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Mittwoch, 9. Mai 2018

Musikworkshop 2018 - So schön, schön war die Zeit!

Leute, was war das wieder herrlich! Mitten im Maisommer mit Temperaturen bis zu 30 Grad Celsius versammelte sich einmal mehr eine Meute von Musikbegeisterten, wie ich es ja auch bin, in einer kleinen Sporthalle mitten im nördlichen Münsterland. Das Ziel: Ein besonderes Programm für ein 50-Jahre-Betriebsjubiläum zusammenzustellen. Besonders ist es nicht nur, weil es sich um ein Gemeinschaftsprojekt von MusikerInnen und Tänzerinnen mit und ohne Behinderung handelt, sondern weil sich wirklich für jede/n ein Plätzchen findet, um tatkräftig mitzuwirken!

Professionell angeleitet wird der Musikworkshop von sowohl jahrelang banderfahrenen und/oder professionellen MusikerInnen und Sporttherapeutinnen und es ist jedes Mal eine Herausforderung für alle, denn es ist wirklich eine bunte Truppe, die sich hier jedesmal direkt nach Herausgabe der Ausschreibung anmeldet. Es wird gesungen, getanzt und getrommelt, in einer Band gespielt und ausnahmslos jedermann und -frau macht hier voller Elan über die gesamte Distanz von 3 Tagen mit, ohne Ermüdungserscheinungen zu offenbaren. Die "Chefin" vom Dienst ist übrigens die Sängerin und Musikpädagogin Bea Nyga aus Köln, die - selbst im Rollstuhl sitzend - mit ihrer positiven und wirklich hinreißend humorvollen Art imstande ist, jeder Person im Raum innerhalb von wenigen Sekunden ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Ich gebe zu, ich bin ein absoluter Fan von Bea, deren konstruktive Kritik sofort Wirkung zeigt, aber immer mit einem charmanten Spruch garniert auch garantiert im Gedächtnis kleben bleibt.

Es wurde im Hintergrund fleißig getextet, transponiert und dann am Feintuning gefeilt und schließlich ein Programm auf die Beine gestellt, dass immer zu einem guten Teil aus den Ideen und Eingebungen der Teilnehmer lebt. Mit ihren äußerst lebendigen "Mitmach-Songs" schafft sie es außerdem, dass niemand einfach auf seinem Stühlchen in der Kennenlernphase kleben bleibt, sondern ruckzuck eine tolle, vom Gemeinschaftsgefühl geprägte Atmosphäre entsteht, die über die Dauer des Workshops durchgängig bestehen bleibt.

Es wurde neben der lockeren Atmosphäre allerdings auch hart gearbeitet, und zwar an Songs und Performances aus so ziemlich allen Epochen der jüngeren Musikgeschichte. Ich nannte es vorhin mal scherzhaft "So schön war die Zeit - Das Musical" und es war tatsächlich ähnlich aufgebaut! Mit Bezug auf das 50jährige Bestehen der WfbM als Ausrichter wurden 3 Strophen gefertigt, die immer wieder unterbrochen wurden von Rock-, Pop- und auch Schlagerklassikern, die aber nie den Bezug zum Hauptthema verloren. So wurde z.B. aus dem Kinderlied von der Biene Maja eine Hommage an die Insel Baltrum (Ziel vieler Freizeiten und Lehrgängen der WbfM mit eigener Immobilie) und auch John Denvers "Country Roads"sowie  die "Straße nach Amarillo"  kündeten von Fernweh und Reiselust in der bevorstehenden Urlaubszeit. Original belassen als eine ziemlich harte Nuss entpuppte sich Mark Forsters "Chöre", gesungen von einem autistischen Zufallsteilnehmer, der die Bandprobe durchs offene Fenster mal zufällig mitgehört und aus dem Kopf tonrein und auswendig mitgesungen hat inklusive der bewundernswerten Tatsache, dass M. den Song auch vor den geladenen Gästen und Publikum einfach mal so vorgetragen hatte. Wir von der Band haben ihn sehr gerne dabei begleitet und alles gegeben, ihm Sicherheit zu geben und das hat sofort funktioniert. Mit Keyboard, Schlagzeug, Trompete, Bass und Akustikgitarren sowie der Percussion-Abteilung wurde M. optimal unterstützt, denn es wurde ein voller Erfolg. Forster, zieh dich warm an, denn M.'s wunderbar samtige, aber energische Stimme hat jeden sofort in seinen Bann gezogen! Und beim Refrain "Und die Chöre singen für dich" hat alles, was in der Halle Stimmbänder besaß, richtig Gas gegeben und gegroovt und er wurde dann auch circa 100x wiederholt. Ein Mega-Gänsehaut-Moment! ;-)

Meine Wenigkeit wurde zur Zugabe mit meiner Duettpartnerin T. ebenfalls ins Rampenlicht gezerrt, obwohl wir eigentlich nur Bea in einer Pause mal unsere Version von Simon & Garfunkels "Sound of Silence" zur gnadenlosen Beurteilung vorgetragen hatten. Da machste das einmal und ratzfatz biste Teil des Programms, sozusagen als Schlussakkord für die leiseren Töne! Sie fands wohl nicht so schlecht! Wir gaben also nochmal alles mit Gesang und nur meiner Gitarre und nachdem es währenddessen mucksmäuschenstill im Saal wurde, brandete nach dem Schluss-A moll ein orkanartiger Applaus auf, der mir nicht zum erstenmal heute die Tränen in die Augen trieb, und das nicht nur, weil das schon wieder das Ende einer Workshopwoche darstellte. Sondern weil ich mich getraut habe, vor Leuten, die ich gar nicht kenne, etwas vorzutragen. Heißen Dank an die tolle T. für diesen wunderbaren Moment! Und nicht nur deshalb "Heiss", weil die Raumtemperatur sich wohl so langsam dem Siedepunkt annäherte.. ;-)
Gelernt habe ich an diesem Tag nicht nur von den Coaches und der Chefin Bea, sondern vor allem von M., der das ja auch einfach so mal wunderbar hinbekommen hat. Auch dafür bin ich ihm mehr als dankbar!

Und wo ich gerade beim Bedanken bin: Einen ebensolchen  an die Initiatoren und ausführenden Menschen des Workshops und auch ausnahmslos allen TeilnehmerInnen und die phantastische Bea Nyga nimmt einen musikalischen Gruß aus meiner Feder (=Tastatur) mit nach Kölle... zu der ihr wohl bekannten Melodie von "Superjeile Zick"!

Hier noch der Link zu Beas Homepage, zum Stöbern und vielleicht auch selbst mal erleben!   https://www.bea-nyga.de/category/ueber-bea/

Sonntag, 29. April 2018

Wartezimmer from Hell: Schöne neue Welt!

Tja, wenn man so ausgeliefert in einem Wartezimmer beim Zahnarzt sitzt, schießen einem ziemlich viele Gedanken durch den Kopf, aber einer überlagert sie alle mühelos. Und der brüllte mittlerweile durch meine Hirnwindungen: "WANN BIN ICH ENDLICH DRAN UND WERDE MEINE SCHMERZEN LOS?" Und direkt dahinter her: "SOS! MAYDAY! HOLT MICH HIER RAUS!" denn der kleine Max bekam nun langsam, aber sicher seine 5 Minuten des Rabaukentums. Längst gab er sich nicht mehr damit zufrieden, mit der flachen Hand an die Wände zu klatzen oder den Matchboxautos eine neue Funktion als Flugobjekte zu verleihen. Nein, nun bekam er auch noch Hunger und die draußen brausende Kirmes bot ja so einiges an Leckereien, gerade für die Kleinen.
"ICH WILL EIN EIS, MAMA!" tat er plötzlich mit kräftiger Stimme kund, dringend an seine Erziehungsberechtigte gewandt.
"Gleich, Schatz. Der Papa muss erst noch..."
"NICHT GLEICH! JETZT! SCHOKO UND VANILLE!" Mäxchen machte gleich Nägel mit Köpfen und gab seine Bestellung auf.
Die Mutter, immer noch in eine Ausgabe der "Landlust" vertieft, schien derlei schon gewöhnt, denn sie blickte nicht mal auf. Stoisch wiederholte sie ihr "Gleich, Schatz, der Papa muss erst.." um an gewohnter Stelle von den Forderungen des Youngsters unterbrochen zu werden. Respekt an die Geduld der Mittzwanzigerin, die hatte anscheinend Nerven wie Drahtseile.
So ging es noch ein wenig hin und her und Loriot hätte an der Szene seine helle Freude gehabt. Ich auch, wären da nicht diese pochenden Schmerzen mit Klopfen und Kieferklemme..
Die magische Tür öffnete sich jetzt wieder und ich hob so hoffnungsvoll den Kopf, als wäre ich eine Verdurstende und jemand reichte mir die letzte Cola vor der Wüste. Aber nein, ein weiteres Frau-Kind-Gespann betrat das Wartezimmer und nahm Plätze ein. Hier handelte es sich aber offenbar bei dem blondschopfigen Jungen um den Patienten, denn er hielt sich die Wange. Die Dame war wohl auch nicht die Mutter des Jungen - ich nenne ihn jetzt mal Moritz - denn sie telefonierte hektisch und gestresst mit wohl eben dieser. "Die Gesundheitskarte hast du.. ja... wann geboren? Ach ja stimmt.... ach, das wird schon nicht so schlimm sein... was? Nee, der sitzt hier neben mir...sind noch 3 vor uns, ja... ja.... das kann noch ein bißchen dauern..... Ok, wir sehen uns. Tschau!"
Hm, dieser Moritz schien das genaue Gegenteil vom Max zu sein. Leise und bleich saß er still auf dem Kinderstühlchen, schüchtern wagte er gar nicht, irgend etwas anzufassen. Während Mäxi immer noch lauthals sein SchoVani-Eis forderte.
Kam ich aus diesem Vorhof der Erziehungshölle jemals wieder heraus? Oder irgendeiner von diesen Personen? Mir kam der Song von den Eagles in den Sinn, Hotel California, und besonders die Textzeile "You can check in every time you want, but you'll never leave..." Ja, willkommen beim Zahnarzt California, mitten in einer bekirmesten Kleinstadt im nördlichen Münsterland. Loriot würde mittlerweile wohl ausrasten vor Begeisterung, würde er noch unter uns weilen.
Das Muttertier schien nun endlich mit der April-Ausgabe der "Landlust" durch zu sein und plötzlich funktionierten ihre kognitiven Fähigkeiten wieder. Sie sprang auf, reichte dem Sprößling seine Jacke und verließ eilig das Wartezimmer. Mit ihm, was ich als sehr wohltuend empfand! Hach! Endlich Ruhe im Saal!
Tja, das dachte ich jedenfalls, denn auf einmal schien sich Moritz an seine Sprache zu erinnern und nörgelte los: "Dauert das noch lange? Mir ist laaaangweiliiig!"
Oh nein, nicht der jetzt auch noch.
Die Dame schob ihm ein Bilderbuch hin. Das gute alte Bilderbuch würde augenblicklich wieder für Ruhe sorgen. Ein Hoch auf..
"Ach maaa. Das kenn ich schon", begehrte der Blondschopf auf und das wiederholte sich bei allen 4 vorhandenen Bilderbüchern. Offenbar saß Moritz öfter in Wartezimmern herum.
Auf einmal hatte die Dame eine ganz grandiose Idee: Sie tippte was auf ihrem Smartphone ein und plötzlich brachen Bagger, Maschinengewehre, Silvesterraketen und Hubschrauber über das kleine Wartezimmer herein. Meine unbegeisterte Mine dazu wurde konsequent ignoriert. Was zum Teufel...?
"WILLKOMMEN ZU EINER NEUEN EPISODE VON 'LEGOLAND IST ABGEBRANNT' auf YOUTUBE. GLEICH GEHTS WEITER NACH EINER KURZEN WERBEUNTERBRECHUNG!"
Das träume ich doch jetzt nur, oder? So wie diese gesamte Zahnschmerzsache doch eigentlich nur ein Alptraum sein kann. Oder? ODER?
Nein. Es ging nach der kurzen Werbeunterbrechung weiter mit dem abgefackelten Legoland, und zwar in voller Lautstärke. Hatte die Dame noch nichts von der segensreichen Erfindung der Ohrstöpsel gehört, die man in einem solchen Fall gerne verwendet? Zur Schonung der noch nicht abgeburnten Umwelt?
Anscheinend nicht, denn sie widmete sich nun in aller Gemütsruhe der Lektüre einer Ausgabe von .. na ratet mal... richtig: Der Landlust.
Nach weiteren 3 Folgen von "LEGOLAND IN GEFAHR" fand sich auch Mäxchen mitsamt Mutter und einem Rieseneis Schoko-Vanille wieder im Wartezimmer ein.
"OH GEIL, JUTJUP-LEGOLAND! MAMA, MACH MA MEIN TABLET AN!"
Und so kam es, dass ich simultan in den Genuss von 2 verschiedenen Episoden von "LEGOLAND IST ABGEBRANNT" kam und ich weiss gar nicht, welche mehr in meinem Schädel dröhnte. Immerhin hielten Max & Moritz derweil die Klappe und als ich ENDLICH ins Behandlungszimmer gerufen wurde, warf mir die Sprechstundenhilfe einen vielsagenden Blick zu.
"Schöne neue Welt, nich?"
Ich nickte bejahend, bevor ich mich in den gefürchteten Stuhl des Zahnarztes begab. Heute aber kam er mir vor wie der Himmel auf Erden.

Mittwoch, 18. April 2018

Das Wartezimmer from Hell - Kirmes innen und außen!

Wenn man von doch recht starken Schmerzen geplagt wird und auch nicht gerade eine ruhige Nacht damit verbracht hat, wenn man sein Gesicht immer stärker anschwellen sieht, feste Nahrung zum Schreckgespenst wird und nicht nur deshalb irgendwie schlechte Laune hat, dann sehnt man sich nur noch danach, dass es endlich aufhört. Aufhört zu puckern und zu pochen, zu schmerzen und zu nerven und dass es einfach wieder so wird wie vorher.
Mit einem Gewissen, das noch schlechter ist als ein Liter Milch, der tagelang in der prallen Sonne stand, erinnere ich mich daran, dass ich im letzten Jahr einen Termin zur Entnahme des nun stark marodierenden Weisheitszahnes aus - ja, aus Feigheit, aus Angst eben - platzen ließ, mit einer eher fadenscheinigen Begründung. Damals war es auch nicht so schlimm gewesen und ich dachte, noch ein paar ruhige Jahre mit ihm gemeinsam verbringen zu können. Dass das blöde Ding so undankbar ist und mir heute die Hölle so heiss macht - wer konnte das denn ahnen? Ok, mein Zahnarzt vielleicht..
Egal. Ich bin im Hier und Jetzt und nachdem ich einen Parkplatz fand, den ich auch nach einer Tortur bestimmt wiederfinden würde, begab ich mich in die Notfallpraxis. Freundlich wurde ich begrüßt, eventuell ein wenig bedauert und zum Warten ins gleichnamige Zimmer geschickt. Drei Patienten, teils mit, teils ohne Begleitung harrten hier schon der Dinge und ich setzte mich brav auf ein Stühlchen, hoffend, dass das hier jetzt ratz-fatz ginge mit der ruhebringenden Erlösung. Denn Ruhe war das zweite, nach dem ich mich sehnte - einfach nur Ruhe haben und einigermaßen schmerzfrei sein. War das denn zuviel verlangt?

Ja, war es. Denn mit der Ruhe war es nicht weit her! Das wurde schlagartig klar, als ein Patient, der seine Kleinfamilie zur moralischen Unterstützung dabei hatte, das Zimmer Richtung Behandlungsraum verließ. Ein kleiner Junge mit Undercut-Frisur nebst seiner jugendlichen Mutter waren wohl Garanten dafür, dass jetzt gleich das Entertainment-Programm losgehen würde. Allerdings nicht das für die leidgeprüften Patienten, sondern eher das für den kleinen Jungen.. ach, ich nenne ihn jetzt einfach mal Max, der Einfachheit halber.
Während man selber als Kind in Wartezimmern immer dazu angehalten wurde, ruhig zu bleiben und anderen Menschen nicht auf den Keks zu gehen, und sich auch weitestgehend daran hielt! - scheint diese goldene Regel stark an Gültigkeit eingebüßt zu haben. Denn - ich ahnte es bereits im Vorfeld - Max hatte jetzt schon keinen Bock mehr, brav mit seinem mitgebrachten Tablet Counter Strike oder ähnlich Wertvolles für Kiddies um die vier Jahre zu zocken. Wenn ich nochmal zurückdenke, waren für Jungs in dem Alter immer Spielzeugautos, Bauklötze und Bilderbücher interessant, aber bloß keine Unordnung in die Spielecke bringen! Für uns Mädels gab es Teddys und Püppchen zum Spielen oder auch mal ein einfaches Puzzle und rosafarbene Bilderbücher ohne Actionhelden. Selten wurden diese Dinge allerdings exzessiv benutzt, denn sie sahen immer aus wie ladenneu und weilten geordnet in einer bunten Kiste, die auch als Notsitz diente, auf ihre Einsätze. Meist saßen wir Kinder doch still und fromm neben unseren Erziehungsberechtigten, denn wir sollten ja niemandem auf den Keks gehen...
Aber die Zeiten haben sich geändert. Das musste ich heute einmal mehr feststellen, als Klein-Max so langsam, aber sicher zu Hochform auflief. Jetzt schubste er die Spielzeugautos carambolageartig vom Kindertischchen und verlangte nach einem Eis. Draußen sei ja schließlich Kirmes, und er müsse hier drinnen darben und auf seinen mutmaßlicheen Erzeuger warten.
Kurzum: Mäxchen quengelte und fing derweil an, mit den Händen lautstark gegen die Regipswände zu klatschen, um seinen Bedürfnissen mehr Nachdruck zu verleihen.
Für eine weitere wartende, wahrscheinlich zahngepeinigte Dame und für mich, die gerade ihre eigene Kirmes im linken hinteren Unterkiefer beherbergte, ein Grund, genervte Blicke gen Himmel zu senden.
Die zahlreich ausgelegten Zeitschriften interessierten mich schon nicht mehr, denn ich konnte mich auf kein geschriebenes Wort mehr konzentrieren, Ein Wunder, dass ich die Autofahrt hierher schon schadlos überstanden hatte, denn meine Fahrkünste waren bereits nach 3 Minuten auf ein Mimimum beschränkt! Die Schmerztabletten, dich ich mir in der Nacht schon eingepfiffen hatte, taten ihr übriges, nur eins nicht mehr: Schmerzen lindern.
Die Mutter des Mäxchens, der mittlerweile dazu übergegangen war, selbige mit den heruntergefallenen Matchboxautos zu traktieren, machte indes einen eher ruhigen Eindruck. Sie schien derlei gewohnt zu sein und hatte bereits resigniert, denn sie studierte dabei scheinbar gelassen eine Ausgabe der "Landlust - das Magazin für Stil und Wohnkultur" aus dem ausliegenden Stapel. Stil und Wohnkultur ging diesem Wartezimmer derweil völlig ab.
Plötzlich öffnete sich die Türe der Hoffnung und die andere Dame wurde gerufen. Wie der geölte Blitz schoss sie der Sprechstundenhilfe hinterher, mich mit meinem Schicksal allein zurücklassend. Mäxchen konnte hingegen nicht anders, in die sich schließende Tür noch einen kleinen VW-Käfer zu werfen, traf allerdings nur die Glasscheibe. Nicht mal dieser Beinahe-Schaden brachte die Mutter zum Aufblicken und belustigt grinste ich in mich hinein und stellte mir vor, wie sehr sie sich wohl nach einem idyllischen Bauernhaus mit weißen Tischdecken, stilvoller Silberdeko und lindgrünen Vorhängen sehnen mochte. Ohne den zerstörerischen Sohnemann, womöglich.
Zwei Dinge würden mir das Leben nun spontan erleichtern: 1. Die Tür ginge auf und ich würde Mutter und Max nun meinerseits innerlich Adieu sagen dürfen oder 2. der Vater kehrte endlich aus der Kammer des Schreckens zurück, nahm Frau und Kind und alle zusammen stürzten sich ins bunte Treiben der Fahrgeschäfte und Losbuden und zu allererst zum Eismann, um Mäxens Hunger auf leere Kohlenhydrate zu stillen.
Eine Uhr hatte ich gar nicht dabei, aber es muss nun schon eine Stunde vergangen sein, seit ich mich still und introvertiert auf mein Stühlchen gesetzt hatte. Aus Gründen gab es auch keine Zeitanzeige im Warteraum. Hm.
Da! Die Tür öffnete sich. Möglichkeit 1. oder 2.?
Irrtum. Aber wenn ihr wissen wollt, welche Option sich nun auftat, dann lest euch auf jeden Fall die nächste Episode des Wartezimmers from Hell durch! ;-)

Sonntag, 15. April 2018

Das Wartezimmer from Hell - Wie alles begann!

Wir alle kennen das wohl leider: Man hat abends schon so ein seltsames Kribbeln in der unteren Gesichtshälfte und am Morgen dann die Bescherung. In diesem Fall leider kein Lottogewinn, sondern eine ziemlich deutlich angeschwollene Gesichtshälfte nebst ebensolchem Übeltäter, einem marodierenden Weisheitszahn. Natürlich nicht ohne epischen Schmerzhintergrund. Das zwiebelt und klopft und puckert!
Ein Blick auf den Kalender verrät mir: Mist. Es ist Samstag morgen and the weekend is just beginning. Na, das wird ja ein Spaß, denn der ganze Zirkus macht nicht den Eindruck, als würde mit einer Kompresse aus Kamille und Salbei direkt alles wieder gut. Selbst die zuverlässigen Schmerztabletten scheinen ohne Wirkung zu bleiben. Und der Montagmorgen ist noch weit! Zu HÜLFE!
Was also tun: Den zahnärztlichen Notdienst in Anspruch nehmen, natürlich. Und das so schnell wie möglich.
Es ist gerade einmal 7:42 Sternenzeit (weil ich vor Schmerzen Sternchen sehe, die um meinen Zahn der Weisheit zu kreisen scheinen). Also Internet an und recherchieren. Wer würde wohl als dienstbarer Geist zur Verfügung stehen, um mich von der Pein zu befreien? Vielleicht sogar mein neuer Lieblings-Zahndoc?
Das Internet preist auf den entsprechenden Seiten nur eine Service-Hotline für den Landkreis an. Mit einer Bandansage. Willkommen im Jahr 2018.
Die Dame teilt mir hiermit mit, dass ich mich auch für einen anderen Notdienst in einer anderen Stadt entscheiden könne, da in meiner Stadt sowieso kein Notdienst zur Verfügung stünde. Ich überlege genervt, wie weit mich meine Autofahr-Skills wohl noch bringen, wenn ich noch eine ganz kleine Schmerztablette einwerfe. Zunehmend genervt vernehme ich die Bandansagen-Dame, die mir eine Notfallpraxis im Nachbarort anpreist. Alternativlos, wohlgemerkt, obwohl es hier in der Gegend eigentlich eine wahre Zahnärzte-Schwemme gibt. Aber nur diese eine Nummer wird genannt. Ich wähle sie mit zitternden Fingern. Erwähnte ich eigentlich irgendwann schon einmal, dass ich eine Riesenangst vorm Zahnarzt habe? Und dann noch als Notfall!
Aber anders lässt sich der Zustand meines Unterkiefers leider nicht mehr beschönigend beschreiben. Es schmerzt wie Sau, klopft, schwillt immer noch mehr an und ich bekomme den Mund gar nicht mehr auf. Es fühlt sich ein bißchen an wie ein CD-Player-Schlitz am Autoradio, nur mit weniger Spielraum.
"Der gewünschte Gesprächspartner ist zur Zeit nicht erreichbar" , teilt mir eine andere, wesentlich strengere Computerdame mit. Ouha.
"Bitte versuchen Sie es später noch einmal!" raunzt sie weiter. Wäre ich ein Cocker-Spaniel, würde ich die Ohren hängen lassen bis auf den Fußboden. Da ringt man sich einmal durch, der Stimme der Vernunft zu folgen und eine Zahnarztpraxis aufzusuchen, bevor man vor Schmerzen explodiert, und dann sowas. Enttäuschend.
Ich beherzige den Tipp und versuche es später noch einmal. Und noch später und noch später und noch später auch noch mal. Und jedesmal verzweifle ich ein bißchen mehr. Komm, einmal noch und... da geht tatsächlich ein MENSCH ans andere Ende der Leitung! Juhu!
Vor lauter Überraschung lasse ich fast das Telefon fallen. Dann melde ich mich aber korrekt und trage mein Anliegen vor.
"Dann sollten Sie aber so schnell wie möglich hier vorbeikommen", schlägt die Nichtcomputerstimme heiter vor. Ja klar, deshalb ruf ich ja an. Bis nächste Woche Donnerstag halte ich das nämlich nicht mehr aus...
"Ich bin in einer Viertelstunde da.." verkünde ich optimistisch. Wo war nochmal die Bahnhofstraße im Nachbarort?
"Hier ist grad Kirmes, da sind die Parkplätze knapp!" Oh nein, auch das noch. Eine komplette Kirmes hab ich gerade im Kopf, da brauche ich nicht noch eine reale. Trotzdem steige ich ins Auto, starte den Motor und begebe mich auf eine Fahrt ins Ungewisse...
Dass meine bösesten Vorahnungen beinahe noch übertroffen werden und wie es weitergeht, erzähle ich im nächsten Teil von "Wartezimmer from hell". Fly on! :-)


Dienstag, 3. April 2018

Mounted Games-Osterferienkurs: Das "freie Training"

Hallo!

In dieser Ferienwoche biete ich in der kleinen Reitschule einen Crashkurs in Mounted Games an und das Angebot war vor Wochen schon ruckzuck ausgebucht. Schön!
Mounted Games sind, wie die meisten schon wissen, Geschicklichkeitsspiele zu Pferd, aber auch mit Bodenpersonal. Es gibt in Deutschland tatsächlich eine eigene Liga für diese aus Großbritannien stammende Pferdesportart, mit strengen Regeln und Richtlinien, wir sehen das hier natürlich etwas lockerer. Im Vordergrund steht der Spaß, der pferdegerechte Umgang und natürlich eine gewisse reiterliche Weiterentwicklung.
Es stehen 4 Pferde/Ponys zur Verfügung, die jeweils mit 2 Reiterinnen ein Team bilden. Darunter zwei Ponys, ein mittelgroßes Großpferd und ein Pferdchen, das sich nicht so recht zwischen Großpferd und Pony sein entscheiden mochte.
In akribischer Kleinarbeit habe ich also ein Programm zusammengestellt aus 5 Stationen aus den original Mounted Games, die wir aber leistungsstandgemäß vereinfacht haben. Die Pferde dürfen im Schritt und Trab geritten werden, so dass die Fußgängerin immer an seiner Seite bleiben können und die Unfallgefahr ein wenig eingedämmt wird. Es wird ohne Bügel geritten, also mit Pad/Voltigurt oder mit Sattel ohne Steigbügel, was den schnellen Wechsel der Reiterin stark vereinfacht.
Die Slalompylonen, Schrittstangen mit blauer Plane darunter als Wassergraben-Fake (ich bin ja immer froh, wenn es nicht so regnet, dass sich Wassergräben von selbst bilden..), ein kleiner Naturhügel, 2 Tonnen, ein Putzkoffer mit 4 Hufkratzern und 6 Eimer bilden im großen Ganzen das Equipment. Die Eimer sind nur für die Fußgänger gedacht oder um etwas hineinzuwerfen, hier haben wir uns für Sockenbündel entschieden.
Die erste Herausforderung war übrigens, die Damen zur Findung eines coolen Teamnamens zu bewegen, das hat recht lange gedauert. Grund: Es sind Ferien und die Gehirne befinden sich anscheinend im Standby-Modus, wie mir eine Teilnehmerin erklärte. Nun denn.
Das heutige Training verlief erfreulich originalgetreu zu der Vorstellung, die ich von der Sache hatte: Schönes Wetter, gut bereitbarer Reitplatz, sehr gut aufgelegte Pferde (die nach den Osterfeiertagen auf ihren Paddocks ausgeruht und fit sind) mit Spaß an der Sache jenseits der Reitstunden-Routine und motivierte Mädels, die immer mehr Zutrauen zu ihren reiterlichen und körpersprachlichen Fähigkeiten entwickelten. Genau das wollte ich vorerst erreichen, und mir hat das Projekt bislang auch sehr viel Spaß gemacht. Mal sehen, wie es am 2. Tag, ausschaut, da haben wir einen kleinen Wettbewerb in Mounted Games mit anschließender Siegerehrung auf dem Plan. Nach dem Trainingstag heute habe ich keine Bedenken mehr und das ist ein gutes Gefühl! Und so manch ein gelegentlich doch etwas gelangweiltes Schulpferd hatte scheinbar einen neuen Impuls bekommen und war eifrig bei der Sache. Toll zu beobachten! :-)
To be continued....


Freitag, 30. März 2018

Karwochen-Special Vol.III : Die große Versöhnung!

... und so geht es weiter in der Saga um den Schokiweihnachtsmann:

Ab welcher Temperatur schmilzt eigentlich Schokolade? fragte ich mich selber. Warum nur hatte ich damals im Hauswirtschaftsunterricht nicht besser aufgepasst! Irgendwann musste der Schokiweihnachtsmann ja nun mal bald von selbst den Siedepunkt erreichen. Das war ja nicht mehr normal, was der da abzog! Ein Schokiweihnachtsmann, der allergisch gegen Weihnach...
Genau. Das ist es! Das ist die Antwort, mit der er bestimmt zufrieden sein würde. Hah!
Wir erinnern uns: Der Schokiweihnachtsmann reagierte cholerisch auf das Wort "Weihnachten" und wollte partout nicht mit in den Karton mit dem Dekomaterial für das winterliche Fest der Liebe. Na gut, ok, das wäre ja auch nicht unbedingt mein beliebtester Aufenthaltsort. Das ist verständlich, wenn auch verwunderlich. Ich dachte immer, Weihnachtsmänner wären auch Weihnachts-Fans! Nun, mal lernt halt immer noch was dazu. Das könnte auch das dauernde Niesen erklären! Ist gar nicht mein Staub dran schuld!
Dass er mir aber schnaubend vor Wut und mit rollenden, blutunterlaufenen Augen vorwarf, ihn nicht beizeiten quasi geschlachtet und aufgegessen zu haben, das machte mich schon ein bißchen fertig. Die meisten von uns können gut darauf verzichten, gehäutet und aufgegessen zu werden. Aber hey, wir sind ja auch keine Schokiweihnachtsmänner.
So sinnierte ich vor mich hin, während das kleine Merci-Kerlchen unruhig mit dem Fuß wippte und mit den Fingern auf dem Regalbrett trommelte, immer wieder von einem dezenten "Hatschi" unterbrochen. Immerhin schien er sich aber langsam zu beruhigen, in seinem bärtigen Aluminiumgesicht zeigten sich nur noch die typgerechten runden Wangen gerötet.
"Naaa? Nun sag schon, ich will es wirklich wissen! Warum hast du mich nicht gegessen?" quengelte er mit seiner ALF-Stimme. "ICH BIN GENAUSO GUT WIE JEDE ANDERE SCHOKOLADE!"
Huch, er drehte wieder auf. Jetzt musste ich ihm schnell eine Antwort auf seine Frage geben, sonst tobt hier gleich wieder der Mob, aber nicht der zum Saubermachen.
"Ok, ok, alter Mann." Ich verzichtete weise auf den Zusatz "Weihnachts-". "Ich sage dir jetzt etwas, was ich noch nie zu jemandem gesagt habt."
"Jaaa? Ich höreee?" entgegnete er ungeduldig. Er nervte mich wirklich sehr und ich überlegte im Stillen, ob ich nicht eine Kuvertüre für meinen nächsten Marmorkuchen aus ihm machen sollte. Stichwort Siedepunkt.
"Also, es ist ja so. DU hast anscheinend eine Allergie auf Weihnach..."
"NEIIIN! NICHT SCHON WIEDER DIESES WORT! ICH RASTE AUS, EY!" unterbrach er mich lautstark.Im Geiste holte ich schon mal den Topf fürs Schmelzwasser aus dem Schrank. Dieser Schokoheini!
".. eine Allergie auf das Dezemberfest der Liebe mit den beiden Feiertagen..." versuchte ich es erneut.
"FEST DER LIEBE? WILLST DU MICH VERARSCHEN? Das ist doch nur noch Konsumterror, euer sogenanntes FEST DER LIEBE! Da gehts doch schon lange nicht mehr um Jesu Geburt, sondern nur noch um SCHÖNER GRÖSSER TEURER und BESSER!" Beleidigt schnuffelte er wieder ein bißchen in seine vorsintflutliche Rotzfahne. Die bereitgelegten Papiertaschentücher ignorierte er geflissentlich.
"Ja, da hast du sicherlich recht, Schokimann. Aber darum geht es hier doch gar nicht. Ich wollte..."
"DOCH DARUM GEHT ES! DARUM UND UM DIE UM SICH GREIFENDE DEKADENZ DEINER SPEZIES! IMMER NUR NOCH ICH ICH UND NOCHMALS ICH!" Das Wasser im Schmelztopf war übrigens schon warm, aber ich brachte es einfach nicht übers Herz, ihn zu packen, die Aluhülle abzuwickeln und ihm einfach nur noch beim Schmilzen zuzusehen. Außerdem hatte ich auch gar keinen Marmorkuchen gebacken. Aber noch ein bißchen in diesem Ton, und ich würde es tun. Ich würde es tun!
Ich zeigte auf den Topf mit dem warmen Wasser und der Schmelzschale darin. "Schokimann, willst du da rein?" fragte ich gaanz ruhig, obwohl ich innerlich zitterte.
"Da rein? Wieso? Rieche ich streng? Und wo ist die Seife?!" Verdattert blickte er mich an. Und erkannte anscheinend, dass es mir ernst war. "Ääh, ist was?" Er schaute mich prüfend an und erkannte wohl die steile Zornesfalte auf meiner Stirn, die nur kommt, wenn ich kurz vorm Explodieren bin.
"Lass mich EINFACH MAL AUSREDEN!" brüllte ich nun meinerseits. So, das musste mal raus. Puh! Und etwas ruhiger fuhr ich fort: "Ich will dir nur die ganze Zeit erzählen, dass ich dich nicht gegessen habe, weil..." "Jaaa?" fiel er mir wieder ins Wort. Der Topf brodelte jetzt und er interpretierte meinen Blick zum Herd wohl richtig. "Entschuldigung," murmelte er in seinen Aluminiumbart.
"... weil ich eine partielle Schokolade-Intoleranz habe." Erleichtert atmete ich aus. Jetzt war es draußen.
"Eine WAS? Sowas habe ich ja noch NIE gehört!" Er machte Kulleraugen. "Ist das was Schlimmes?"
"Nein, ist nicht schlimm. Das ist sogar gut, sonst isst man nämlich zuviel von dem leckeren Zeug! Und dann wird es schlimm, wenn die Klamotten nicht mehr passen." Ich lächelte verlegen.
"HA HA HA", dröhnte er auf einmal los. "Das ist WIRKLICH WITZIG!" Er kugelte sich auf dem Regalbrett vor Lachen, und mir fiel auf einmal ein schnelles Rezept für Rumkugeln ein. Das Schmelzwasser wäre jetzt ideal dafür..
Aber ich konnte der kleinen Nervensäge nichts zuleide tun. Und um meine Worte noch zu unterstreichen, ging ich zum Schrank, wühlte in dem Karton mit den Osterdekosachen und zauberte einen Schoko-Osterhasen hervor. Und zwar den vom BVB, der mir zu schade war, um ihn zu essen. Oh, und noch einen, der mindestens schon 5 Jahre alt war, der war aus Zartbitterschokolade.
Die beiden stellte ich jetzt zum Schokimann aufs Regal.
"Das haut den stärksten Nikolaus um!" staunte der. "Die sind ja nicht mal das kleinste bißchen angeknabbert!"
"Schokoladenintoleranz halt!" Ich zuckte mit den Schultern. "Hast du eigentlich einen Namen, Schokimann? Der nix mit Jesu Geburt zu tun hat, womöglich?"
Er schnaufte laut durch die Nase, ich hielt mir schon die Ohren zu. Konnte ich nicht einfach mal aufhören zu quasseln?
"Oh, ich vergaß ganz, mich vorzustellen. Mein Name ist Eduard, manche nennen mich auch Luise. Und ich war auch mal ein Osterhase!"
Jetzt war es an mir, die Kinnlade wieder hochzuklappen. Onkel Eduard und Tante Luise in Personalunion als Schokiweihnachtsmann, der nervt ohne Ende!
"Achwas" brachte ich, ganz loriot-like, nur noch hervor. Ich schaute sprachlos zu, wie Eduard-Luis sich bei den beiden Schoko-Osterhasis unterhakte und Richtung Haustüre aufbrachen.
"Danke für alles und auf Wiederrrrrrr....!"
"RRRRRRRRRRRRIIIIINNNNGGG" klingelte der Wecker. Schlaftrunken öffnete ich die Augen. Heute war eigentlich Samstag, aber ich wollte mit dem Frühjahrsputz anfangen, also dachte ich an den Spruch mit dem frühen Vogel, stand auf und ging in die Küche, um Kaffee zu kochen.
Mein Blick fiel auf das Regal ganz oben, das dringend abgewischt werden musste. Und dort schien mir irgend etwas zu fehlen.... ;-)

Liebe Grüße und frohe Ostern wünscht euch
das Copinchen! 

Dienstag, 27. März 2018

Karwochen-Special Vol.II : Der Schokiweihnachtsmann dreht durch!

... und so geht meine kleine Fantasy-Story weiter:

Mein Staublappen, der streng genommen eine gewisse Ähnlichkeit mit der antiken Rotzfahne des Schokiweihnachtsmannes aufwies, fiel sanft zu Boden und blieb dort unbeachtet liegen. Der aluminiumumhüllte, hochkaloriöse Weihnachtsmann hingegen schaute mich mit strenger Mine an, und ich fühlte mich auf unangenehme Weise an diverse Auftritte des Nikolauses im Kreise der Familie erinnert, der uns Kindern einmal im Jahr ordentlich den Marsch blasen und uns eine gewisse Artigkeit auferlegen wollte. Vor dem hatte ich immer eine Mordsangst, und noch mehr vor seiner pechschwarzen Begleitung, obwohl - aber das habe ich später erst herausgefunden - es sich bei genauerem Hinsehen um Onkel Eduard und seine Gattin Tante Luise handelte. Wer aber nun genau wen verkörperte, wird allerdings auf ewig deren Geheimnis bleiben.

Nach diesem kurzen Trip in die Kindheit schaute ich dem Schokimann nun fest in die Augen und stellte mir vor, er sei meine wie auch immer geblitzdingste Tante Luise. Figurmäßig kam das sogar ziemlich genau hin.

Plötzlich holte das kleine Jahresendzeitsymbol tief Luft, räusperte sich kräftig (genau wie die Tante, Gott habe sie selig!) und versuchte erneut, sein Anliegen zu äußern. Ich lauschte gespannt, ob es sich hier um eine Frauen- oder eine Männerstimme handeln würde.

"Ich möchte ENERGISCH  dagegen protestieren.." - ein erneuter Niesanfall unterbrach den kleinen Kerl, der interessanterweise genauso klang wie die deutsche Synchronstimme von ALF, dem Außerirdischen! Die Sache wurde immer skurriler.
"Gesundheit!" antwortete ich erneut wohlerzogen. Den erneuten Anblick der weihnachtsmännlichen Rotzfahne ersparte ich mir, indem ich mein Staubtuch wieder aufhob. "Wie kann ich dir helfen, Schokiweihnachtsmann?"
"Aaarrrgh! Genau das! Ich kann es einfach nicht mehr ertragen, verstehst du? NICHT MEHR ERTRAGEN!!!"
Huch, da war ich wohl in ein Wespennest gestoßen. Was kann das wohl sein, was er nicht mehr ertragen kann?
Der inzwischen knallrot (wie hat er das wohl hingekriegt?) angelaufene Schokiweihnachtsmann fuchtelte mit Rotzfahne und seinem aufgemalten Geschenkesack wild durch die Luft. Unwillkürlich duckte ich mich, um den Stofffetzen nicht auch noch ins Gesicht gepfeffert zu bekommen. Alles, nur das nicht, dachte ich.
"Ich will ja nicht drängeln, aber du müsstest mir schon mitteilen, was genau du hier nicht mehr ertragen kannst, Schokiweihnachtsmann.  Ich werde dann versu.."
"DA! Schon wieder! DA....dieses... dieses WORT!" echauffierte sich der Wicht, der übrigens das Logo "Merci" am Mantel trug. Na, vielen Dank auch.
"Entschuldigung, ich kann nicht so ganz folgen?" entgegnete ich, mühsam um Contenance bedacht. Ich war jetzt wirklich neugierig, hatte aber keine Lust mehr, mich während des Frühjahrsputzes in meiner Küche weiterhin so anblaffen zu lassen.
"Na... na... dieses WORT halt." Er holte erneut tief Luft und brachte dann erschöpft den Stein des Anstoßes hervor. "SchokiWEIHNACHTSmann."
Mein Gesichtsausdruck konnte erstaunter kaum sein, als ich dieses vernahm. Was konnte so falsch daran sein? Er WAR ja nun immerhin ein Schokiweihnachtsmann, oder?
"..... Okaaayyy...." gab ich meiner Verwunderung Ausdruck.

"UND ICH WILL NICHT IN DIESE KISTE DA REIN, DIE MIT DEN WEIHNACHTSDEKOSACHEN!!!!" brüllte er auf einmal und seine Gesichtsfarbe würde mich normalerweise veranlassen, einen Notarzt zu verständigen. Aber ob die sich wohl auch um Schokoweihnachtsmänner kümmern? Und wäre er überhaupt krankenversichert?
Dann holte er zum finalen Triumph aus, der mich wirklich sprachlos machte.

"UND ÜBERHAUPT: WARUM ZUR HÖLLE HAST DU MICH EIGENTLICH NICHT EINFACH AUFGEGESSEN?" Er war jetzt kaum noch zu beruhigen und ging mir -gelinde ausgedrückt - jetzt ziemlich auf die Nerven. A propos, waren es vielleicht eben jene, die mir gerade einen Streich spielten? Immerhin hatte ich hier einen hyperventilierenden, cholerischen Schokiweihnachtsmann toben, der mir nun vorwarf, ihn nicht verspeist zu haben. Ich kniff mich feste in den Arm, aber ich musste wohl tatsächlich im Hier und Jetzt sein. Es tat ziemlich weh und das Männlein hatte sich noch immer nicht beruhigt. Er war ja nun auch wirklich nicht mehr der Jüngste!
Ich rang in Gedanken um eine Antwort. Ich konnte ihm ja nicht auch noch verklickern, dass ich ihn oben im Regal in der Küche schlicht und einfach vergessen hatte! Da würde er wahrscheinlich nicht mehr drüber hinwegkommen. Er schien mir insgesamt sowieso ein wenig labil zu sein. Ich befürchtete als Reaktion das Schlimmste!

Und was genau ich mir überlegt hatte, um ihn zu besänftigen, das gibt's in der nächste Folge vom Karwochen-Special mit dem Schokiweihnachtsmann. ;-)

Liebe Grüße
euer Copinchen!