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Dienstag, 13. Juni 2017

Unter Strom oder nicht? Leben am Limit - ein Tatsachenbericht

Eins schon mal vorneweg: Wir hier in Deutschland, in Mitteleuropa sind echt wie total verwöhnte Bälger, die so gut wie alles haben und immer noch dauernd am rumnörgeln sind!
Das wurde wieder einmal auf dramatische Weise klar, als es am vergangenen Wochenende zum Ausnahmezustand kam: TV, Internet, Kühlschrank oder -Truhe, Handy aufladen, Kaffee (oder überhaupt irgendwas) kochen ist in deinem Haus momentan leider nicht verfügbar.
Der Grund: Der Haupt-FI-Schalter flog uns im Minutentakt um die Ohren. Aus unerfindlichen Gründen.
Ok, heute bleibt also die Küche kalt und der Bildschirm dunkel. Zum Glück findet sich im Wolkenkuckucksheim das eine oder andere Dekoteil aus batteriebetriebenen Leuchtelementen, damit man abends im Bettchen wenigstens noch das in solchen Fällen obligatorische Zweitbuch lesen kann. ;-) Vorher saßen mein/e VermieterIn und meine Wenigkeit noch eine ganze Weile draußen, uns gut unterhaltend bei der Gelegenheit, als der Mieter der Wohneinheit Nr. 4 des Gebäudes über uns hereinbrach.
(Anmerkung: Unter der Rubrik "Höllische Nachbarn" zeigt sich leider allzu deutlich, dass in dieser an und für sich hübschen Wohnung mit nettem kleinen Garten immer mal wieder unfassbar drollige Mitmenschen einmieten. Manche Geschehnisse haben wir tatsächlich immer noch nicht ganz aufgearbeitet. Aber that's life, wat willze machen. Irgendwie liegt wohl so eine Art Voodoo-Fluch auf der schicken Wohnung.)
Nach ein wenig Gebrabbel mit zunehmend aggressiver werdenden Unterton inklusive Alkoholfahne dämmerte mir: Ich soll wohl schuld sein an diesem unsäglichen Zustand, dass er jetzt nicht das Formel-1-Rennen auf ER-TEH-ELL anschauen kann, und außerdem würde soeben die Kühlkette der halben Sau mit Sattel, die er in seiner Kühltruhe frisch eingelagert hat, zum nächsten Gammelfleischskandal mutieren. Und das alles nur, weil ich dämliche Kuh den ganzen Tag arbeiten war, ohne den Stecker meiner übrigens relativ neuen Kaffeemaschine vom in letzter Zeit eher fragilen Stromnetz zu entfernen. Also echt, wie kann man nur so doof sein!
Hm. Tatsache ist: Es kam in letzter Zeit immer mal wieder zu einem Ausfall des FI-Schalters, besonders gern wochenends,  und wir waren schon seit geraumer Zeit mit vereinten Kräften auf der Fehlersuche. Das heisst: Stecker rausziehen, Sicherung wieder einlegen, Geräte wieder einstöpseln und schauen, bei welchem Teil die Sicherung wieder fliegt. Leider relativ erfolglos. Sogar der Heizkessel mit der Therme war schon heruntergefahren worden, wodurch es zusätzlich auch nur noch sehr laulauwarmes Wasser gab.
Alles kein Problem, für einen überschaubaren Zeitraum, finde ich. Laulauwarm duschen ist gar nicht so schlimm. Im Sommer. Mit Haarewaschen. Andere haben gar kein warmes Wasser zur Verfügung.
Herr K. aus Wohneinheit 4 sah das mittags noch ganz genauso, mit steigendem Alkoholpegel empfand er es aber zunehmend als "unzumutbar" und "Grund für eine saftige Mietminderung" und außerdem gehe sein "ÜberTausendEuroteures Smart-3Dfähiges ultraHD-TV-Gerät mit eingebautem Receiver" kaputt, wenn der Strom dauernd ausfällt. Insgesamt könne ich mich auf was gefasst machen, wenn der Fehler tatsächlich im Wolkenkuckucksheim zu finden sei. Die halbe Sau mit Sattel, bereits im Verwesungszustand befindlich, nicht zu vergessen. Also, Frolleinschn, sssiehdischmaganzwaamandoooh.
Ich nahm einen Schluck aus meiner Getränkeflasche, die trotz nichtvorhandener Kühlschrankleistung nach mehr als 7 Stunden immer noch gut gekühlt war und wies ihn auf diese Tatsache hin. Ruhig Blut, so schnell gammelt da nix.
Auch der Hinweis des Vermieters, dass er wegen meiner Abwesenheit nach dem endgültigen Ausfall der Hauptsicherung zum Testen in meiner Küche war (genehmigterweise), um meine sämtlichen Sicherungen einmal rauszunehmen und dann noch mal den FI zu testen, was dieser mit einem beleidigten KLACK quittierte, ignorierte Herr K. geflissentlich. Natürlich sei der Fehler in meiner Wohnung zu finden. Wo auch ssonnzzne?
Ich gab es auf. Mit Personen zu diskutieren, deren Blutalkoholspiegel temporär mehr als 2,6 Promille aufweist, ist pure Verschwendung von Lebenszeit. Genausogut könnte man versuchen, einer Kuh das Klarinettespielen beizubringen.
Dann schob er beleidigt ab, nachdem noch ein paar Versuche (genauso erfolglos) gestartet wurden, den FI wieder zum Funktionieren zu bewegen. Und mal ganz ehrlich: Wer würde an einem fortgeschrittenen Sonntagabend einen Elektriker rufen, wenn man nach nur einmal schlafen diesen Service auch ohne Wochenend- und Nachtzuschlag genießen könnte?
Sah er auch nicht ein. Die halbe Sau mit Sattel, das F1 (nicht FI) -Rennen und überhaupt und sowieso gehen vor.
Was machen eigentlich solche Leute, wenn uns mal ein Atomkraftwerk um die Ohren fliegt? Den ganzen Tag lamentieren im Luftschutzbunker?
Die Frage stellte ich ihm genau so und dann schob er beleidigt ab, um wenig später mit Hündchen an der Leine wieder an uns Draußensitzenden vorbei zu rauschen. Wortlos.
Während ich das hier verfasse, drängt sich mir die Frage auf, wer eigentlich hier der größere Krisenherd ist: Der Nachbar oder doch die Tatsache, dass ich mir morgen früh vor der Fahrt zur Arbeit keinen frischen Kaffee aufbrühen könnte? Gute Frage!
Mein Handyakku piepste schon länger nach einem Ladevorgang. Ich schaltete es aus und dachte nicht länger drüber nach. Mit meiner LED-Dekoleuchte und 'ner frischen Batterie ging ich zu Bett und schmökerte im Zweitbuch, von denen ich mindestens 100 Stück besitze. ;-)
Der bezaubernden Jeannie machte es übrigens Nullkommanix aus, ob es Strom im Haushalt gibt oder nicht. Sie spielte munter noch ein Weilchen mit einer für sie aufgelesenen Vogelfeder, frass ein paar Bröckchen Futter und legte sich dann ebenfalls zum Schlafen nieder. Zufrieden schnurrend.
Wären wir doch alle ein bißchen mehr wie die bezaubernde Jeannie und etwas weniger wie der - sagen wir mal, etwas angeschickerte - Nachbar aus Wohneinheit Nr. 4!

Liebe Grüße (und an diesem Blogpost seht ihr ja, dass alles wieder einwandfrei funktioniert! Hurra!)
Euer Copinchen!

PS.: Und nun ratet mal, wo der am Montagmorgen eiligst herbeitelefonierte Elektriker den Fehler fand? Soviel verrate ich: Nicht im Wolkenkuckucksheim! :-)

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