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Mittwoch, 14. Dezember 2016

Advents-Adventure Vol.IV - Vier Wände und ein Einohriger!

Was bedeutet "Freiheit"? Ist es ein Zustand oder nur ein Gefühl? Verantwortung für sich und/oder andere übernehmen, die dann wiederum nicht mehr ganz so frei sind? Selbstbestimmung?
Freiheit ist etwas, worum es sich zu kämpfen lohnt. Jederzeit und überall.

...und so geht die Geschichte weiter:

Mein Bruder und ich saßen völlig verstört in unserem Transportkorb, das gerade Erlebte musste erstmal ein wenig sacken. Immerhin hatte man uns ein wenig von dem köstlichen Futter hingestellt, aber mal ganz ehrlich: Uns beiden war der Appetit gründlich vergangen, Wir starrten die Gittertüre an, als wollten wir sie hypnotisieren, auf dass sie einfach so aufspränge und wir zurück zu Mama laufen konnten. Aber den Gefallen tat sie uns leider nicht.
Wieder Motorengeräusche, wieder ein- und ausladen, wieder das schwankende Gefühl des Getragenwerdens. Es wurde einfach nicht besser und es kam mir mittlerweile vor wie ein Alptraum. Vielleicht lagen wir ja doch am kuscheligen Bauchfell von Mama und träumten all' dies einfach nur? Wie schön wäre es, einfach wieder aufzuwachen und alles wäre wie immer!
Mein Bruder schien genauso zu empfinden und rückte noch näher an mich ran, schloss die Augen und maunzte leise, wohl in der Hoffnung, dass Mama ihn gleich am Schlafittchen packen und in unseren Unterschlupf tragen würde. Hach, er war noch so babyhaft, ein bißchen unselbstständig und auch noch kleiner als ich. Mama hat ihn am liebsten gehabt, weil sie ihn immer an die beste Zitze schob, ihn am ausführlichsten abgeleckt und ihm am ausdauerndsten beschnurrt hatte.
Ich wiederum war dann wohl das "Bad Girl" des Wurfes. Immer sah ich ihre vorwurfsvoll angehobene Augenbraue vor meinem geistigen Auge, wenn ich mal wieder eine Mäusejagd durch Herumzappeln verdorben oder einfach auch nur einem Geschwisterchen eine mit der Pfote gelangt hatte, weil ich auch mal an eine der vorderen Zitzen wollte, die am Ergiebigsten zu sein schienen. Ihr leises Knurren machte mir sehr bald schon klar, dass ich nicht gerade ihre Traumtochter darstellte. Natürlich war sie immer um mich herum, als ich noch kleiner war und kümmerte sich vorbildlich um mich, aber halt immer mit dieser leisen Missbilligung in Gestik und Mimik.
Mein Bruder begann plötzlich laut zu schnurren und wie alle Katzenfreunde wissen, ist das nicht unbedingt ein Ausdruck von Wohlbehagen, sondern auch von Stress und Angst, gerade bei jungen Katzen. Das soll das Gegenüber besänftigen, egal ob es sich um einen sichtbaren oder um einen imaginären Gegner handelt. Es setzt auch instinktiv ein, wenn eine Situation schwer einzuschätzen ist und ein mulmiges Gefühl auslöst.
Unser Korb wurde wieder aus dem Auto gehoben, es folgten ein paar schwankende Meter und nun endlich wurde er abgestellt und die Decke gelüftet. Wir hatten wieder freie Sicht auf die Aussenwelt!
Und wir wären ja keine Jungkätzchen, wenn wir nicht extrem neugierig auf diese neue Umgebung wären, oder? Vielleicht geht es ja gleich wieder raus in die Freiheit!
Aufgeregt kaute ich an einer Vorderkralle, mein Bruder versteckte sich hinter mir, und beobachtete wieder das Gittertürchen. Diesmal kamen keine Tentakelfinger herein, es lauerte keine Weisskittelzweibeinerin auf uns, und es würde wohl auch nicht wieder gepiekst werden. Hurra! Die Finger machten sich am Gittertürchen zu schaffen und nach einem endlos lange scheinenden Moment sprang das Ding tatsächlich auf. Aufgeregt sträubten sich mir die Nackenhaare und auch die auf dem Rücken. Das ist immer ganz gut, weil man dann größer und kräftiger wirkt, denn: Es roch nach Katzen! Vielen anderen Katzen!
Waren wir wieder zurück in der Kolonie? Würde Mama um die Ecke hocken und auf uns warten? Gleich würden wir es wissen!
Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen und tappte aus dem Transportkorb heraus, den Bruder im Schlepptau, und gleich blickte ich in das getigerte Gesicht eines mächtigen Katers, der direkt auf uns zukam. Ich blieb stehen und schaute mich blitzartig um. Das war auf keinen Fall unser Zuhause!
Der Boden war warm und weich, es lagen Plüschmäuse und Bällchen herum und mittendrin ein langer Stofftunnel, der ziemlich mitgenommen aussah. Und nun nahm ich auch wahr, dass wenigstens 10 Paar Katzenaugen auf uns gerichtet waren, die einen gleichgültig, die anderen interessiert und einige auch eher unfreundlich.
Und das schlimmste: Um uns herum waren vier Wände und eine geschlossene Tür! Wir konnten gar nicht raus in die Natur, in die Freiheit, in unser Zuhause.... wir waren gefangen.
Der große Tiger war stehengeblieben und gab uns Zeit, uns zu orientieren. Sein Blick war nicht unfreundlich, sondern eher gutmütig. Als mein Blick schließlich länger auf ihm hängenblieb, fiel mir auf, dass er nur noch ein Ohr besaß, seine Nase hatte komische Flecken, es fehltem ihm fast sämtliche Schnurrhaare bis auf ein paar Stacheln und das vorhandene Ohr wies ebenfalls Risse und Zacken auf. Außerdem war sein Schwanz unnatürlich abgeknickt und er hinkte. Denn jetzt setzte er sich wieder in Bewegung und kam auf uns zu, eine Hinterpfote kaum belastend.
Fast wäre mein Brüderchen bei diesem abenteuerlichen Anblick eines Artgenossen unter mich gekrabbelt, um sich zu verstecken. Weil dies aber nicht klappte, versuchte er mit einem Satz in den Rascheltunnel zu türmen. Nur raus aus dem intensiven Blick aus den blitzgrünen Augen des Tigers!
Ich für meinen Teil hielt diesem Blick stand, ich schaute zurück, bis ein Fauchen und Rascheln mich zusammenzucken ließ. Der Tunnel war schon besetzt und mein Brüderchen wurde quasi im hohen Bogen rausgeschmissen!
"So läuft das aber nicht, Gringo! Ich hab hier reserviert, hömma!" rief eine empörte Katzenstimme aus dem Plüscheingang des Tunnels. Es folgte ein Stoffbällchen und ein langgezogenes Fauchen und mein Bruder versteckte sich nun unter meinem buschigen Schwanz und wimmerte leise.
"Psst! Die tun dir nix!" versuchte ich zu beschwichtigen, aber der Kleine zitterte am ganzen Körper. Soviel Gegenwind war er einfach nicht gewohnt!
Der Tiger schaute nun nicht mehr freundlich, sondern eher amüsiert auf uns herunter. Er war sehr groß und hatte plüschiges Fell und davon viel. Er hob eine Pfote, rieb sich damit über die Lefze und kam noch näher. Seine erst starren Augen verzogen sich nun ebenfalls zu einem Grinsen, was mit seinem einzelnen Ohr wirklich skurril wirkte.
"Halloo", sagte er plötzlich mit einer wahnsinnig tiefen Stimme. "Ihr seid aber wirklich zu niedlich, ihr zwei. Niedliche kleine schwarze Kätzchen."
Er versuchte nun, einen Blick auf meinen Bruder zu erhaschen, der mit fest geschlossenen Augen laut schnurrend unter meinem Hinterbein verharrte.
"Niedliche kleine ängstliche schwarze Katzen!" brummte der Tiger nun.
"Ich habe keine Angst vor dir!" behauptete ich plötzlich mit fest klingender Stimme und ließ nun ebenfalls meine Augen aufblitzen. Auch wenn dem ganz und gar nicht so war. Aber wenn Mama mich eins gelehrt hatte, dann war das: Tapfer sein oder zumindest tapfer erscheinen.
"Huch!" machte der Tiger etwas spöttisch. "Eine kleine Revoluzzerin." Es folgte eine kleine Kunstpause und dann: "Ihr seid wirklich ein niedliches Gespann. Aber klein. Sehr klein sogar. Aber das macht nichts."
Dem amüsierten Gesichtsausdruck folgte nun ein sehr langsames Blinzeln. In der Katzensprache heisst das: Du bist ok, ich mag dich. Es ist ein Lächeln auf Katzenart.
Natürlich erwiderte ich das Blinzeln, auf die gleiche Weise. Mit dem Hinterbein schubste ich meinen Bruder hervor: Er wird uns nicht fressen, komm raus und blinzele ihm gefälligst auch zu, Kleiner!
So kam es, dass wir unter den Blicken der gesamten Katzenbande mitten in einem Zimmer (meh!) saßen und mit einem verwegen ausschauenden Riesenkater mit Wuschelpelz Blinzeler austauschten.
Würde dieses Ereignis unsere Situation entscheidend verbessern? Wo waren wir überhaupt gelandet und was würde als nächstes passieren? Und wo waren eigentlich diese Zweibeinerinnen hin, die uns das hier erst eingebrockt hatten?
Fragen über Fragen, die wohl in der nächsten Folge vom Advents-Adventure sicherlich einige Antworten finden würden!
 Bleibt gespannt, es geht bald schon weiter!

Liebe Grüße
eure Revoluzzer-Jeannie!


Was kommt denn heut' abend im Fernsehen?



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