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Dienstag, 10. Mai 2016

Me and my car - bis dass der TÜV uns scheidet!

Ouhaouhaouha, war das ein Tag. Und eine Aufregung. Dabei ging es um diese wertvollen kleinen Aufkleber, der Wohl oder Wehe für Autobesitzer bedeuten kann:

To tüv or not to tüv, that is the question!

Und bei "Fury", meinem treuen vierräderigen Weggefährten mit Migrationshintergrund, gab es bisher keine Beanstandungen. Trotzdem hatte ich ein mulmiges Gefühl, denn Fury hatte in letzter Zeit eine seltsame kleine Angewohnheit: Er schlingerte ein wenig durch Kurven und beim Beschleunigen. Ich schob es auf die nicht mehr ganz so neuen Reifen, auf meine Fahrweise und/oder auf die Bodenverhältnisse.
So fuhr ich betont fröhlich bei der DEKRA-Station vor, um erstmal den Stand der Dinge abzuchecken.
 "Oh, ein Dacia!" stellte der Prüfer nach eingehendem Studium des Fahrzeugscheines fest.
"Jaaaa? Ist doch kein Problem, oder?" Sofort fielen mir sämtliche bösen Pannenstatistiken ein, die so durch die Fachpresse geisterten, um den Siegeszug des Sanderos auf deutschen Straßen einzudämmen. Dank der Abwrackprämie "tauschten" viele Altwagenbesitzer von Golf II, Polo und Co. ihr Vehikel gegen den unschlagbar günstigen Neuwagen aus dem rumänischen Pitesti ein. So auch ich. Fury war mein erster Neuwagen und ein großer Trost, als ich meinen geliebten Golf II mit fast 20 Jahren erlösen lassen musste. Außer dem 90 PS-Motor war so ziemlich alles kaputt und der letzte TÜV-Termin war eine Art letzte Ölung für den guten Golf. Aber das ist noch eine andere Geschichte..
"Neinnein, kein Probläm" oh, der Prüfer war auch ein Osteuropäer. Vielleicht ein Pluspunkt. Oder auch nicht. Mal abwarten.
 Es sah auch erst alles ganz gut aus, aber... so unterschiedliche Bremswerte an der Vorderachse? Hmmmm... Der eigentlich nette Prüfer runzelte mehr und mehr die Stirn und als er Fury dann auf die Bühne stellte, kamen wir dem seltsamen Fahrverhalten recht schnell auf die Spur!
Die Spur war nämlich das Problem. Fury konnte aufgrund eines Spurstangenschadens nicht mehr so richtig geradeauslaufen, er war quasi nicht mehr geradegerichtet, wie wir Pferdeleute es nennen würden. Und das so dramatisch, dass der Prüfer Fury beinahe gar nicht mehr auf die Straße lassen wollte! Ja, und wie soll man dann eine Reparatur (DRINGEND ERFORDERLICH!) durchführen lassen können?
Auf der Mängelliste standen dann noch ein paar Nebenkriegsschauplätze wie defektes Standlicht, leicht verstopfte Wischwasserdüsen und ein verstelltes Abblendlicht, nicht so dramatisch und leicht zu beheben. Und dann gab Fury seine letzten Geheimnisse auch nicht mehr preis und bockte. Vielleicht war er nun beleidigt wegen dem Wort "Straßenuntauglich", was leider fiel, und sorgte dafür, dass die Buchse für das Steuergerät nicht mehr funktionierte! Damit wird ja quasi das Herz des Autos ausgelesen und die ASU durchgeführt. Aber: Pustekuchen! Fury ging in den Schweigemodus und sämtliche Versuche, das geheime Innenleben des Sanderos auszulesen, schlugen fehl.
"Das Steuergerät funktioniert nicht", stellte der Prüfer fest.
"Huch, dafür kann ich aber nix!" reagierte ich erschrocken.
"Das kommt nicht oft vor", knurrte der zunehmend genervte Prüfer. Meine Weiberkarre schien ihm langsam auf den Keks zu gehen.
"Vielleicht ist bei der letzten Tachomanipulierung etwas schief gelaufen!" versuchte ich zu witzeln, was mir einen mehr als kritischen Blick aus Prüferaugen einbrachte. Ich beschloss, demütig auf das Ende der Prozedur abzuwarten. Vielleicht wäre ein charmantes Lächeln angebracher als ein frecher Spruch. Ups.
Resigniert nahm der Prüfer mir den Schwur ab, Fury nur noch bis zur nächsten Werkstatt zu bewegen, gab mir die Mega-Mängelliste in die Hand und knöpfte mir dafür auch noch fast 100 € ab. Ich hatte schon mehr Spaß dabei, einen Hunni auszugeben, aber das mal nur so nebenbei! Und es kamen ja noch mehr Kosten auf mich zu - das Schreckgespenst AUTOREPARATUR mit horrenden Abrechnungen, Fantasiearbeitszeiten und unauftreibbare Ersatzteile geisterten durch mein Hirn.
"Sie sind ja ganz blass", teilte der Prüfer mir mit.
"Ist das ein Wunder?" keuchte ich. "Andere liegen in der Sonne und ich bin hier in der dunklen DEKRA -Halle mit einem " - hier legte ich die Hand dicht an den Mund und flüsterte, damit Fury das Wort nicht mitkriegt "straßenuntauglichen Fahrzeug! Da kann man mal erbleichen!"
"Najaa, fahren Sie ihn in die Werkstatt - DIREKT! NICHT ERST NACH HAUSE ODER SO und dann stellen Sie ihn gleich wieder hier hin. Wird schoon", versuchte er mich jetzt zu trösten. Ich hatte ein paarmal meine extra sorgfältig getuschten Wimpern klappern lassen und in echt war mir nun auch schon zum Weinen zumute. Aber ich riss mich zusammen.
"Nur bis zur Werkstatt!" schärfte er mir nochmal ein.
"Jahaa, dann vielleicht bis später!" rief ich beim Hinauseilen. Fury wartete brav in der Parkzone. Ich fuhr ihn zu einer Werkstatt mit 3 großen Buchstaben, wo ich nur 200 m Weg hatte und war froh, dass der Verkaufsraum relativ leer war.
Der Fachmann hinterm Tresen sah meine Dekra-Mängelliste schon von weitem und erstarrte. Als ich ihm das Problem schilderte, oder besser DIE PROBLEME winkte er direkt ab. Heute wären alle Termine schon belegt und keine Mechaniker mehr frei usw. Alles das, was man in einer solchen Situation nicht hören möchte, zumal ich schon öfter Kundin bei denen war, auch mit meinen vorherigen Autos, und zumeist zufrieden mit Service und Umgangston war.

Ich sah meine Felle davonschwimmen. Ich war 14 km von zuhause entfernt mit einem (psssst) straßenuntauglichen beleidigten Fury, und keiner wollte oder konnte mir helfen. Tränenschwanger setzte ich mich in meine Sandrine und hörte ein wenig leise Musik. Wenigstens die Anlage tat's ja noch....

Und was sich weiter rund um die TÜV -Plakette getan hat, das berichte ich beim nächsten Mal! ;-)

Mit straßenuntauglichen Grüßen *grins*
euer Copinchen und Fury, der blaue Blitz!


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