.

.
.

Dienstag, 20. September 2016

Tollpatsch-Trainings-Tagebuch: Wiener Schnitzel oder Leberwurst?! *Grummel*

Aufgeregt sucht Romi das kleine Wäldchen neben Koppel und Reitplatz mit Augen und Ohren ab, hebt witternd die Nüstern in den Wind. Ja, als Herdenchef hat man nun mal Verantwortung! Und ein Abtrünniger raschelt durch das kleine Waldstück, ist eben durch die Zaunlitze entkommen, statt auf seiner Koppel zu stehen. Und nein, die Rede ist hier nicht von Mäxchen, dem Shetty, dessen Rasse ja geradezu prädestiniert für solche kleinen Ausflüge ist. Nein, das drei Monate alte Bullenkalb, das ich für mich seit neuestem "Wiener Schnitzel" nenne, ist einfach abgehauen!
Romi bietet mit seinem edlen arabischen Anteil im ansonsten westfälischem Dickschädelblut zwar einen prächtigen Anblick, wenn er so ein bißchen angespannt seinem neu erworbenen Cow Sense nachkommt, das relativiert sich aber, wenn man gerade draufsitzt und mit ihm trainieren möchte. Denn: Romis Aufmerksamkeit ist heute weniger bei mir und meinen reiterlichen Ambitionen, sondern er widmet sich beinahe ausschließlich dem Geschehen zwischen dem Gestrüpp und den Bäumen. Grrrrr!
Und das, wo alles in letzter Zeit so prima geklappt hat: Unfallfreies Spazierenreiten mit entgegenkommenden Erntemaschinen, die wir relativ gelassen passieren lassen konnten ( und auch die noch viel gefährlicheren Radfahrer, die sich immer so hinterhältig von hinten"anschleichen"!) das tolle Reiten mit dem Bitless Bridle, dem gebisslosen Zaum, der die reiterlichen Sinne für Gewichts- und Schenkelhilfen und Balance wieder neu erblühen lässt, unsere Arbeit an beinahe schon sehenswerten, wenn auch bei Romi nicht allzu beliebten Seitengängen bis hin zum Kurzkehrt. Und nicht zu vergessen Romis Lieblingslektionen in der Galopparbeit mit einfachen Wechseln, Außengalopp und immer kleiner werdenden Volten mit Stellung und Biegung.
Und wenn man sich auf der Fahrt zum Stall schon auf die Fortsetzung dieses Trainings freut, tja.... dann kommt einem "Wiener Schnitzel" in die Quere und Romi passt wie ein Schießhund auf, ob und wann er wiederkommt. Immerhin ist er nun schon gut eine halbe Stunde außerhalb, der muss doch langsam mal... oha, da ist er. Dicht am Zaun raschelt es und die kleine Silhouette erscheint zwischen Dornen und Zweigen. Er sucht die Stelle, an der er problemlos entweichen konnte, für seine Rückkehr quer über den Reitplatz. Na toll.
Romi ist nun riesengroß, prustet und ist bereit, loszurennnen, um das "Schnitzel" in seine Schranken zu weisen. Da kennt er nix, der große Herdenchef. Wo kommen wir denn da hin, wenn hier jeder macht, was er will und keiner, was er soll?
Was die Kalbsleberwurst nun machen soll: Ganz artig, still und leise über den Reitplatz schleichen, warten, bis ich das Tor zur Koppel geöffnet habe und dann aber ABMARSCH zurück zu Mutti, die ihn immerhin schon gerufen hat!
Was Romi nun NICHT machen soll: Losrennen mit angelegten Ohren und gefletschten Zähnen den kleinen Bullen vor das noch geschlossene Koppeltor jagen. Weil: Dann ist das Schnitzel direkt wieder up and away und der Spaß geht von vorne los. Und unser Training ist dann ganz beim Teufel, denn so schnell würde der kleine Refugee dann nicht wieder zurückkehren.
Also runter von Romi und mal energisch für Klarheit sorgen. Immerhin lässt der Fuchs sich von mir davon überzeugen, dass es so mit Sattel und Trense besser ist, einfach mal in einer Ecke ruhig stehenzubleiben und abzuwarten. Mein etwas biestiger Blick hat ihm anscheinend genügend imponiert, um jetzt nicht auch noch für Chaos zu sorgen. Denn der Minibulle scheint meine Mimik auch richtig zu interpretieren und läuft schnurstracks in die richtige Richtung. Ein Hoch auf meine Körpersprache! :-)
Schnell das Tor auf, "Wiener Schnitzel" mit einer einladenden Handbewegung zum Passieren auffordern, Tor wieder zu und tschüss. Und jetzt zahlt sich auch die Bodenarbeit im Winter und in den Verletzungspausen bei Romi aus: Wie angewurzelt ist er an dem ihm zugewiesenen Platz stehengeblieben! Hurraaa! Ich lade ihn ein, zu mir zu kommen und er reagiert prompt, so dass er sich glatt ein Leckerlie verdient hat. Und dann - nachdem er seine Miniherde durchgezählt und als "komplett" eingestuft hat - können wir ganz entspannt noch ein wenig an seinen Lieblingsübungen feilen. Und die klappen supergut mit einem wieder heruntergelevelten Romi, so dass wir uns auch noch auf den Wirtschaftsweg wagen können - nicht ohne die kleine Herde noch einmal durchzuzählen, natürlich. ;-)

Wir wünschen euch einen ebenso relaxten Herbstanfang!
Liebe Grüße
Copinchen und Romi (Tollpatsch und Herdenchef)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen