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Mittwoch, 12. Juli 2017

Endlich Urlaub Vol. I - Hurra, wir fahren mit dem Familienzoo ans Meer!

Wer kennt das nicht? Sommer, Sonne, schöne freie Tage auf dem Land, in den Bergen oder in einer Stadt, die man schon immer besuchen wollte. Durchgeplante Reisen mit Veranstalter oder einfach mal mit Bahn oder Auto hinaus ins Blaue.
Unsere Familie hat es eigentlich immer ans Meer gezogen, an die Küste von Deutschland, Belgien, den Niederlanden oder Dänemark. Dort erholen wir uns im allgemeinen prächtig; die Kulisse der gewaltigen Nordsee immer im Blick, in den Ohren oder zumindest in der Nase. Es ist so toll überall dort und als damals 14jährige Pferdeverrückte gab es immer etwas Besonderes zu erleben. Denn in den meisten Strandregionen gibt es Möglichkeiten, das Meer, den Sand und die Dünen auch vom Sattel aus zu erleben. Ein Wahnsinnsgenuss für jede/n Reiter/in!
So ergab es sich, dass wir im Sommer '84 in Dänemark auf der Insel Romo (direkt neben Sylt übrigens!) urlaubten und keine 20 Meter neben dem gemieteten Ferienhäuschen einen Haufen Pferdeäppel vorfanden.
Ich war sofort begeistert vom Urlaubsort, der auf den ersten Blick nicht unbedingt die totale Action versprach. Wir waren in diesem Jahr zum ersten Mal dort und es gab dort recht viel Gegend, die man ja später erst zu schätzen weiss! Mein älterer Bruder suchte auf der Hinfahrt schon so etwas wie eine Discothek, leider war auf den ersten Blick keine zu erspähen.
Zum erweiterten Entertainment waren wir übrigens mit 3 Hunden und einem Meerschweinchen unterwegs. Ohne meinen Schäferhund Axel war ich kaum zu bewegen, mit der Familie irgendwohin zu fahren. Axel war so ein feiner Kerl, den konnte man auch wirklich überallhin mitnehmen! Er war geradezu ein Ausbund an gutem Benehmen und folgte aufs Wort. (Im totalen Gegensatz übrigens zu) Schäferhündin Dolly, Omas Mischlingshündin Pinki und Meerschweinchen Bommel (ja, genau so eins wie das aus der Fernsehserie "Ich heirate eine Familie") komplettierten unseren Familienzoo. Tiere wegen Urlaub irgendwie im Stich zu lassen, war in meiner Familie stark verpönt. Was sich nicht wehrte, wurde mitgenommen und fertig. Und auch ein noch so überfülltes Bahnabteil wird ganz schnell mal gähnend leer, wenn man es mit 2 Schäferhunden und einer kläffenden kleinen braunen Fusshupe betritt! Natürlich waren alle Tiere außer Bommel (der reiste unter der Bezeichnung "Handgepäck") mit eigenen Fahrkarten ausgestattet, aber ich glaube, dass sich kein Schaffner dazu bereiterklärt hatte, diese auch zu kontrollieren. Wir hatten sie den Hunden nämlich dekorativ am Halsband befestigt. Leider gab es damals noch nicht so präzise Farbdrucker wie heutzutage. Die Fahrkarten wurden auch nicht gedownloadet, sondern ganz altmodisch am Fahrkartenschalter der Deutschen Bahn bestellt und am nächsten Tag mit guten Reisewünschen inklusive und Gruß an die Frau Großmutter (die den ganzen Spaß bezahlt hatte) feierlich übergeben.
Die Hunde reisten übrigens zum Kinderfahrtarif. Und nie werde ich die Diskussion meiner Oma mit einem Bahnangestellten am Schalter vergessen, warum nun Pinki mit ihrer eigenen Fahrkarte nun leider doch keinen Anspruch auf einen Sitzplatz hätte! Weil Oma und Pinki nämlich eine Weile zur Arbeit mit der Bahn gependelt sind, hatte die kleine freche braune Hündin sogar eine Monatskarte. Nur keinen Sitzplatzanspruch. Meine Oma rebellierte allerdings dagegen, dass Pinki unterm Sitz oder gar im Frachtraum reisen sollte. Sie hatte ihr Reisehandtuch, dass sie auf den Sitz neben sich legte, woraufhin Pinki munter hochhüpfte, sich sofort neben Frauchen einrollte und bis zum Zielbahnhof ein Nickerchen hielt. Sollte jemand es wagen, diesen Hündchenschlaf zu stören, womöglich sogar in Uniform, wäre Oma sehr ungehalten gewesen. Pinki war nun mal ihr ein und alles, als winzigen Welpen hatte sie sie adoptiert und uns gewarnt: "Die Mutter ist eine Dobermannhündin!" Was hatten wir einen Respekt vor dem nicht mal 3 Wochen alten Hundebaby, für den besagte Dobermannhündin nicht genügend Milch hatte und das daraufhin kurzerhand verschenkt wurde. Sie würde schon noch riesengroß und sehr elegant werden, hatte es bei der Übergabe geheißen. Wie ein richtiger Dobermann eben!
Pinkis Vater muss allerdings irgendein Pinschermischling oder sowas gewesen sein, dazu auch noch hellbraun statt dem rassetypsichen schokobraun oder gar schwarz. Und Oma wünschte sich einen Schutzhund, denn sie besaß ein Spielwarengeschäft und wäre gerne in Begleitung eines respekteinflößenden Rassehundes abends mit den Tageseinnahmen in der Geldbombe zur Sparkasse gegangen. Nun, die fehlende Größe machte Pinki mit einem Riesenego wieder wett! Da sollte es mal einer wagen, der Oma irgendwie quer zu kommen. Das Erbe des Dobermanns, gefangen im Körper einer schon eher verhätschelt zu nennenden Promendadenmischung, die eine Schulterhöhe von 27,5 cm nie zu überwinden imstande war. Die Geldbombe war in Pinkis Begleitung so sicher wie die Bank von England!
Und das war auch wichtig, denn Oma finanzierte unsere Sommerurlaube, weil sie gerne mit ihren Enkeln (und deren Tieren) verreiste und dafür bin ich ihr auch heute noch dankbar. Die Spendierhosen waren ebenfalls im Gepäck sowie jede Menge Erspartes von uns Kindern und die Begleitung der Hunde (und Bommel) gab uns ein umso sichereres Gefühl, dass wir nicht ausgeraubt würden.
Zurück zum Pferdeäppelhaufen ganz in der Nähe vom Feriendomizil: Das musste dringend ausgekundschaftet werden und so machte ich mich nebst Hund Axel auf Spurensuche. Und tatsächlich wimmelte es auf den Dünenwegen von Hufspuren und weiteren Hinterlassenschaften von Pferden! Ich konnte sie förmlich schon riechen. Und hinter der nächsten Düne stand auch schon ein Werbeschild vom "Rideheste pa Stranden" , also einem Reiterhof am Strand.

Ob Axel und ich fündig geworden sind, ob es tatsächlich zum ersehnten Strandausritt kam, ob mein Bruder eine Zappelhalle und Schäferhündin Dolly in den Dünen ein neues Hobby fand, das alles gibt es im nächsten Teil von "Hurra, Familienurlaub!"

Liebe Grüße
euer Urlaubs-Copinchen!

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