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Freitag, 30. März 2018

Karwochen-Special Vol.III : Die große Versöhnung!

... und so geht es weiter in der Saga um den Schokiweihnachtsmann:

Ab welcher Temperatur schmilzt eigentlich Schokolade? fragte ich mich selber. Warum nur hatte ich damals im Hauswirtschaftsunterricht nicht besser aufgepasst! Irgendwann musste der Schokiweihnachtsmann ja nun mal bald von selbst den Siedepunkt erreichen. Das war ja nicht mehr normal, was der da abzog! Ein Schokiweihnachtsmann, der allergisch gegen Weihnach...
Genau. Das ist es! Das ist die Antwort, mit der er bestimmt zufrieden sein würde. Hah!
Wir erinnern uns: Der Schokiweihnachtsmann reagierte cholerisch auf das Wort "Weihnachten" und wollte partout nicht mit in den Karton mit dem Dekomaterial für das winterliche Fest der Liebe. Na gut, ok, das wäre ja auch nicht unbedingt mein beliebtester Aufenthaltsort. Das ist verständlich, wenn auch verwunderlich. Ich dachte immer, Weihnachtsmänner wären auch Weihnachts-Fans! Nun, mal lernt halt immer noch was dazu. Das könnte auch das dauernde Niesen erklären! Ist gar nicht mein Staub dran schuld!
Dass er mir aber schnaubend vor Wut und mit rollenden, blutunterlaufenen Augen vorwarf, ihn nicht beizeiten quasi geschlachtet und aufgegessen zu haben, das machte mich schon ein bißchen fertig. Die meisten von uns können gut darauf verzichten, gehäutet und aufgegessen zu werden. Aber hey, wir sind ja auch keine Schokiweihnachtsmänner.
So sinnierte ich vor mich hin, während das kleine Merci-Kerlchen unruhig mit dem Fuß wippte und mit den Fingern auf dem Regalbrett trommelte, immer wieder von einem dezenten "Hatschi" unterbrochen. Immerhin schien er sich aber langsam zu beruhigen, in seinem bärtigen Aluminiumgesicht zeigten sich nur noch die typgerechten runden Wangen gerötet.
"Naaa? Nun sag schon, ich will es wirklich wissen! Warum hast du mich nicht gegessen?" quengelte er mit seiner ALF-Stimme. "ICH BIN GENAUSO GUT WIE JEDE ANDERE SCHOKOLADE!"
Huch, er drehte wieder auf. Jetzt musste ich ihm schnell eine Antwort auf seine Frage geben, sonst tobt hier gleich wieder der Mob, aber nicht der zum Saubermachen.
"Ok, ok, alter Mann." Ich verzichtete weise auf den Zusatz "Weihnachts-". "Ich sage dir jetzt etwas, was ich noch nie zu jemandem gesagt habt."
"Jaaa? Ich höreee?" entgegnete er ungeduldig. Er nervte mich wirklich sehr und ich überlegte im Stillen, ob ich nicht eine Kuvertüre für meinen nächsten Marmorkuchen aus ihm machen sollte. Stichwort Siedepunkt.
"Also, es ist ja so. DU hast anscheinend eine Allergie auf Weihnach..."
"NEIIIN! NICHT SCHON WIEDER DIESES WORT! ICH RASTE AUS, EY!" unterbrach er mich lautstark.Im Geiste holte ich schon mal den Topf fürs Schmelzwasser aus dem Schrank. Dieser Schokoheini!
".. eine Allergie auf das Dezemberfest der Liebe mit den beiden Feiertagen..." versuchte ich es erneut.
"FEST DER LIEBE? WILLST DU MICH VERARSCHEN? Das ist doch nur noch Konsumterror, euer sogenanntes FEST DER LIEBE! Da gehts doch schon lange nicht mehr um Jesu Geburt, sondern nur noch um SCHÖNER GRÖSSER TEURER und BESSER!" Beleidigt schnuffelte er wieder ein bißchen in seine vorsintflutliche Rotzfahne. Die bereitgelegten Papiertaschentücher ignorierte er geflissentlich.
"Ja, da hast du sicherlich recht, Schokimann. Aber darum geht es hier doch gar nicht. Ich wollte..."
"DOCH DARUM GEHT ES! DARUM UND UM DIE UM SICH GREIFENDE DEKADENZ DEINER SPEZIES! IMMER NUR NOCH ICH ICH UND NOCHMALS ICH!" Das Wasser im Schmelztopf war übrigens schon warm, aber ich brachte es einfach nicht übers Herz, ihn zu packen, die Aluhülle abzuwickeln und ihm einfach nur noch beim Schmilzen zuzusehen. Außerdem hatte ich auch gar keinen Marmorkuchen gebacken. Aber noch ein bißchen in diesem Ton, und ich würde es tun. Ich würde es tun!
Ich zeigte auf den Topf mit dem warmen Wasser und der Schmelzschale darin. "Schokimann, willst du da rein?" fragte ich gaanz ruhig, obwohl ich innerlich zitterte.
"Da rein? Wieso? Rieche ich streng? Und wo ist die Seife?!" Verdattert blickte er mich an. Und erkannte anscheinend, dass es mir ernst war. "Ääh, ist was?" Er schaute mich prüfend an und erkannte wohl die steile Zornesfalte auf meiner Stirn, die nur kommt, wenn ich kurz vorm Explodieren bin.
"Lass mich EINFACH MAL AUSREDEN!" brüllte ich nun meinerseits. So, das musste mal raus. Puh! Und etwas ruhiger fuhr ich fort: "Ich will dir nur die ganze Zeit erzählen, dass ich dich nicht gegessen habe, weil..." "Jaaa?" fiel er mir wieder ins Wort. Der Topf brodelte jetzt und er interpretierte meinen Blick zum Herd wohl richtig. "Entschuldigung," murmelte er in seinen Aluminiumbart.
"... weil ich eine partielle Schokolade-Intoleranz habe." Erleichtert atmete ich aus. Jetzt war es draußen.
"Eine WAS? Sowas habe ich ja noch NIE gehört!" Er machte Kulleraugen. "Ist das was Schlimmes?"
"Nein, ist nicht schlimm. Das ist sogar gut, sonst isst man nämlich zuviel von dem leckeren Zeug! Und dann wird es schlimm, wenn die Klamotten nicht mehr passen." Ich lächelte verlegen.
"HA HA HA", dröhnte er auf einmal los. "Das ist WIRKLICH WITZIG!" Er kugelte sich auf dem Regalbrett vor Lachen, und mir fiel auf einmal ein schnelles Rezept für Rumkugeln ein. Das Schmelzwasser wäre jetzt ideal dafür..
Aber ich konnte der kleinen Nervensäge nichts zuleide tun. Und um meine Worte noch zu unterstreichen, ging ich zum Schrank, wühlte in dem Karton mit den Osterdekosachen und zauberte einen Schoko-Osterhasen hervor. Und zwar den vom BVB, der mir zu schade war, um ihn zu essen. Oh, und noch einen, der mindestens schon 5 Jahre alt war, der war aus Zartbitterschokolade.
Die beiden stellte ich jetzt zum Schokimann aufs Regal.
"Das haut den stärksten Nikolaus um!" staunte der. "Die sind ja nicht mal das kleinste bißchen angeknabbert!"
"Schokoladenintoleranz halt!" Ich zuckte mit den Schultern. "Hast du eigentlich einen Namen, Schokimann? Der nix mit Jesu Geburt zu tun hat, womöglich?"
Er schnaufte laut durch die Nase, ich hielt mir schon die Ohren zu. Konnte ich nicht einfach mal aufhören zu quasseln?
"Oh, ich vergaß ganz, mich vorzustellen. Mein Name ist Eduard, manche nennen mich auch Luise. Und ich war auch mal ein Osterhase!"
Jetzt war es an mir, die Kinnlade wieder hochzuklappen. Onkel Eduard und Tante Luise in Personalunion als Schokiweihnachtsmann, der nervt ohne Ende!
"Achwas" brachte ich, ganz loriot-like, nur noch hervor. Ich schaute sprachlos zu, wie Eduard-Luis sich bei den beiden Schoko-Osterhasis unterhakte und Richtung Haustüre aufbrachen.
"Danke für alles und auf Wiederrrrrrr....!"
"RRRRRRRRRRRRIIIIINNNNGGG" klingelte der Wecker. Schlaftrunken öffnete ich die Augen. Heute war eigentlich Samstag, aber ich wollte mit dem Frühjahrsputz anfangen, also dachte ich an den Spruch mit dem frühen Vogel, stand auf und ging in die Küche, um Kaffee zu kochen.
Mein Blick fiel auf das Regal ganz oben, das dringend abgewischt werden musste. Und dort schien mir irgend etwas zu fehlen.... ;-)

Liebe Grüße und frohe Ostern wünscht euch
das Copinchen! 

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