen Durst und es war kein Wassernapf im Raum. Na super.
Wir schauten uns an. Nein, wir blinzelten uns an, weil unsere Augen auch immer noch dauernd zufallen wollten.
"Na, Schwesterchen?" versuchte ich einen müden Scherz. Schließlich waren wir ja mit dem Chip auch mit neuen Namen bedacht worden, und mein Bruder hieß jetzt komischerweise Gigi. Wie so'n Mädchen.
Mich hat es mit "Gilbert" allerdings irgendwie noch blöder getroffen. EYH! Sagt mal, geht's noch?
Die anderen Katzen im Zimmer werden sich totlachen.
"Määh", machte mein Bruder Gigi. Und dann pennten wir wieder ein halbes Stündchen. Not fit to compete, würde ich unseren Zustand mal beschreiben. Ein echtes Teufelszeug, diese Vollnarkose.
Eine Stunde später sah die Welt schon wieder ganz anders aus. Wir waren völlig wiederhergestellt, immer noch durstig, jetzt auch noch hungrig und schon kam unsere Zweibeinerin mit dem Transportkorb um die Ecke, um uns einzupacken und mitzunehmen.
"Gigi und Gilbert, kommt? Na kommt? Wir fahren nach Hauseee!" rief sie zuckersüß. Unser Augenrollen übersah sie völlig. Ich glaube, das war ein hoffnungsloser Fall. Wir würden mit diesen Namen wohl alt werden, wenn nicht jemand zufällig diesen Irrtum vorher aufdeckt. Ein echter Skandal!
Nein, wir kamen nicht. Sie musste sich schon selber her bemühen und uns einsammeln. Rücksichtsvollerweise packte sie uns aber nicht am frisch gechippten Nackenfell, sondern schön sorgfältig unter dem Bauch. Es brannte immer noch ordentlich hinterm Ohr.
Wenig später befanden wir uns wieder im Katzenzimmer und stürzten uns auf den kleinen Springbrunnen mit Wasser für uns Katzen. Köstlich, was hatten wir für einen Durst! Rufus saß neben dem Brunnen und nahm uns freundlich wieder in Empfang.
"Hallo, ihr kleinen Mäuse. Ihr wart aber lange weg! Ich hoffe, es ist alles ok mit euch?" begrüßte uns der Einohrige mitfühlend. Sein eigener Chip saß hinter dem fehlenden Ohr und man konnte ihn von außen gut erkennen. Aber er wurde wenigstens nicht geschlechtsumgewandelt und sein Name passte hervorragend zu ihm. Den hatte er allerdings schon mitgebracht.
"Ja geht so!" brummelte Gigi, mein Bruder. Er war wirklich beleidigt. Und außerdem hatte er wohl auch ein bißchen Angst, dass Rani, für die er sehr schwärmte, ihn jetzt auslachen würde...
"Ist wieder ok, aber es brennt ziemlich!" antwortete ich Rufus. Der nickte mit dem Kopf.
"Jaa, das wird noch ein Weilchen so sein, aber dann spürst du es nicht mehr. Wirst sehen..", versuchte er zu trösten.
"Ich wünsche mir an dieser Stelle immer, dass die Zweibeiner auch mal sowas bekommen. Und zwar dahin, wo es wehtut. Hinter dem Ohr sind die Zweibeiner auch sehr empfindlich, wäre eine gute Stelle für einen ordentlichen Knubbel."
Huch. Das klang verbittert, auch wenn ich ihm recht gab. Was ist das überhaupt für eine Art und Weise? Aber Rufus' Tonfall klang außerdem so, als hätte er mit den Zweibeinern noch eine Rechnung offen. Ob es was mit den verlorenen Öhrchen zu tun hatte? Oder eine seelische Verletzung, die unter Umständen noch mehr zu schmerzen vermag?
Ob er uns das jemals erzählen würde? Hatte er es überhaupt schon mal jemandem erzählt oder machte er dieses Drama ganz mit sich alleine aus?
"Ach, ihr habt ja sicherlich jetzt auch Namen bekommen", sagte eine etwas quakig klingende Stimme aus dem Kissenberg. Muriel, eine schwarz-weisse Katzendame, steckte dahinter, die immer ein wenig neugierig und sensationslüstern zu schein schien. Sozusagen die Klatschtante des Katzenzimmers. Ausgerechnet die!
Ein warnender Blick von Brüderchen Gigi. Ich verstand ihn sofort.
"Ja, aber die sind nicht so der Hammer. Meinen Bruder haben sie Gi..lbert genannt, also Gil, und ich bin jetzt die Gigi. Geht so, ne?" antwortete ich.
"Hallo Gil und Gigi! Willkommen zurück im Katzenzimmer!" riefen plötzlich alle im Chor. Das schien hier so eine Art Tradition zu sein. Beinahe schon ein wenig rührend. Mit einem Namen ausgestattet, wird man plötzlich ganz anders wahrgenommen. Oder überhaupt mal wahrgenommen, von Katzen wie Muriel zum Beispiel. Die hatte uns nämlich bis jetzt ignoriert.
Rufus lächelte uns blinzelnd an, was auf eine ganz eigene Art und Weise wirkte, als hätte Rufus noch nicht allzuviel Grund zum Lächeln gehabt in letzter Zeit zumindest. Was mir wiederum so naheging, dass ich schnurrend auf ihn zulief, mit erhobenen Schwänzchen, und mein Köpfchen an seiner Schulter reiben wollte. Rufus aber wich diesem Sympathiebeweis beinahe erschrocken aus. Damit hatte er nicht gerechnet! Aber ich wollte ihm auf diese Weise mitteilen, dass ich so dankbar für seine freundliche Art, uns aufzunehmen, war und dass ich ihn gerne leiden mochte. Das war wohl zuviel für den getigerten Kater.
"Sorry, aber... ähm... bis später mal, Gigi!" und schwupps, war er auf den Kratzbaum gesprungen und krabbelte in die Höhle in der 2. Etage. Direkt unter Madame Mimis Residenz, die ein krächzendes Fauchen hören liess.
"Mon DIEU! Was war das, ein... wie sagt man.. Erdbeben?!" - entrüstete sich die Perserin in ihrem typischen Frankokätzisch.
"Nein, Ruufuus!" riefen die unter ihr ruhenden Katzen im Chor. Ihr Hofstaat, sozusagen.
"Rufus könnte ru'ig mal wieder ein wenig Diät 'alten", rügte Mimi den eleganten Sprung des Tigers auf die Plattform direkt unter ihr, der den Baum ein wenig zum Erzittern brachte. Aber wirklich nur minimal. Die Madame war halt sehr sensibel.
"Klappe, Tussi! Kümmere du dich um deinen filzigen Pelz und deine Triefaugen!" knarzte Rufus zurück. Ouhaouha.
"Das muss isch mir von einem Streuner und 'erumtreiber nich an'ören." Beleidigt rümpfe Mimi ihre kurzgezüchtete Nase. "Isch bin wunder'übsch, im Gegensatz zu dir! Pü'!"
"Dann bist du eben wunder'übsch, aber halt nur äußerlisch." Rufus äffte sie jetzt nach. Oh oh.
Mimi schickte einen dermaßen kalten Blick aus ihren zugegeben sehr schönen blauen Augen nach unten herab, der die Raumtemperatur um mindestens 4 Grad kühler erscheinen ließ. Ich fröstelte. Was für eine Madame!
"Rufus, isch 'abe dir nichts weiter mitzuteilen. Aber das 'eisst nicht, dass das das letzte Wort in dieser Affaire war. Soin de vous, ma chérie."
"Typisch Weiber, da fällt ihnen wieder keine gescheite Antwort ein. HAHA!" rief Rufus noch hinter ihr her, doch die Madame hatte sich bereits hocherhoben-gekräuselter Nase wieder in ihre Kemenate zurück gezogen.
Würde der Streit noch geklärt werden können? Wird Rufus noch etwas über seine Vergangenheit preisgeben? Wird der Namensschwindel doch noch auffliegen?
Bleibt dran, es geht bald spannend weiter!

Liebe Grüße
Eure bezaubernde Jeannie! :-)


 
Mit diesem Bild hätten sie mich bestimmt "Emily Erdbeer" getauft. Nochmal Glück gehabt!

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