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Freitag, 21. Juli 2017

Endlich Urlaub Vol.II: Mit Mann und Maus auf nach Dänemark!

Hmm, ok, der hier erwähnte "Mann" ist 9 Jahre alt und mein Altdeutscher Schäferhund Axel, wenn man so will, und die Maus... ok, der einzige uns begleitende Nager ist dann wohl Meerschweinchen Bommel. Aber Dänemark kann man unangefochten so stehen lassen.

Sollte mein Leben jemals verfilmt werden, so dürfte diese unsere Bahn-Anreise ins Urlaubsparadies eine Extra-Episode verdienen. Es war einfach nur göttlich, wie entgeistert Menschen aus der Wäsche schauen können, wenn wir - quasi die Flodders unter den Bahnreisenden - mit unserer dreischnäuzigen Familienmeute nebst Meerschweinchen-Transportkörbchen ein Zugabteil enterten. Oma mit ihrer Pinki auf dem Arm - wir erinnern uns, Pinkis Mutter war immerhin eine ausgewachsene Dobermannhündin, aber Pinki weigerte sich irgendwie, weiter zu wachsen. Wahrscheinlich, weil sie dann nicht mehr durch die Gegend geschleppt würde. Aber das nur nebenbei. Daneben mein Bruderherz mit Dolly, die vorsichtshalber mit einem Maulkorb ausgestattet wurde. Dolly hatte ja eine sehr unschöne Zeit bei ihren Vorbesitzern, bevor wir sie aus dem Tierheim holten. Nur aus Mitleid übrigens, denn in ihrem damaligen Zustand war sie - gelinde ausgedrückt - keinen Schuss Pulver mehr wert. Oma fand allerdings, dass sie noch eine Chance verdient hätte, auch wenn sie so in unserer leicht chaotischen Familie gelandet war. Aber immerhin war sie mittlerweile vorzeigbar, nicht zuletzt der ungezählten Leckerchen und Extramahlzeiten wegen, die Oma stets für Dolly bereithielt. Dolly dankte es uns, indem sie sich zu einer treuen, wenn auch stellenweise etwas verpeilten Seele entwickelte, die wohl für uns durch jedes Feuer zu gehen bereit gewesen wäre. Übrigens: Auch in den frühen 1980er Jahren konnte man als Mädchen nicht abends alleine im Dunkeln durch die Gegend spazieren, dies ist kein Phänomen der Neuzeit! Aber mit Dolly und auch mit Axel an der Seite war das kein Problem. Jeder Hund für sich war beeindruckend genug, Typen mit schlechten Absichten in die Flucht zu schlagen und zusammen waren wir quasi der Schrecken der Straße. Wenn nicht gar der kompletten Ortschaft irgendwo im Sauerland.
Nun, jene Zugreise über immerhin geschlagene 6einhalb Stunden mit 2- oder 3mal umsteigen war die wohl unlangweiligste Bahnfahrt aller Zeiten. Denn irgendwas war immer los, entweder schimpfte ein Mitreisender völlig ungerechtfertigt über die "Scheiss-Köter" , die im Übrigen bis auf Pinki wohlerzogen unter den Sitzen lagen und eigentlich keinen Anlass zum Schimpfen lieferten, oder Meerschweinchen Bommel fiepte nach Möhrennachschub, was ebenfalls Anlass zum Naserümpfen bot. Nur die anwesenden Kinder fanden Bommel klasse, und ich möchte gar nicht wissen, wieviele gestresste Eltern nach dieser Grenzerfahrung im nächstgelegenen Zoogeschäft am Meerschweinchenkäfig standen, ihre Kinder mit glänzenden Augen im Schlepptau, und erschrocken schauten, wenn sie erfuhren, was ein anständiger Käfig nebst Inventar für so eine "Ratte" kosten sollte.
Die Fahrkartenkontrolleure hingegen lobten unseren Privatzoo sehr, die Tiere seien weitaus angenehmere Reisegäste als so mancher zweibeinige Passagier. Wenn man mal von der zähnefletschenden Pinki auf ihrem Bahnreise-Handtuch absah, die Männer in Uniformen leider auf den Tod nicht ausstehen konnte. Aber darüber lächelte besonders der Schaffner, der bei der Fahrkartenübergabe durch Oma beinahe gebissen wurde, geflissentlich hinweg. Seine Kinder hätten ebenfalls so eine kleine freche Promenadenmischung, die gerne mal jemanden zwicken würde. Er war also Kummer gewohnt und ich glaube, er hätte die Fusshupe seiner Kinder liebend gerne gegen einen unserer beiden Schäferhunde getauscht, die in seiner Gegenwart nicht mal mit dem Ohr wackelten. Zum Glück wusste er nicht, dass Dolly unter ihrem Sitz ihn genauestens beobachtete und hin und wieder mal eine Lefze hob. Aber das konnte man durch den Maulkorb nicht so genau erkennen. Dolly hatte ein gestörtes Verhältnis zu Männern, aufgrund ihrer tragischen Biografie. Wer will es ihr verdenken?
Aber auch die längste und witzigste Zugfahrt geht einmal zuende, und nachdem wir auch noch zwei  Taxifahrer ergattert hatten, die einen großen Kombi fuhren und bereit war, uns und unsere Tiere zu befördern - übrigens kein Problem in Dänemark! - da ging der Urlaub so richtig los! Wir bestaunten die lange Brücke, die die Insel Romo mit dem Festland verband, atmeten die salzige Meeresluft ein, lachten und freuten uns auf die kommenden 2 Wochen als Inselbewohner im Ferienhäuschen. Dass dies einer der besten Urlaube aller Zeiten werden sollte, wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht. Aber die Pferde, die konnte ich von Weitem schon sehen. Stichwort Äppelhaufen in den Dünen! Denn das Häuschen befand sich sogar in eben diesen Sandhügeln kurz vor der ewig rauschenden Brandung der Nordsee. Ein Idyll wie aus dem Bilderbuch, der Prospekt hatte nicht zuviel versprochen! Und unsere Viecher waren nicht nur geduldet, sondern ausdrücklich willkommen geheißen, wie man dem Brief auf dem Esstisch entnehmen konnte. Nun, hoffentlich blieb das auch so.
Wir warfen Taschen, Koffer und Beutel in die nächste Ecke, leinten unsere Hunde an und machten uns sofort auf zum Strand, der ungefähr 200 Meter entfernt auf uns zu warten schien. Nur Bommel, der blieb als Hauswache zurück! Der kleine Kerl war auch völlig erschöpft von den Streicheleinheiten und den "Na, duuu?"'s der zahlreichen Kinder, denen wir auf den Weg hierher - ins Paradies! - begegnet waren. Wir konnten ihn guten Gewissens zurücklassen und uns auf den Weg machen. Das Wetter war herrlich, der Wind war das, was man gemeinhin eine "steife Brise" nennt und es war außerdem gerade Ebbe. Also genug Platz für einen ausführlichen Spaziergang. Die Hunde würden Augen machen!
Und genau das machten sie auch. Sowas hatten sie wohl noch nie gesehen! Dünen mit dutzenden Kaninchen, dahinter einfach nur Weite und Fläche mit kreischenden Seemöven ganz hinten, wo sich die kleinen Wellen am Strand brachen. Fussgänger, Jogger, Meeresrauschen und WOW! Ganz hinten sah man eine Gruppe Reiter auf ihren Pferden, die gemächlich im Schritt spazierenritten.
Selbst dem eher zurückhaltenden Rüden Axel gingen fast die Augen über. Aufgeregt schnupperte er an allem, was herumlag und fiepte leise. Pinki begann zu kläffen, sie wollte von der Leine los, was aber noch nicht zu machen war und Dolly stand geradezu fasziniert vor den Kötteln von Kaninchen und war kurz davor, sich darin zu wälzen. Dolly war grundsätzlich zu allem fähig.
"Jaa, jetzt sind wir im Urlaub", sinnierte Oma in die einsetzende Flut hinein. Sie war glücklich, das sah man ihr an. Und wir waren es mit ihr. Die kommenden 2 Wochen konnten nur superspitzenklasse werden.
Höchst beeindruckt schaute ich meinerseits den immer größer werdenden Pferden mit ihren Reitern entgegen, sie kamen auf uns zu. Ich hörte nichts mehr außer den leise im Sand trappelnden Pferdehufen und dem Schnauben der Pferde, ich sah nichts mehr außer glatten, glänzenden Pferdekörpern, die leicht geschwitzt tänzelten und anscheinend auf den nächsten Strandgalopp warteten. Ich war - kurz gesagt - hin und weg, im wahrsten Sinne des Wortes.

Dolly und ich, wir hatten unsere Passion gefunden: Die Hündin die Dünenkaninchen und ich die Strandpferde.
 Und wie diese Geschichte weitergeht, erfahrt ihr im dritten Teil von : Endlich Urlaub mit dem Familienzoo in Dänemark! ;-)

Liebe Grüße vom
Copinchen -  und Bommel!

Mittwoch, 12. Juli 2017

Endlich Urlaub Vol. I - Hurra, wir fahren mit dem Familienzoo ans Meer!

Wer kennt das nicht? Sommer, Sonne, schöne freie Tage auf dem Land, in den Bergen oder in einer Stadt, die man schon immer besuchen wollte. Durchgeplante Reisen mit Veranstalter oder einfach mal mit Bahn oder Auto hinaus ins Blaue.
Unsere Familie hat es eigentlich immer ans Meer gezogen, an die Küste von Deutschland, Belgien, den Niederlanden oder Dänemark. Dort erholen wir uns im allgemeinen prächtig; die Kulisse der gewaltigen Nordsee immer im Blick, in den Ohren oder zumindest in der Nase. Es ist so toll überall dort und als damals 14jährige Pferdeverrückte gab es immer etwas Besonderes zu erleben. Denn in den meisten Strandregionen gibt es Möglichkeiten, das Meer, den Sand und die Dünen auch vom Sattel aus zu erleben. Ein Wahnsinnsgenuss für jede/n Reiter/in!
So ergab es sich, dass wir im Sommer '84 in Dänemark auf der Insel Romo (direkt neben Sylt übrigens!) urlaubten und keine 20 Meter neben dem gemieteten Ferienhäuschen einen Haufen Pferdeäppel vorfanden.
Ich war sofort begeistert vom Urlaubsort, der auf den ersten Blick nicht unbedingt die totale Action versprach. Wir waren in diesem Jahr zum ersten Mal dort und es gab dort recht viel Gegend, die man ja später erst zu schätzen weiss! Mein älterer Bruder suchte auf der Hinfahrt schon so etwas wie eine Discothek, leider war auf den ersten Blick keine zu erspähen.
Zum erweiterten Entertainment waren wir übrigens mit 3 Hunden und einem Meerschweinchen unterwegs. Ohne meinen Schäferhund Axel war ich kaum zu bewegen, mit der Familie irgendwohin zu fahren. Axel war so ein feiner Kerl, den konnte man auch wirklich überallhin mitnehmen! Er war geradezu ein Ausbund an gutem Benehmen und folgte aufs Wort. (Im totalen Gegensatz übrigens zu) Schäferhündin Dolly, Omas Mischlingshündin Pinki und Meerschweinchen Bommel (ja, genau so eins wie das aus der Fernsehserie "Ich heirate eine Familie") komplettierten unseren Familienzoo. Tiere wegen Urlaub irgendwie im Stich zu lassen, war in meiner Familie stark verpönt. Was sich nicht wehrte, wurde mitgenommen und fertig. Und auch ein noch so überfülltes Bahnabteil wird ganz schnell mal gähnend leer, wenn man es mit 2 Schäferhunden und einer kläffenden kleinen braunen Fusshupe betritt! Natürlich waren alle Tiere außer Bommel (der reiste unter der Bezeichnung "Handgepäck") mit eigenen Fahrkarten ausgestattet, aber ich glaube, dass sich kein Schaffner dazu bereiterklärt hatte, diese auch zu kontrollieren. Wir hatten sie den Hunden nämlich dekorativ am Halsband befestigt. Leider gab es damals noch nicht so präzise Farbdrucker wie heutzutage. Die Fahrkarten wurden auch nicht gedownloadet, sondern ganz altmodisch am Fahrkartenschalter der Deutschen Bahn bestellt und am nächsten Tag mit guten Reisewünschen inklusive und Gruß an die Frau Großmutter (die den ganzen Spaß bezahlt hatte) feierlich übergeben.
Die Hunde reisten übrigens zum Kinderfahrtarif. Und nie werde ich die Diskussion meiner Oma mit einem Bahnangestellten am Schalter vergessen, warum nun Pinki mit ihrer eigenen Fahrkarte nun leider doch keinen Anspruch auf einen Sitzplatz hätte! Weil Oma und Pinki nämlich eine Weile zur Arbeit mit der Bahn gependelt sind, hatte die kleine freche braune Hündin sogar eine Monatskarte. Nur keinen Sitzplatzanspruch. Meine Oma rebellierte allerdings dagegen, dass Pinki unterm Sitz oder gar im Frachtraum reisen sollte. Sie hatte ihr Reisehandtuch, dass sie auf den Sitz neben sich legte, woraufhin Pinki munter hochhüpfte, sich sofort neben Frauchen einrollte und bis zum Zielbahnhof ein Nickerchen hielt. Sollte jemand es wagen, diesen Hündchenschlaf zu stören, womöglich sogar in Uniform, wäre Oma sehr ungehalten gewesen. Pinki war nun mal ihr ein und alles, als winzigen Welpen hatte sie sie adoptiert und uns gewarnt: "Die Mutter ist eine Dobermannhündin!" Was hatten wir einen Respekt vor dem nicht mal 3 Wochen alten Hundebaby, für den besagte Dobermannhündin nicht genügend Milch hatte und das daraufhin kurzerhand verschenkt wurde. Sie würde schon noch riesengroß und sehr elegant werden, hatte es bei der Übergabe geheißen. Wie ein richtiger Dobermann eben!
Pinkis Vater muss allerdings irgendein Pinschermischling oder sowas gewesen sein, dazu auch noch hellbraun statt dem rassetypsichen schokobraun oder gar schwarz. Und Oma wünschte sich einen Schutzhund, denn sie besaß ein Spielwarengeschäft und wäre gerne in Begleitung eines respekteinflößenden Rassehundes abends mit den Tageseinnahmen in der Geldbombe zur Sparkasse gegangen. Nun, die fehlende Größe machte Pinki mit einem Riesenego wieder wett! Da sollte es mal einer wagen, der Oma irgendwie quer zu kommen. Das Erbe des Dobermanns, gefangen im Körper einer schon eher verhätschelt zu nennenden Promendadenmischung, die eine Schulterhöhe von 27,5 cm nie zu überwinden imstande war. Die Geldbombe war in Pinkis Begleitung so sicher wie die Bank von England!
Und das war auch wichtig, denn Oma finanzierte unsere Sommerurlaube, weil sie gerne mit ihren Enkeln (und deren Tieren) verreiste und dafür bin ich ihr auch heute noch dankbar. Die Spendierhosen waren ebenfalls im Gepäck sowie jede Menge Erspartes von uns Kindern und die Begleitung der Hunde (und Bommel) gab uns ein umso sichereres Gefühl, dass wir nicht ausgeraubt würden.
Zurück zum Pferdeäppelhaufen ganz in der Nähe vom Feriendomizil: Das musste dringend ausgekundschaftet werden und so machte ich mich nebst Hund Axel auf Spurensuche. Und tatsächlich wimmelte es auf den Dünenwegen von Hufspuren und weiteren Hinterlassenschaften von Pferden! Ich konnte sie förmlich schon riechen. Und hinter der nächsten Düne stand auch schon ein Werbeschild vom "Rideheste pa Stranden" , also einem Reiterhof am Strand.

Ob Axel und ich fündig geworden sind, ob es tatsächlich zum ersehnten Strandausritt kam, ob mein Bruder eine Zappelhalle und Schäferhündin Dolly in den Dünen ein neues Hobby fand, das alles gibt es im nächsten Teil von "Hurra, Familienurlaub!"

Liebe Grüße
euer Urlaubs-Copinchen!

Mittwoch, 5. Juli 2017

Mäxchen bloggt: Trump oder Tollpatsch?!

Hallo, liebe Freunde des gepflegten Sommerlandlebens, ich bin's mal wieder, euer Mäxchen! Und es ist wieder so herrlich, schön auf der Weide unter der alten Eiche abzuchillen. Noch besser als sonst, denn ich habe jetzt einen eigenen Funkmast auf der Koppel und meine W-Lan-Verbindung hat sich dadurch glatt um mehrere Hotspots erweitert. Jetzt kann ich sogar aus dem Stall bloggen, was vorher überhaupt nicht möglich war. Willkommen im Jahr 2017, hurraaa!
Zwar wurde uns dafür ein Stückchen von der großen Koppel abgeknapst, aber - wie der Name schon sagt - das ist eine wirklich große Koppel mit soviel Gras drauf, dass Romi und ich alleine das nie alles abfressen konnten. Obwohl dort schon einmal Heu gemacht wurde! Es ist also wirklich eine sehr große Koppel.
Ja, und nun sind ja unsere gehörnten Freunde auch noch dabei, 3 an der Zahl. Die fressen auch ordentlich was weg. Wenn, ja, wenn....
Es waren wieder diese OMG-Momente mit dem Großen Tollpatsch, die das Leben hier auch irgendwie interessanter gestalten. Du lieber Shettygott, was hat DER wieder für ein Theater gemacht!
Es ging um nichts geringeres als die Territorialrechte zwischen Ein- und Paarhufern. Mit anderen Worten: Romi wollte die Kühe nicht mit auf die große Koppel lassen. Schließlich ist das UNSERE sukzessive SEINE Koppel (ich als Beistellpony hab ja grundsätzlich nix zu vermelden außer hier heimlich im Blog).
Die kleine Koppel wurde also geschlossen und das Weidetor für die große Wiese, bequem vom Stall aus zu erreichen, feierlich eröffnet. Romi trippelte schon nervös von einem Huf auf den anderen, beinahe wäre das eine 1 A Piaffe geworden. Wenn das seine Reiterin gesehen hätte! Dann wurde das Tor geöffnet, Romi trabte mit ganz hoch erhobenen Kopf und Schweif los, trompetete einmal kurz wie die Südstaatler im Rezessionskrieg und da ahnte ich schon: Oh oh. Ich glaube, der führt was im Schilde. Und das könnte noch sehr für Gesprächsbedarf sorgen, seitens der Paarhufer und auch unserem etwas narzisstisch angehauchten Arabowestfalen...
Es kam also, wie es kommen musste. (Hier einen richtig dicken Seufzer hinzufügen)
Romi durchtrippelte gekonnt das Weidetor, ließ einen besonders luftintensiven Abschnauber aus seinen bereits geröteten Nüstern, galoppierte einmal komplett am Außenzaun entlang, um dann den langsam hinterherlatschenden Rindviechern entschlossen den Weg abzuschneiden. Das war besagter OMG-Moment, ich wollte hier auf keinen Fall zwischen die Fronten geraten bzw. im Weidetor stehenbleiben, denn hier baute der Große Tollpatsch geradezu eine Drohkulisse auf. Flach angelegte Ohren, dunkelrote Nüstern, gebleckte Zähne und Trommelwirbel mit den Vorderhufen. Das sollte bedeuten: DU KOMMST HIER NICH REIN! UND DU AUCH NICHT!
Ich für meine Wenigkeit beschloss, mich langsam, aber aufmerksam beobachtend und natürlich frisches Gras knabbernd, in den Hintergrund zurück zu ziehen und mich unauffällig zu verhalten. Ein leises Grinsen konnte ich mir allerdings - mit Verlaub - nicht verkneifen. Romi, wie er leibt und lebt und herrscht. Sämtliche römischen Kaiser würden vor Neid blasser werden als der italienische Marmor, mit dem sie ihre Paläste bauen ließen!
Beeindruckt blieben die Kühe zunächst stehen, ihre Hörner bildeten ein großes Fragezeichen zwischen ihren hin und her flappenden Ohren. Auch das Kalb, was mittlerweile eine stattliche Größe erreichte, allerdings kastriert und noch dazu seiner Hörner beraubt wurde, auf dass er uns in einem Anfall von jugendlich-männlichem Leichtsinn nicht aufspießte.
"Ey, Alta, was is los? Lass mich und meine Mudda da mal durch, maan!" blökte der Teenie nörgelig. Romi schüttelte seinen Kopf, dass die feuerrote Mähne nur so wirbelte.
"Deine Mudda stinkt sogar auf Fotos", konterte der Fuchs trocken. Ich staunte Zaunpfähle, so langsam scheint meine Therapie etwas bei ihm zu bewirken!  Das war bemerkenswert schlagfertig für so ein Warmblut.
Besagte Mutter, deren Ausscheidungen zuweilen wirklich etwas blümerant rochen, hatte nun keinen Bock mehr auf den Kindergarten. Sie scharrte mit ihren zweizehigen Füßen und senkte den Kopf, auf dass ihre wirklich langen Hörner auch ja gut zur Geltung kämen. Leider machte sie dabei die Rechnung ohne den Wirt, in diesem Fall Romi, der just in dem Moment sowas von senkrecht in die Luft stieg, dass die kleinere, eher schüchterne Resi den eiligen Rückzug vorzog und in den Stall wetzte. Dabei rempelte sie versehentlich ihre Artgenossen an, die daraufhin ebenfalls das Heil in der Flucht suchten, nur halt nach vorne! Wie die geölten Blitzen rammten sie den Pfahl mit dem Weidetor um, sprangen mehr oder minder elegant über die Fragmente desselben und wetzten keuchend an dem Fuchs vorbei.
Ich wollte, ich hätte ein Foto davon machen können, aber diese verdammten Touchscreens reagieren nur sehr schlecht auf Shettyhüfchen. Es war jedenfalls ein Bild für die Götter, wie der verdutzte Große Tollpatsch vor den Trümmern des Weidetors weiterstieg und stieg, um dann zu realisieren, dass die Rindviecher sich längst am anderen Ende der Koppel tummelten. So schnell habe ich Romi noch nicht rennen sehen und wieder einmal machte sich die Angst vor einem Sehnenschaden oder einem verstauchten Fesselgelenk breit. Verfluchter Idiot!
Ich beschloss, nun akiv ins Geschehen einzugreifen, spuckte in die Hüfchen und rannte ebenfalls los, als wäre der leibhaftige Shettydämon hinter mir her. Jetzt hilft nur noch Deeskalation, sonst haben wir gleich die Tierärztin auf dem Hof.
Nur Resi, die etwas simpel gestrickte Gehörnte, steckte neugierig den Kopf wieder aus dem Stall, sah, dass alles sich weiter hinten im Grünen tummelte und latschte gemächlich zum Ort des Geschehens...
Romi brachte nun seinen neu entdeckten Cow-Sense ins Spiel und versuchte, mittels Westernpferde-Skills die Herde wieder zurück in den Stall zu treiben. Raus aus meiner Prärie! Das sind MEINE Weidegründe und ihr dämlichen Büffel habt hier NIX ZU SUCHEN! brüllte er in einer Tour. Wo er das wohl wieder her hat? Geht der Bursche etwa heimlich in mein Internet und guckt "1000 Meilen Staub" oder "Bonanza"?
Nach sage und schreibe zweieinhalb Stunden harter Galopparbeit mit etlichen Spins, Sliding Stops  (OMG, DIE SEHNEN!) und vielen bösen Blicken und Schnauben hatter er die 3 Rindviecher immerhin so müde gemacht, dass sie sich freiwillig in den gemütlichen Stall zurückzogen. Ok, vielleicht bin ich daran auch nicht ganz unschuldig, denn ich habe ihnen versprochen, dass sie, wenn Romi wieder Training hat, die schöne Weide ganz für sich hätten! Das fanden sie toll und zogen schließlich ab. Dafür musste ich mich nicht mal besonders anstrengen, aber ich habe zugegebnermaßen schon erst ein wenig mit Romi "Cowboy und Indianer" gespielt. Hihi! Das macht ja richtig Spaß!
Später kam die Reiterin von Romi und wunderte sich gar sehr, dass er so müde und träge beim Training war, dass er kaum noch zu einer Runde Galopp zu überreden war....;-)
Aber die Rindviecher hatten - wie versprochen - für eine gute Stunde die Koppel für sich ganz alleine. Diplomatie kann ich!

Es grüßt euch
euer immer noch etwas erschöpftes
Mäxchen! (Deeskalationstrainer im Pferdesport)

Freitag, 30. Juni 2017

Ferienzeit - Leidenszeit für ungeliebte Haustiere?!

Hallo, ich bins mal wieder, die bezaubernde Jeannie!
Und ich habe heute ein echt ernstes Aufreger-Thema, zu dem ich mich als Katze mal äußern möchte.
Ich bin ja nun auch schon 4 Jahre alt und hatte das Glück, vom Copinchen aus dem Tierheim adoptiert worden zu sein. Sie tut seitdem alles für mich, damit ich mich wohl fühle und gesund bleibe, dafür schenke ich ihr mein liebenswürdiges Wesen und meine Gesellschaft und würde nie auf die Idee kommen, einfach abzuhauen. Andersrum würde das Copinchen wohl auch nie auf die Idee kommen, mich einfach auszusetzen und in den Urlaub zu fahren!
Und das unterscheidet mich von vielen anderen Haustieren in der nun anbrechenden sogenannten Urlaubszeit. Mal echt, wie muss man denn bitte drauf sein, um sowas durchzuziehen? Möglichst noch mit ungewolltem Nachwuchs im Karton, nur weil man keinen Bock oder/und keine Kohle hatte, um Miezi rechtzeitig kastrieren zu lassen?
Viele Tierschutzvereine bieten gemeinsam mit ihren Vertragstierärzten in solchen Fällen Hilfe an, um das Aufkommen von Katzenbabys, die sehr zahlreich werden können, einzuschränken. Als echter Tierfreund sollte man sich im Notfall auch nicht scheuen, diese Hilfe anzunehmen! Ich meine, wenn Geld für einen Urlaub da ist, sollten auch noch ein paar Moneten für diesen Dienst am Tierschutz vorhanden sein. Denn die Kastration von Katzen ist aktiver Tierschutz!
Ich weiss es ja aus eigener, hautnaher Erfahrung, dass die Tierheime und Pflegestellen voll mit - meist ungewollten - Katzen sind, die leider auch nicht sofort ein neues Zuhause finden. Weil es so viele sind!
Katzenbabys sind natürlich immer süß und goldig, aber auch aus dem niedlichsten Katzenbaby wird ziemlich kurzfristig sogar eine erwachsene und geschlechtsreife Katze oder ein Kater, der unkastriert auch für viele Nachkommen sorgen kann und wird. Ich selbst war zwar nicht allzu begeistert, als ich in eine Box gepackt und vom Tierarzt operiert wurde (nachzulesen hier im Blog unter Bezaubernde Jeannie - Von Menschen, Tieren und Doktoren), aber ich war auch nicht allzulange beleidigt und nach ein paar Tagen war auch schon alles wieder ok. In die Box gehe ich aber nach wie vor nicht allzu gerne - aber was muss, das muss, ne?
In einem Fall - und das hat das Copinchen und mich wirklich tief erschüttert - wurde an einer Autobahntankstelle ein Karton mit toten Kätzchen gefunden. :-(
Das muss doch nicht sein und das muss jedem, der ein Herz statt einem Stein in der Brust hat, nahegehen! Das ist soo traurig und schlimm und garantiert kein Einzelfall!
Nun meine Bitte: Ich weiss ja, dass ihr alle nur Katzen nach draußen lasst, die kastriert oder wenigstens sterilisiert sind. Vielleicht habt ihr ja Freunde oder Verwandte, die eine noch unkastrierte Mieze halten: Klärt sie bitte auf, wie wichtig Kastration ist!  Und haltet bitte die Augen offen für andere Tiere oder/und Tierhalter, die vielleicht vorhaben, ihr Haustier vor dem Urlaub noch irgendwie kostengünstig loszuwerden!  Damit sich das Leid der Kätzchen von der Tankstelle nicht unnötig wiederholt. Dasselbe gilt natürlich auch für Hunde und andere Haustiere, auch wenn ich als Katze Hunde nicht besonders mag: Das hat wirklich kein Tier dieser Welt verdient!

Nun brauch ich erstmal mein Baldriankissen zur Beruhigung. Habt trotzdem eine gute Zeit und vergesst eure Haustiere nicht! ;-)
Es grüßt euch
eure bezaubernde Jeannie

Mittwoch, 21. Juni 2017

Warum eigentlich immer alles schnell-schnell?

Manchmal hat man das Gefühl, als ob man sich ständig selbst überholen muss, um nicht abgehängt zu werden. Kennt ihr, oder?
Auf einer kleinen Nordseeinsel lernte ich einst, dass es auch anders gehen kann. Und das war so:

Ich (die auch gern mal zur Hektik im Alltag neigt...) war auf einer Freizeit auf der Insel Baltrum diejenige, die sich morgens freiwillig zum Brötchenholen gemeldet hatte. Der vollen Verantwortung dieser Bürde bewusst, joggte ich also mit Einkaufskorb um viertel vor Acht los, um den Worten Taten folgen zu lassen. Der Insel-Edeka sollte um acht Uhr früh seine Pforten öffnen.
Ja, taten sie auch. Ich war also zur Stelle und gab dem Verkäufer meine Bestellungsliste, bereit, danach direkt wieder zum Haus zurückzutraben.

"Ich hätte gern diese Brötchenmischung *zettelrüberreich* es sind insgesamt 28 Brötchen". Zügig reichte ich ihm den Korb rüber, damit er sie schnell und übersichtlich verstauen könnte. Bezahlt wird an der Kasse, der Edeka nebst Bäckerei und Poststelle war in der Vorsaison quasi eine One-Man-Show.

"MOIN MOIN!" grüßte er mich in ruhigen Ton. "Du bist nich von hier, hm?!"
Da ich die Grußformel in der Hektik leider vergessen hatte, holte ich sie nach. "Moin erstmal. Nee, bin ich nicht. Aber ich muss wieder los, die Meute verlangt nach Frühstück!"

"Nu mol nich so hektisch, kleines Frolleinschn. Die Bröitschn brauchen nochn büschn."

"WIE BITTE?" Ich glaubte, mich verhört zu haben. 8 Uhr morgens und noch nix fertig? Wo sind wir denn hier? Und wer soll dieses kleine Frolleinschn wohl sein? Meint der etwa MICH? FRECHHEIT!
Ich verzieh ihm großmütig, wer das Essen hat, macht die Regeln. Das ist ein Naturgesetz.


"Jou, die brauchen mal noch gut 'ne Viertels-tunde, nech? Solln ja auch 'n büschn knusprich sein, nech?"

  Ich hatte unsere frühstückshungrige Meute vor Augen. Wir haben Hungerhungerhunger!

"Ääh, ja ok." Man muss sich den Gegebenheiten anpassen, so als Frolleinschn.

Auf Baltrum ticken die Uhren nämlich anders, viel langsamer, gemächlicher, entspannter. Vielleicht liegt das am fehlenden Autoverkehr, die ständig herumtrabselnden Pferdekutschen wirken auch viel gemütlicher als unsere Drängler und Raser auf der A30 und umzu's.

Ich betrachtete die anderen Kunden. Ich hatte ja nun Zeit. Ganze 15 Minuten. Eine Ewigkeit!

Seelenruhig suchte man sich Produkte aus, prüfte dies, betrachtete das, trug es zur Kasse und hielt erst mal ein kleines Schwätzchen mit der One-Man-Show, der nicht gerade zügig zwischen seinen einzelnen Posten hin- und herschlich. Oder wie ich es nannte: Kann man beim Laufen die Schuhe besohlen. Nur keine hektische Hast. Hier kommt ja keiner einfach so wech.

Warum hat man es eigentlich immer eilig? Verpasst man was, wenn man mal ein Viertelstündchen auf Brötchen warten muss? In der Vorsaison auf einer Nordseeinsel?

Draußen kam eine Pferdekutsche vorbei und hielt am Eingang an. Die schweren Kaltblüter standen unangebunden vor dem Geschäft. Selbst die Pferde strahlten Gemütlichkeit aus. Ruhe. Unzufrieden wirkten sie nicht! Ich trat nach draußen und strich ihnen über den blonden Schopf, über die weichen Nüstern. Sie waren top gepflegt, hatten trotz der schweren Arbeit Glanz in den Augen und waren wohl mit sich und der Welt zufrieden.
"Laufen die nicht weg?" fragte ich den Kutscher neugierig.
"Moinmoin!" antwortete er. Ich hatte schon wieder die Grußformel vergessen. Das Zauberwort zum Eindringen in die Welt der Norddeutschen Inselbewohner. Vor lauter Neugier und - Hektik.
"Moin", erwiderte ich kleinlaut. Frollein, wo bleiben deine Manieren. 
"Nee, wechlaufen tun die nich. Wieso denn auch." Ne, klar. Wieso denn auch.

"Frolleinschn, deine BRÖÖTCHÄÄN sind feddich!" rief es aus dem Laden heraus. "Ich mein, falls du jetz 'n büschn Zeit dafür häs." Belustigt zwinkerte er mir zu. Ich glaube, ich war nicht sein erster Patient. Dabei bin ich noch nicht mal 'ne Großstadtpflanze.
Beim Bezahlen sagte er noch "Komms-te morgen einfach 'n büschn später, dann mäch ich dir das schon mal feddich." Ich nickte nur noch, weil ich mich für einen Montagmorgen wohl bereits genügend blamiert hatte. Und ging ganz gemütlich zurück zum Haus, wo tatsächlich noch niemand den Hungertod gestorben war.

Dienstag, 13. Juni 2017

Unter Strom oder nicht? Leben am Limit - ein Tatsachenbericht

Eins schon mal vorneweg: Wir hier in Deutschland, in Mitteleuropa sind echt wie total verwöhnte Bälger, die so gut wie alles haben und immer noch dauernd am rumnörgeln sind!
Das wurde wieder einmal auf dramatische Weise klar, als es am vergangenen Wochenende zum Ausnahmezustand kam: TV, Internet, Kühlschrank oder -Truhe, Handy aufladen, Kaffee (oder überhaupt irgendwas) kochen ist in deinem Haus momentan leider nicht verfügbar.
Der Grund: Der Haupt-FI-Schalter flog uns im Minutentakt um die Ohren. Aus unerfindlichen Gründen.
Ok, heute bleibt also die Küche kalt und der Bildschirm dunkel. Zum Glück findet sich im Wolkenkuckucksheim das eine oder andere Dekoteil aus batteriebetriebenen Leuchtelementen, damit man abends im Bettchen wenigstens noch das in solchen Fällen obligatorische Zweitbuch lesen kann. ;-) Vorher saßen mein/e VermieterIn und meine Wenigkeit noch eine ganze Weile draußen, uns gut unterhaltend bei der Gelegenheit, als der Mieter der Wohneinheit Nr. 4 des Gebäudes über uns hereinbrach.
(Anmerkung: Unter der Rubrik "Höllische Nachbarn" zeigt sich leider allzu deutlich, dass in dieser an und für sich hübschen Wohnung mit nettem kleinen Garten immer mal wieder unfassbar drollige Mitmenschen einmieten. Manche Geschehnisse haben wir tatsächlich immer noch nicht ganz aufgearbeitet. Aber that's life, wat willze machen. Irgendwie liegt wohl so eine Art Voodoo-Fluch auf der schicken Wohnung.)
Nach ein wenig Gebrabbel mit zunehmend aggressiver werdenden Unterton inklusive Alkoholfahne dämmerte mir: Ich soll wohl schuld sein an diesem unsäglichen Zustand, dass er jetzt nicht das Formel-1-Rennen auf ER-TEH-ELL anschauen kann, und außerdem würde soeben die Kühlkette der halben Sau mit Sattel, die er in seiner Kühltruhe frisch eingelagert hat, zum nächsten Gammelfleischskandal mutieren. Und das alles nur, weil ich dämliche Kuh den ganzen Tag arbeiten war, ohne den Stecker meiner übrigens relativ neuen Kaffeemaschine vom in letzter Zeit eher fragilen Stromnetz zu entfernen. Also echt, wie kann man nur so doof sein!
Hm. Tatsache ist: Es kam in letzter Zeit immer mal wieder zu einem Ausfall des FI-Schalters, besonders gern wochenends,  und wir waren schon seit geraumer Zeit mit vereinten Kräften auf der Fehlersuche. Das heisst: Stecker rausziehen, Sicherung wieder einlegen, Geräte wieder einstöpseln und schauen, bei welchem Teil die Sicherung wieder fliegt. Leider relativ erfolglos. Sogar der Heizkessel mit der Therme war schon heruntergefahren worden, wodurch es zusätzlich auch nur noch sehr laulauwarmes Wasser gab.
Alles kein Problem, für einen überschaubaren Zeitraum, finde ich. Laulauwarm duschen ist gar nicht so schlimm. Im Sommer. Mit Haarewaschen. Andere haben gar kein warmes Wasser zur Verfügung.
Herr K. aus Wohneinheit 4 sah das mittags noch ganz genauso, mit steigendem Alkoholpegel empfand er es aber zunehmend als "unzumutbar" und "Grund für eine saftige Mietminderung" und außerdem gehe sein "ÜberTausendEuroteures Smart-3Dfähiges ultraHD-TV-Gerät mit eingebautem Receiver" kaputt, wenn der Strom dauernd ausfällt. Insgesamt könne ich mich auf was gefasst machen, wenn der Fehler tatsächlich im Wolkenkuckucksheim zu finden sei. Die halbe Sau mit Sattel, bereits im Verwesungszustand befindlich, nicht zu vergessen. Also, Frolleinschn, sssiehdischmaganzwaamandoooh.
Ich nahm einen Schluck aus meiner Getränkeflasche, die trotz nichtvorhandener Kühlschrankleistung nach mehr als 7 Stunden immer noch gut gekühlt war und wies ihn auf diese Tatsache hin. Ruhig Blut, so schnell gammelt da nix.
Auch der Hinweis des Vermieters, dass er wegen meiner Abwesenheit nach dem endgültigen Ausfall der Hauptsicherung zum Testen in meiner Küche war (genehmigterweise), um meine sämtlichen Sicherungen einmal rauszunehmen und dann noch mal den FI zu testen, was dieser mit einem beleidigten KLACK quittierte, ignorierte Herr K. geflissentlich. Natürlich sei der Fehler in meiner Wohnung zu finden. Wo auch ssonnzzne?
Ich gab es auf. Mit Personen zu diskutieren, deren Blutalkoholspiegel temporär mehr als 2,6 Promille aufweist, ist pure Verschwendung von Lebenszeit. Genausogut könnte man versuchen, einer Kuh das Klarinettespielen beizubringen.
Dann schob er beleidigt ab, nachdem noch ein paar Versuche (genauso erfolglos) gestartet wurden, den FI wieder zum Funktionieren zu bewegen. Und mal ganz ehrlich: Wer würde an einem fortgeschrittenen Sonntagabend einen Elektriker rufen, wenn man nach nur einmal schlafen diesen Service auch ohne Wochenend- und Nachtzuschlag genießen könnte?
Sah er auch nicht ein. Die halbe Sau mit Sattel, das F1 (nicht FI) -Rennen und überhaupt und sowieso gehen vor.
Was machen eigentlich solche Leute, wenn uns mal ein Atomkraftwerk um die Ohren fliegt? Den ganzen Tag lamentieren im Luftschutzbunker?
Die Frage stellte ich ihm genau so und dann schob er beleidigt ab, um wenig später mit Hündchen an der Leine wieder an uns Draußensitzenden vorbei zu rauschen. Wortlos.
Während ich das hier verfasse, drängt sich mir die Frage auf, wer eigentlich hier der größere Krisenherd ist: Der Nachbar oder doch die Tatsache, dass ich mir morgen früh vor der Fahrt zur Arbeit keinen frischen Kaffee aufbrühen könnte? Gute Frage!
Mein Handyakku piepste schon länger nach einem Ladevorgang. Ich schaltete es aus und dachte nicht länger drüber nach. Mit meiner LED-Dekoleuchte und 'ner frischen Batterie ging ich zu Bett und schmökerte im Zweitbuch, von denen ich mindestens 100 Stück besitze. ;-)
Der bezaubernden Jeannie machte es übrigens Nullkommanix aus, ob es Strom im Haushalt gibt oder nicht. Sie spielte munter noch ein Weilchen mit einer für sie aufgelesenen Vogelfeder, frass ein paar Bröckchen Futter und legte sich dann ebenfalls zum Schlafen nieder. Zufrieden schnurrend.
Wären wir doch alle ein bißchen mehr wie die bezaubernde Jeannie und etwas weniger wie der - sagen wir mal, etwas angeschickerte - Nachbar aus Wohneinheit Nr. 4!

Liebe Grüße (und an diesem Blogpost seht ihr ja, dass alles wieder einwandfrei funktioniert! Hurra!)
Euer Copinchen!

PS.: Und nun ratet mal, wo der am Montagmorgen eiligst herbeitelefonierte Elektriker den Fehler fand? Soviel verrate ich: Nicht im Wolkenkuckucksheim! :-)

Samstag, 3. Juni 2017

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft!

"Wer eine Katze hat, braucht die Einsamkeit nicht zu fürchten", so wird Daniel Defoe, der immerhin von Einsamkeit eine Ahnung haben muss, zitiert. Schrieb er doch die ergreifende Geschichte eines gewissen Robinson Crusoe, der Schiffbruch erlitt und auf einer einsamen Insel strandete. Sein späterer Kumpel "Freitag" kam ja erst später ins Spiel.
Ja, das werden viele KatzenbesitzerInnen bestätigen können. Denn die Katze ist ein guter, aber ehrlicher Lebenspartner/in, der uns genau zeigt, was geht und was nicht, einerseits selbstständig und sogar distanziert daherkommt, um dann plötzlich einen Schalter umzulegen und uns mit Zuneigung (einige sprechen sogar von "Liebe") zu überschütten. Insbesondere mit einem untrüglichen Gespür dafür ausgestattet, wie es uns als VersorgerIn gerade geht, um in schlechteren Zeiten zur Stelle zu sein und schnurrend und mit niedlichen Posen dafür zu sorgen, dass wir negative Gefühle und Gedanken beiseite schieben und uns ihnen zuwenden. Katzen streicheln kann sogar nachhaltig einen hohen Blutdruck senken und für eine Ausschüttung von Glückshormonen sorgen! Soweit die Wissenschaft. Das beste an Katzen sind aber die kleinen Anekdoten, an die man sich gerne erinnert und die man in geselliger Runde immer mal zum Besten geben kann. Katzenbesitzer lachen herzlich und nicken dann wissend, Nichtkatzenbesitzer sind zumindest mal sehr amüsiert und mit Katzenhassern sitzen wir sowieso nicht freiwillig an einem Tisch. Kann also nix passieren. ;-)
Man kann sie auch bloggen, dann sind sie sogar nachhaltig und zum Immer-wieder-nachlesen für die Nachwelt erhalten!

Hier mal eine von der bezaubernen Jeannie, tatsächlich so passiert und selbst wenn ich mal an Alzheimer erkranken sollte, wird mir dieser Abend wohl für immer in Erinnerung bleiben:

Es war ein Abend, wie er sein sollte: Warm, nach bestem Wetter am Tage kam langsam eine kühle Brise ins Wolkenkuckucksheim. Ich saß frisch geduscht mit noch nassem Haar am PC, um im Internet ein wenig Zerstreuung zu finden, während die bezaubernde Jeannie nach einem eher ruhigen "Arbeitstag" als weltbeste Miezekatze nun geschäftig durch geöffnete Fenster über ihre Katzentreppe nach unten auf die Terrasse kletterte. "Ah, sie will draußen die schöne Abendstimmung genießen"; dachte ich bei mir und lächelte. Jeannie ist eine Genießerin.
Immer mal wieder hörte ich sie wieder heraufklettern und im wilden Galopp durch die Wohnung wetzen. Ich vergleiche diese Gangart gerne mit den Roadrunners aus den Bugs-Bunny-Cartoons, wie sie mit Höchstgeschwindigkeit die Beine in der Bewegung gar nicht mehr erkennen lassen, sondern wie eine Kreissäge erscheinen. Jeannie kann das auch und auf dem Laminat klingt das zuweilen wie durchdrehende Autoreifen mit Spikes auf Glatteis. So ungefähr jedenfalls.
Ich sitz also nichts Böses Ahnend mit lufttrocknender Löwenmähne da, lächle (noch) verträumt vor mich hin, als mich auf einmal etwas attackiert. In den Haaren, dort, wo der Yoga-Sensei die Schädelkrone vermutet, klebt auf einmal irgendwas, was sich heftig wehrt und dabei laut brummselt. Viel lauter, als eine schnurrende Katze das jemals könnte, eher im Dezibelbereich für startende Düsenjäger.
Habt ihr jemals die King Kong-Filme gesehen? Die schreiende Jane in den Klauen des Riesengorillas? Ähnlich episch war mein Schrei, der - wo wir gerade von Dezibeln reden - auch den Eurofighter übertönen hätte können. Was zum Teufel war das? Völlig entsetzt rannte ich zum Badezimmerspiegel, um mir einen Überblick über das Ausmaß der Katastrophe zu verschaffen. Wer wühlte da dröhnend in meiner geliebten Löwenmähne? Und auch noch unaufgefordert bis unerwünscht?
Ich werd nicht mehr. Es war ein - Maikäfer. Ein ziemlich wuchtiger, allerdings. Hier könnte der geneigte Leser vor lauter  Empathie durchaus mal in Ohnmacht fallen. Denn ein Maikäfer ist ein ziemlich fürchterliches Geschöpf mit Klebebeinen, die wild herumwühlen. Und der hatte sich gerade in meinen halbmeterlangen Haaren verfangen. IIIIIiiiiiieeeeehhh! Zu Hüüüülllfeeee!
Irgendwie gelang es mir, das Riesenvieh - ehrlich, es wurde von Minute zu Minute größer und gräßlicher! - aus meinem Schopf zu fummeln, und zwar ohne einen größeren Friseureinsatz mit Extensions und/oder Fiffi zu verursachen. Dem Himmel sei Dank! Die Bestie wurde mit Fluchen und Verwünschungen aus dem Badezimmerfenster verabschiedet, wahrscheinlich habe ich hierbei ein paar Charmapunkte eingebüßt, aber egal: Hurraa, ich bin den Symbionden los und kann sogar wieder atmen! Yay!
Aber monent mal: Wo kam das Biest überhaupt her?
Nicht ohne eine gewisses Gefühl für ein sicheres Timing kam just die bezaubernde Jeannie wieder herein. In ihrem entzückenden Schnäuzchen trug sie - ihr kommt nicht drauf! - einen Maikäfer.
Meine Abneigung für diese possierlichen Tierchen hatte gerade einen neuen Tiefpunkt erreicht und Jeannie bringt schon wieder den nächsten an!
Gott weiss, ich liebe alle Tiere, aber manche halt nicht so sehr. Maikäfer zählen neben Spinnen und das eine oder andere Insekt definitiv nun dazu.
Fassungs- und auch kommentarlos schaute ich zu, wie sie mit dem Käfer im Mäulchen durch die Bude schoß, ohne Käfer wieder zurückkehrte, behende auf die Fensterbank hopste und sich einmal umschaute. "Bis gleich, ich hol dann mal den nächsten!"
Ouha.
Wo kommen denn die nun her? Ist auf der Terrasse womöglich ein Nest? Oder eine Maikäfer-Facebookparty?
Weder noch.
Es waren meine Solarleuchten, die ich so gern mag und die bei Nacht die Terrasse in ein schönes Licht tauchten. Und man konnte die bezaubernde Jeannie besser orten, wenn sie des Nächtens draußen ihr entzückendes Wesen umtreiben ließ.
Gar nicht blöde ist sie, die Jeannie! Die Solarleuchte als Köder für jagdbare Insekten!
Allerdings hatte ich genug von den kleinen Geschenken meiner Miezekatze. Ich ging runter und schaltete die Leuchten aus, Problem gelöst. Katze rein, Fenster zu, aus die Maus. Für heute jedenfalls.
Wenig später ging ich zu Bett, mit dem Gefühl, irgendwas vergessen zu haben. Was nur?
Es dauerte nicht allzu lange, da wusste ich es.
Gerade löschte ich das Licht, murmelte Gutenachtwünsche und wollte gerade ins Land der Träume hinübergleiten, da
BRUMMTE IRGENDWAS NEBEN MEINEM BETT!
Natürlich stand ich kerzengerade in Selbigem.
Der Käfer, den Jeannie nach der Attacke mitgebracht hatte, war aus seiner Schockstarre erwacht und machte nun Anstalten, wieder zu seiner Party zurückzukehren!
Mein Herz hatte sowas von ausgesetzt. Wer rechnet denn mit sowas?
Ich schaute die bezaubernde Jeannie an. "Fängst du ihn bitte wieder ein und trägst ihn wieder hinaus? Ich mach dir auch das Fenster wieder auf."
"Nööö, das ist ja ein Geschenk an DICH! Da musst du dich nun schon selber drum kümmern", erwiderte Jeannie schläfrig und gähnte herzhaft.  Käferjagd macht schließlich müde!

Mit freundlichen Käfern .. äh Grüßen an alle, die heute beschenkt wurden:
Euer Copinchen! :-)